Straußenfarm
Ein bisschen Afrika in Vorpommern

Mit dem Junggesellentrupp kann Uwe Kein noch recht locker umgehen. Die Vögel sind ungemein neugierig und testen viel aus.
Mit dem Junggesellentrupp kann Uwe Kein noch recht locker umgehen. Die Vögel sind ungemein neugierig und testen viel aus.
Rainer Marten

Der Sommer 2018 kam den Randow-Straußen wie ein Aufenthalt in der afrikanischen Heimat vor: Viel Wärme, eine ausgedörrte Landschaft. Der Nordkurier besuchte die Straußenfarm.

Zuerst lassen sich Donald, Hugo und Gustav, die Straußenhähne, nicht stören. Die Menschen, die sich ihren Gehegen nähern, sind einfach zu weit entfernt. „So kommen wir unbeschadet etwas dichter an die Henne heran“, sagt Uwe Kein. In einer großen gescharrten Kiesmulde sitzt noch immer eine Henne und hütet einige Eier. „Die Zeit ist schon überschritten. Aber das ist das Eigenartige, wenn Strauße brüten: Sie geben nicht so schnell auf. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich das Nest räumen.“

Einer der Hähne hat uns nun doch entdeckt. Mit breit ausgelegten Flügeln und wichtigem Gehabe eilt er heran. Donald? Gustav? Uwe Kein weiß, welcher Hahn das ist. „Mal gut, dass sich jetzt zwischen uns und dem Hahn die doppelte Einzäunung befindet“, sagt er. „An seine Hennen lässt er so schnell keinen ran.“

Zufällig zum Verkauf stehenden Bauernhof entdeckt

Kein erzählt das alles, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als Strauße gezüchtet. Dabei züchten seine Frau Sabine und er erst seit 2013 die Laufvögel. Mit einem Quartett, einem Hahn und drei Hennen, damals noch Küken, starteten sie.

Die Idee, bei Blankensee in der Nähe von Löcknitz mit der Zucht zu beginnen, ist allerdings viel älter. Durch einen Zufall entdeckten Keins 2007 den kleinen zum Verkauf stehenden Bauernhof mit zehn Hektar Land. Damals arbeitete er noch beim öffentlichen Personennahverkehr als Projektmanager und seine Frau als Röntgenassistentin. Beide pendelten über Jahre zwischen Berlin und Blankensee, um das Wohnhaus neu auf- und umzubauen und um die Gehege für die Strauße einzurichten.

2012 zogen sie um, in jenem Jahr wurden die ersten, einige tausend Quadratmeter großen Gehege mit einer zwei Meter hohen doppelten Umzäunung fertig. Schließlich nahmen beide an einer Schulung mit Prüfung als Straußenhalter teil. Denn ein paar Regeln sind schon zu beachten, wenn man erfolgreich züchten möchte, sagt er. Da ist zum Beispiel das Thema Ernährung. Strauße sind Pflanzenfresser, verzichten gelegentlich aber auch nicht auf Insekten und andere Kleintiere. Sie lieben Körner, Gräser, Kräuter, Blätter, Blüten und Früchte. Alles wird vom Boden aufgepickt.

Ziel: 200 Küken im Jahr aufziehen

2014 errichteten Keins einen Brutstall, denn allein auf die Naturbrut wollten sie sich nicht verlassen. Die Brut dauert sechs Wochen. Weil die Schale sehr dick ist, haben es die Küken schwer, zu schlüpfen. „Auch hier mussten wir lernen: Wir haben beim Schlupf sehr vorsichtig nachgeholfen, bis wir sahen, dass die Hähne die Eier aus der Höhe fallen lassen, damit die Schale platzt und die Küken herauskommen. Fortan helfen wir bei Bedarf mit einem kleinen Hammer nach“, erzählt Kein.

Inzwischen besitzen Keins ein drittes Quartett, das 2019 legefähig ist. Ihr Ziel ist es, jährlich mindestens 200 Küken aufzuziehen, teilweise für sich, teilweise für den Verkauf.

Die Tiere, die auf dem Hof heranwachsen, landen, bildlich gesprochen, im Topf. Keins lassen auf dem Gut Owstin zwischen Anklam und Greifswald schlachten und verarbeiten in Zusammenarbeit mit einer Friedländer Metzgerei das Fleisch. „Straußenfleisch wird inzwischen besser nachgefragt, als wir es je erhofft haben. Wir stellen Straußensalami, Straußenleberwurst, Straußenknacker und Straußenbockwurst her.