GLYHOSAT AUF DEM FELD

Experte: Weniger Gift, dafür mehr Technik nötig

Das Thema Glyphosat-Verbot wurde monatelang emotional diskutiert. Die Landwirte müssen sich aber auf weitere Einschränkungen bei den Pestiziden einstellen. Darüber berieten sich Bauern beim Futterbautag in Retzin mit Pflanzenschutz-Fachleuten.
Fred Lucius Fred Lucius
So üppig wie auf diesem Foto fiel die Ernte auf dem Grünland in diesem Jahr nicht aus. Wegen der Trockenheit waren v
So üppig wie auf diesem Foto fiel die Ernte auf dem Grünland in diesem Jahr nicht aus. Wegen der Trockenheit waren vielerorts nicht alle Gras-Schnitte möglich . Fred Lucius
Retzin.

Mit der Hacke in der Hand werden Landwirte wohl auch in absehbarer Zeit nicht durch Mais- oder Rüben-Bestände ziehen, um diese von Unkraut frei zu halten. Doch die mechanische Unkrautbekämpfung wird für sie zunehmend ein Thema. „Auch wenn es schwierig ist, dieser Problematik müssen sie sich stellen“, sagte Rüdiger Gebhardt vom Pflanzenschutzdienst Rostock auf dem 20. Raminer Futterbautag in Retzin.

Gebhardt zufolge wird die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln nicht größer, sie wird im Gegenteil abnehmen. Viele Präparate und Wirkstoffe stünden zukünftig nicht mehr zur Verfügung. Die Gesellschaft stehe diesen Mitteln kritisch gegenüber. Daher würden in den nächsten Jahren kaum noch Herbizide zur Verfügung stehen. Dass sich diese Entwicklung wieder ändere, sei zu bezweifeln, erklärte der Pflanzenschutz-Experte.

Widerspruch zwischen mehr Schadstoff oder mehr Herbiziden

Wenn die Politik Wirkstoffe vom Markt nehme, müssten die Landwirte dies mit einer mechanischen Bestandsführung der Kulturen ausgleichen. „Das bedeutet, dass der Technikeinsatz auf Feldern und im Grünland höher wird“, sagte Sven Saeger, Geschäftsführer des Bauernverbandes Uecker-Randow. Ein höherer Technikeinsatz aber bedeute einen höheren Schadstoff-Ausstoß, der so genannte ökologische Fußabdruck werde größer. „Das ist doch ein Widerspruch“, sagte Sven Saeger.

Würden Lebensmittel nur noch biologisch produziert, halbiere sich der Ertrag. Für die Produktion benötige man dann mehr Flächen. Im Gegensatz dazu verliere die Landwirtschaft nicht erst seit heute jeden Tag Produktionsflächen. Nur mit Bio-Produkten könnten die Menschen nicht ernährt werden.

Saeger zufolge unternehmen die Bauern bereits viel für den Artenschutz. So gebe es in Mecklenburg-Vorpommern rund 8000 Hektar Blühstreifen und rund 50 000 Hektar Brachland. Hochwertige Ackerflächen in einer begünstigten Region würden für den Artenschutz aus der Produktion genommen.

Der Futterbautag bringt laut Saeger Wissenschaftler und Landwirte mit ihren praktischen Erfahrungen zusammen. In der Uecker-Randow-Region beträgt der Grünlandanteil, auf dem überwiegend Futter angebaut wird, rund 20 Prozent.

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