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Einst arbeitslos, heute Agentur-Teamleiterin

Die neue Teamleiterin Jutta Kasel: „Ich weiß, wie das Gegenüber sich fühlt.“ [KT_CREDIT] FOTO: A. Stegemann

VonAngela StegemannJutta Kasel aus Torgelow ist die neue Teamleiterin fürdie Arbeitsagenturen in Pasewalk und Ueckermünde. Die Behörde lernte sieauch als ...

VonAngela Stegemann

Jutta Kasel aus Torgelow ist die neue Teamleiterin für
die Arbeitsagenturen in Pasewalk und Ueckermünde. Die Behörde lernte sie
auch als Arbeitslose
kennen.

Uecker-Randow.Es gab Zeiten, da verband Jutta Kasel das Wort Arbeitsamt mit einer Hoffnung: Endlich einen Job zu bekommen. Sie ist Wirtschaftskaufmann und staatlich geprüfter Betriebswirt. Nur, was fängt man mit solchen Ausbildungen nach der Wende an? Also war die Torgelowerin zunächst arbeitslos. Bis sie darauf stieß, dass die Behörde, in die sie als Arbeitslose ging, Leute suchte. So begann ihre neue Berufskarriere. Nach der Ausbildung von 1993 bis 1996 begann sie als Arbeitsberaterin. Nach vier Jahren als Teamleiterin für den Arbeitgeberservice leitet sie jetzt als Teamleiterin die Geschäftsstellen Pasewalk/Strasburg und Ueckermünde der Agentur für Arbeit Greifswald. Der Hauptsitz der 47-Jährigen befindet sich in Pasewalk. Ans Haff fährt sie gelegentlich, um nach dem Rechten zu sehen. Bei ihrem Weg in der Agentur hat ihr eines geholfen: „Ich weiß, wie das Gegenüber sich fühlt. Ich möchte nicht oberlehrerhaft rüberkommen.“ Auch wenn ihr der Arbeitslose heute natürlich ein gewisses Maß an Lebenserfahrung abnimmt. Neu in der Behörde ist ebenfalls, dass auch die Eingangszone der Agenturen wieder der Teamleitung zugeordnet ist. Überhaupt änderte sich in den vergangenen Jahren viel, schätzt Jutta Kasel ein. Durch die demografische Entwicklung und den Wegzug der Leute hat die Agentur weniger Kunden zu betreuen. Ein Großteil dieser bereitet den Mitarbeitern, die übrigens auch reduziert wurden, Probleme. Jutta Kasel sagt es ohne Umschweife: „Das Potenzial wird immer schlechter.“ Was heißt: Auch wenn das Gesundheits- und Sozialwesen, die Callcenter und Handwerker Leute suchen. Es sind nicht mehr die geeigneten Arbeitslosen da, die man an die Schulbank setzen kann. Viele schaffen von den Voraussetzungen her keine neue Ausbildung. Ältere sind oft zu weit weg vom Bildungssystem. „Außerdem sind die Zeiten vorbei, in denen Bildungsträger ganze Umschulungsklassen durchschleusten“, zeigt Jutta Kasel auf. Also wird Ausbildung, wenn beispielsweise ein Unternehmen einen Elektroniker braucht, über die Firmen realisiert. Der Schwerpunkt bei der Ausbildung von Arbeitslosen liegt derzeit in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren. Auch deshalb, weil diese Altersgruppe nach der Ausbildung noch lange etwas für das Unternehmen tun kann. Denn so eine Umschulung kostet zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Doch den Kopf in den Sand stecken will die Behörde trotzdem nicht. Jutta Kasel berichtet von einem neuen Projekt, bei dem es um „ganzheitliche Integrationsbetreuung“ geht. Ziel ist es, noch geeignete Arbeitslose in Zusammenarbeit mit einer Firma auf den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Dabei ist ein Mitarbeiter der Behörde für 65 Kunden zuständig.
Ansprechpartner für dieses Projekt gibt es neben Pasewalk je einen in Ueckermünde, Anklam, Greifswald und Wolgast. Jutta Kasel hofft, dass dadurch wenigstens einige Arbeitslose einen Job finden. „Die beste Motivation ist für mich, wenn ein Arbeitsloser, der in Arbeit geht, hier anruft und sich bedankt“, sagt sie.