Rüdiger Wieczorek (links) und Stefan Busse aus Strasburg demonstrieren am Donnerstag in Neubrandenburg.
Rüdiger Wieczorek (links) und Stefan Busse aus Strasburg demonstrieren am Donnerstag in Neubrandenburg. NK-Archiv/Nicole Brückner
Demo mit Autokorso

Energiepreise treiben Unternehmer auf die Straße

Wenn die Ministerpräsidentin am Donnerstag in Neubrandenburg die IHK besucht, werden sich auf dem Marktplatz geschätzte 1000 Demonstranten versammeln – mittendrin zwei Strasburger.
Strasburg

Am Donnerstag schauen Unternehmer auch aus der Uecker-Randow-Region nach Neubrandenburg. Während die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) beim Wirtschaftsempfang zu Gast hat, versammeln sich draußen Unternehmer aus dem ganzen Land zum Unternehmeraufstand. Sie wollen der Politikerin und dem Branchenverband zeigen, was sie von der aktuellen Energiepolitik halten.

Rund 240 Pkw, Lkw, Traktoren und Gespanne waren bis Dienstag allein für einen Autokorso angemeldet, der um 16 Uhr an der Stadthalle beginnt, zwei Mal um den Ring und dann in die Innenstadt fährt, wo er auf die Demo trifft, die zeitgleich begonnen hat. Rund 1000 Leute zuzüglich der Insassen aus den Fahrzeugen werden vor dem Haus der Kultur und Bildung erwartet. Mittendrin wollen Ofenbauer Stefan Busse und Rüdiger Wieczorek vom gleichnamigen Autoservice sein. Den Unternehmern aus Strasburg reicht es.

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„Der Krieg muss gestoppt werden“

„Am meisten ärgert mich dieser wahnsinnige Krieg in der Ukraine, dass wir keine Regierung haben, die diplomatische Verhandlungen aufnimmt. Dieser Unfug muss sofort gestoppt werden“, fordert Wieczorek, der mit vier weiteren Leuten in einem Fahrzeug nach Neubrandenburg reist. „Nord Stream 2 muss aufgemacht werden, um die Energieversorgung in Europa zu sichern. Wir können nicht Hals über Kopf Deutschlands Wirtschaft den Bach runtergehen lassen.“ Ihm gehe es wie vielen Unternehmern in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand.“ Strasburger würden seit Monaten sparen, das mache sich auch in seinem Unternehmen bemerkbar, speziell in der Autowaschanlage. „Eine Autowäsche ist zwar nicht einmal richtiger Luxus, aber den Leuten ist die Gasrechnung wichtiger, als ein sauberes Auto.“

„Präsenz zeigen! Jeder Einzelne zählt!”

Stefan Busse vom gleichnamigen Kamin-Service sieht die Probleme für sein Unternehmen erst noch kommen. „Noch sind wir in der glücklichen Lage, die Auftragsbücher voll zu haben, aber die Energiepreise kann sich hier keiner mehr leisten. Das wird sich auch auf unsere Firma niederschlagen.“ Schon darum müsse er demonstrieren. Jetzt müsse etwas passieren, nicht erst in einem dreiviertel Jahr. Deutschlands Außenpolitik störe ihn. „Dass wir keine Verhandlungen mit Russland führen, ist völlig fehl am Platz.“ Der Ofensetzer hofft für Neubrandenburg auf möglichst viele Teilnehmer. „Es geht darum, Präsenz zu zeigen. Jeder Einzelne zählt.“ Er selbst hat 20 Leute zusammengetrommelt. Mit drei Firmen-Transportern und mehreren privaten Autos nimmt die Gruppe an Autokorso und Demo teil.

Hinter der Demonstration stehen die Friedländer Bestatterin Doreen Peter und Mike Regner vom Lackierzentrum Neubrandenburg. Sie haben auch die IHK ins Boot geholt. „Wenn bei den Energiepreisen nichts passiert und keine Hilfe vom Bund kommt, droht vielen die Insolvenz“, heißt es von der IHK Neubrandenburg für das östliche MV.

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