VERKÄUFERIN IN ANGST

„Er kam rein und schrie: Wo ist das Dreckschwein?”

Ein glatzköpfiger Montage-Arbeiter musste sich vor dem Amtsgericht Pasewalk wegen Raub, Hausfriedensbruch und Beleidigung verantworten. Gut, dass er an jenem Abend noch seinen Bruder anrief!
Geschichten aus dem Amtsgericht: Er dachte, sie geht fremd – und drehte durch.
Geschichten aus dem Amtsgericht: Er dachte, sie geht fremd – und drehte durch. Rainer Marten
Pasewalk.

Im Gerichtssaal traf sich ein Ex-Paar. Sie (27): Nieten-Pumps, Wuschelzopf und Khaki-Parker. Er (34): kariertes Hemd, Jeans – und Klage am Hals. Der Mann aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald soll gegen den Willen der Verkäuferin in deren Dachgeschosswohnung eingedrungen sein, sie dort verbal angegriffen und beraubt haben.

Leider Schlampe genannt

Die richterliche Befragung bringt schnell ans Licht: Der Angeklagte kochte an besagtem Abend im Sommer 2019 vor Eifersucht. Als er gegen 21.30 Uhr nach Hause kam, schildert er, habe er sofort gesehen, dass da fremde Männerschuhe im Flur standen. „Naja, und dann kam sie mir auch schon halbnackt entgegen”, so der vermeintlich Gehörnte. Er sei durch die Wohnung gerannt, habe den Rivalen gesucht, aber nicht gefunden. Und während er wie ein wildgewordener Stier durch die Maisonette stürmte, habe er seine damalige Freundin, tja, das sei wohl leider wirklich so gewesen, auch Schlampe und Hure genannt.

Er gab alles gleich zurück

Nach einer kleinen Rangelei in der Küche, dabei stürzte die Ex zu Boden, kam es dann dazu, was auf Behördenpapier zum Raub-Vorwurf wurde: Der Wüterich verließ die Wohnung und nahm, wohl ein verzweifelter Versuch, der Freundin auch irgendwie wehzutun, Fahrzeugbrief und Autoschlüssel ihres Opel Corsa und ein Handy vom Küchentisch mit. Alle drei Dinge – das Handy gehörte dem gesuchten Nebenbuhler, der sich inzwischen heimlich aus der Wohnung geschlichen hatte – gab er noch am gleichen Abend unversehrt zurück: „Keine Ahnung, was ich überhaupt damit wollte.”

Oben ohne in der Wohnung

Die Ex war als Zeugin geladen. Aus ihrer Sicht sei die knapp einjährige Beziehung am diskutierten Abend bereits beendet gewesen, so die Verkäuferin. „Ich hatte ihm gesagt, ich brauche eine Pause und Zeit für mich.” Auch die Wohnungsschlüssel habe sie ihm damals bereits abgenommen gehabt: „Den Schlüssel, mit dem er reinkam, hatte er heimlich behalten.” Und wer war bei ihr als der frisch Geexte plötzlich in der Tür stand? „Ein Arbeitskollege und guter Freund.” Man habe nur geredet und ein bisschen ferngesehen. Aber sie hatte doch nur einen Slip an? „Ich wollte mich gerade umziehen.” Ach so.

Mehr lesen: Warmduscher triumphieren vor Gericht

„Wo ist das Dreckschwein?”

Jedenfalls: An jenem Abend hatte die junge Frau Angst vor dem Angeklagten (saß vor Jahren im Knast, nachdem er mit Kumpels und defekter Schreckschusspistole eine Spielhalle überfallen hatte). „Er kam rein und schrie: Wo ist das Dreckschwein?” Seine Eifersucht habe schon zuvor die Beziehung belastet, jetzt, befürchtete sie, würde er vollends durchdrehen. Die Zempinerin, so viel wird klar, ist mehr als durch mit dem Mann auf der Anklagebank. Als es um die Handgreiflichkeiten in der Küche geht, bleibt sie aber fair: „Der Sturz war nicht so schlimm.”

„Ich habe sie über alles geliebt”

Auch der ominöse Besucher (rief vom Nachbarn aus die Polizei) und ein junger Polizist, der zufällig im selben Haus wohnte, werden als Zeugen gehört. Es bestätigt sich, dass der Angeklagte an der frischen Luft wohl eine weise Entscheidung traf: Statt in ihren Corsa setzte er sich in sein eigenes Auto, fuhr nur um die Ecke, rief seinen Bruder an und ließ sich beruhigen. Als die Polizei eintraf, händigte er brav Autoschlüssel- und Papiere seiner jetzt wohl definitiv Ex-Freundin aus, das Handy des Nebenbuhlers hatte er zuvor schon dem Nachbarn in die Hand gedrückt.

Sein letztes Wort vor Gericht: „Mir tut das alles leid. Ich habe sie über alles geliebt. Ich will nur endlich irgendwo ankommen und glücklich werden.” Urteil: 800 Euro Strafe wegen Beleidigung, die anderen Anklagepunkte sind vom Tisch. Der Verurteilte zum Nordkurier: „Bin sehr erleichtert, hatte mich schon mit einem Bein im Knast gesehen.”

 

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Kommentare (1)

Hatten nur ferngesehen...
😂😂