DROGEN-FAHRT

Ex-Bürgermeister Gerd Walther verliert Führerschein und muss zahlen

Das Amtsgericht Pasewalk hat Ueckermündes Ex-Bürgermeister wegen einer Drogen-Fahrt den Führerschein entzogen und ihm eine saftige Geldstrafe aufgebrummt.
Holger Schacht Holger Schacht
dpa
Führerschein futsch: Gerd Walther kam mit dem Fahrrad ins Gericht.
Führerschein futsch: Gerd Walther kam mit dem Fahrrad ins Gericht. Holger Schacht
Gerd Walther und sein Pflichtverteidiger David Thieme aus Berlin studierten vor Beginn der Verhandlung Akten.
Gerd Walther und sein Pflichtverteidiger David Thieme aus Berlin studierten vor Beginn der Verhandlung Akten. Holger Schacht
Pasewalk.

Der ehemalige Bürgermeister von Ueckermünde, Gerd Walther, ist wegen einer Autofahrt unter Drogen zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Außerdem bleibt der Führerschein des Ex-Politikers noch mindestens weitere neun Monate eingezogen, wie Richter Gerald Fleckenstein am Donnerstag im Urteil am Amtsgericht Pasewalk festlegte. „Aus Ihren Fahrfehlern ergibt sich, dass sie damals „relativ fahruntüchtig“ waren“, erklärte Fleckenstein den Schuldspruch. Mit sorgsamer Fahrweise sei das Verhalten im Mai 2018 keinesfalls vereinbar gewesen.

Walther hatte zugegeben, unter Drogen von Ueckermünde nach Torgelow Auto gefahren zu sein, aber eine Fahruntüchtigkeit bestritten. Polizisten sahen, wie der Verurteilte damals mehrfach riskant überholt, Sperrlinien und Verkehrsinseln überfahren haben soll. Drogenanalysen ergaben, dass Walther unter erheblichem Einfluss von Amphetaminen und synthetischen Drogen, wie Crystal Meth, stand. Er war wegen Drogenproblemen als Bürgermeister damals schon beurlaubt gewesen, inzwischen wurde er ganz abgesetzt. Ins Rollen gebracht hatte die Affäre um Walthers Drogen-Probleme ein Nordkurier-Bericht Anfang 2018.

Walther präsentierte krude Thesen als Begründung

„Es war ein Freundschaftsdienst, aber ich hätte nicht auf die Straße gemusst“, hatte der 49-Jährige erklärt. Er habe die Fahrt angetreten, weil er einen syrischen Asylbewerber betreut habe. Diesen wollte er nach Torgelow fahren, weil dieser „in der Öffentlichkeit gefährdet war.“

Polizisten hatten vor Gericht beschrieben, wie der Verurteilte damals mehrfach riskant überholt sowie Sperrlinien und Verkehrsinseln überfahren haben soll. Von bis zu 150 Stundenkilometer war die Rede. Nur durch Zufall sei niemand verletzt worden. Die Beamten stellten Walther. Dieser wollte sich aber nicht zu der Fahrt äußern, sondern habe den Polizisten erklärt, dass sich in der Region „Führungskräfte der sogenannten Reichsbürger niedergelassen hätten.“ Walther sprach von „der faschistischen Gruppierung „Deutsche Regierung im Exil““, die Beamten nannten es „wirres Gerede.“

Drogen-Mix aus Amptetaminen und Crystal Meth

Drogenanalysen ergaben später, dass Walther unter erheblichem Einfluss von Amphetaminen und synthetischen Drogen, wie Crystal Meth, stand. Ein Drogenexperte erklärte vor Gericht, dass die Sorten zu gesteigertem Selbstbewusstsein und Risikofehleinschätzung führten. Erste Wirkungen setzten ab 25 Nanogramm pro Milliliter Blut je Sorte ein. Bei Walter seien bei einer Droge mehr als 500 Nanogramm, bei der anderen 71 Nanogramm pro Milliliter Blut gemessen worden.

Die psychiatrische Gutachterin Ramona Strohm schätzte den Ex-Bürgermeister als „verbal begabt“ ein, der sich aber oft auch unkonkret und mit Verschwörungstheorien äußere. „Damit kann man es weit bringen, sowohl in der Politik als auch als Schauspieler.“ Walther sei damals schuldfähig, aber eingeschränkt steuerungsfähig gewesen. Sie kam zu dem Schluss: „Bei Gerd Walther liegt weder Schwachsinn im Sinne des Gesetzes noch eine schwere Persönlichkeitsstörung vor.“ Während der Drogenfahrt habe Walther, so die Gutachterin, eine „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit“ gehabt.

 Ob er den Führerschein zurückbekommt, ist ungewiss

Mit dem Urteil – 40 Tagessätze zu je 50 Euro – blieb der Richter angesichts der niedrigen Einkünfte des Verurteilten unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 3600 Euro Strafe verlangt hatte. Walther hatte angeben, dass er nur rund 1100 Euro monatlich zur Verfügung habe. Der Verteidiger hatte keine konkrete Strafforderung verlangt. Ob Walther nach neun Monaten wieder seinen Führerschein zurückbekommt, legt die Führerscheinstelle des Landkreises fest. So muss der Verurteilte nachweisen, dass keine Drogensucht besteht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Walther zum Urteil: "Damit kann ich leben"

Walther zeigte sich nach dem Urteil zufrieden: „Damit kann ich leben.“ Er sei zwar jetzt vorbestraft, aber „die Strafe wird nicht ins normale Führungszeugnis eingetragen.“ Dies wäre erst der Fall, wenn die Strafe mehr als 90 Tagessätze betragen hätte. Anfechten, so Gerd Walther, werde er das Urteil nicht.

Die Verhandlung am Donnerstag begann mit einigen Minuten Verspätung. Der Vorderreifen von Walthers Fahrrad hatte kurz vor Viereck einen Platten. Den rund 38 Kilometer langen Weg von Vogelsang-Warsin bis Pasewalk legte Walther erneut wie beim letzten Verhandlungstag komplett mit dem Rad zurück.
 

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