In einem Strasburger Keller haben Tino (links) und Nico Jahnke (rechts) Mecklenburg-Vorpommerns erste kommerziell betriebene A
In einem Strasburger Keller haben Tino (links) und Nico Jahnke (rechts) Mecklenburg-Vorpommerns erste kommerziell betriebene Aquakulturanlage für Zander in Betrieb genommen. Beraten werden sie von Fischwirtschaftsmeister Max Hoersen. Ralph Sommer
Weil junge Zander unterschiedlich schnell wachsen und oft kannibalisch sind, müssen sie regelmäßig nach Gr&oum
Weil junge Zander unterschiedlich schnell wachsen und oft kannibalisch sind, müssen sie regelmäßig nach Größe sortiert und in getrennte Behältern gesetzt werden. Junior-Unternehmer Nico Jahnke (l.) und Fischwirtschaftsmeister Max Hoersen (r.) trennen die Tiere während einer nur wenige Sekunden langen Begutachtung voneinander. Ralph Sommer
Ausgewachsene Zander sind ausgesprochen beliebte Speisefische. Hier hält der Fischer der Fischerei Köllnitz, Laszlo
Ausgewachsene Zander sind ausgesprochen beliebte Speisefische. Hier hält der Fischer der Fischerei Köllnitz, Laszlo Acz ein besonders schönes Exemplar in den Händen, das ihm bei zum Sonnenaufgang ins Netz gegangen ist. Patrick Pleul
Fisch-Zucht

Erste Zuchtanlage für Zander in MV nimmt Betrieb auf

Die Zander-Bestände in den norddeutschen Seen sind begrenzt. In Strasburg haben deshalb Vater und Sohn die erste kommerzielle Zuchtanlage in MV aufgebaut.
Strasburg

Gedämpftes Licht und feucht-nasses Klima herrschen im Kellerraum der einstigen PGH „Ausbau“ in Strasburg. Wo zu DDR-Zeiten Dachdecker, Ofenbauer und Klempner werkelten, stehen jetzt zehn große, blaue Plastik-Bottiche aneinandergereiht. In den jeweils 6,4 Kubikmeter fassenden Bassins mit 22 Grad warmem Wasser ziehen Schwärme kleiner schwarzer Fische ihre Runden. Es sind Jung-Zander.

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Vor ein paar Monaten hatten Tino Jahnke und sein Sohn Nico die ersten rund 7500 kleinen Fische aus der Forschungszuchtanlage Hohen Wangelin in der Mecklenburgischen Seenplatte abgeholt und in ihre neue Aquazuchtanlage eingesetzt.

Inzwischen sind die Jungfische schon zu halbwüchsigen Exemplaren von zehn bis 25 Zentimeter Länge und 30 bis 40 Gramm Gewicht herangewachsen. Bis zum Frühjahr sollen sie noch mal deutlich zulegen. Dann beginnt ihr zweites Leben in freier Natur.

Besuch in Schweden brachte sie auf die Idee

Auf die Idee, Fischzüchter zu werden, waren Vater und Sohn vor ein paar Jahren in Schweden gekommen. „Damals hatten wir in Skandinavien eine Zuchtanlage besichtigt, in der Edelkrebse aufgezogen wurden. Das brachte uns auf den Gedanken, Ähnliches in Vorpommern auszuprobieren, wenn auch ganz anders, nämlich mit Fischen“, sagt Nico Jahnke, der selbst gern angelt und Mitglied eines Angelvereins am Strasburger Stadtsee ist.

Dass es ausgerechnet Zander werden sollten, lag für die beiden Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik auf der Hand. Denn der Edelfisch sei einer beliebtesten, aber auch teuersten Speisefische der Deutschen.

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Das einheimische Angebot sei begrenzt, etwa 85 bis 90 Prozent der schmackhaften weißen Filets würden importiert, zum Beispiel aus Kasachstan, der Ukraine, dem Baltikum und bis zum Krieg auch aus Russland, sagt der Senior. „Wir wollen den Verbrauchern aber regionale Fische anbieten. Wir glauben, dass eine Zuchtanlage für Besatzfische nicht nur Sinn macht, sondern auch Zukunft hat für uns.“

Technik für Anlage komplett selbst installiert

Für ihr zweites wirtschaftliches Standbein haben Vater und Sohn nicht nur mehr als 100  000 Euro investiert, sondern auch zwei Jahre lang gebastelt. Beraten vom Fischwirtschaftsmeister Max Hoersen aus dem brandenburgischen Görzke, übernahmen die beiden Quereinsteiger den Restbestand einer alten Fischzuchtanlage aus Niedersachsen.

Sie installierten die entsprechende Wasseraufbereitung, Filter-, Futter- und Heiztechnik inklusive Fußbodenheizung sowie die erforderlichen automatischen Regelungssysteme im Eigenbetrieb. Inzwischen hat Mecklenburg-Vorpommerns erste kommerzielle Zuchtanlage für Zander ihren ersten Dauertest bestanden.

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Die massenhafte Aufzucht von Zandern gelte als anspruchsvoll, sagt Experte Hoersen. Anders als zum Beispiel in Aquakulturen für afrikanische Welse müssten hier Wasserwerte wie Nitrat, Nitrit, Ammoniak, Sauerstoff, Kohlendioxid und Temperatur ganz genau eingehalten werden. „Wir benutzen Wasserkreisläufe und Biofilter, und setzen auch keinerlei Antibiotika ein.“

Angelvereine und Fischwirte zeigen Interesse

Läuft alles nach Plan, dann sollen im Frühjahr die ersten mit speziellen Futterpellets aufgepäppelten Besatzfische verkauft werden. Interesse haben bereits Angelvereine und Fischwirte in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg angemeldet.

Die beiden Unternehmer hoffen, die Zander-Aquakulturanlage spätestens in einem Jahr rentabel betreiben zu können. Mittelfristig soll das über ein Blockheizkraftwerk versorgte System mit einem Energiemix aus Flüssiggas und Photovoltaik betrieben werden.

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