KRITIK AN POLIZEIEINSATZ

▶ Festnahme ohne Mundschutz und mit Unterhose löst Entsetzen aus

Die Polizei hat einen Verdächtigen in der Pasewalker Klinik vorgeführt – oben ohne und mit heruntergelassener Hose. Die Polizisten trugen keinen Mundschutz. Dürfen die das?
Der Beschuldigte musste auch nach der Untersuchung in der Asklepios Klinik von Polizisten fixiert werden, weil er sehr rabiat gegen die Beamten vorging. Jetzt trägt er einen Mund-Nasen-Schutz. Um seine heruntergelassene Hose kümmert sich niemand. „Unwürdig“, sagt ein Zeuge.
Der Beschuldigte musste auch nach der Untersuchung in der Asklepios Klinik von Polizisten fixiert werden, weil er sehr rabiat gegen die Beamten vorging. Jetzt trägt er einen Mund-Nasen-Schutz. Um seine heruntergelassene Hose kümmert sich niemand. „Unwürdig“, sagt ein Zeuge. Standbild: ZVG
Pasewalk.

Jörn P.* ist noch immer schockiert. Denn die Szenen haben Eindruck hinterlassen. Der Mann fragt sich, ob es so etwas in Deutschland geben darf und ob die Polizei Sonderrechte hat, auch wenn es darum geht, eine Pandemie einzudämmen.

Jörn P. begleitete am Sonnabend einen Freund in die Notaufnahme der Asklepios Klinik Pasewalk. „Dort habe ich Unglaubliches mitansehen müssen“, sagt er. Sechs oder sieben Polizisten brachten abends einen Beschuldigten in die Klinik. Mit freiem Oberkörper und heruntergelassener Hose. Der Mann sei offensichtlich entweder alkoholisiert gewesen oder habe unter Drogen gestanden, berichtet P. „Der Mann konnte wegen der heruntergelassenen Hose kaum laufen. Abgesehen davon kann ich mir kaum eine größere Erniedrigung vorstellen. Auch wenn der Mann die Beamten aufs Übelste beschimpft und beleidigt hat: Aus meiner Sicht rechtfertigt das nicht, so mit einem Festgenommenen umzugehen.“ Während Jörn P. beim Betreten der Klinik registriert und auf die Mundschutzpflicht hingewiesen wurde, hätten sich weder die Beamten geschützt, noch trug der Beschuldigte einen Mund-Nasen-Schutz.

[Video]

Der Beobachter musste das Video löschen

Nach der Untersuchung wurde der Mann mit noch immer heruntergelassener Hose in Richtung Ausgang gebracht. Diese Situation nahm P. aus dem Wartebereich der Notaufnahme mit dem Handy auf, was ein Polizeibeamter, offensichtlich der Vorgesetzte, bemerkte. „Ich wurde durch diesen Polizisten energisch aufgefordert, das Video zu löschen, was ich auch tat. Ich musste mein Handy zeigen, und der Beamte und eine der Kolleginnen überzeugten sich davon“, so P.

Zu Hause konnte er die Aufnahme jedoch wiederherstellen. „Ich bin noch immer schockiert, wie sich der Festgenommene durch das Laufen mit heruntergelassener Hose hat erniedrigen lassen müssen. Bezeichnend finde ich es ebenfalls, dass hinsichtlich der Corona-Geschichte für die Beamten offensichtlich eine Extrawurst gebraten wird“, so P. weiter. Mund-Nasen-Masken trugen sie nicht. Vor diesem Hintergrund habe er sich entschlossen, die Sache öffentlich zu machen.

Die Familie hatte um die Festnahme gebeten

„Die Vorwürfe sind haltlos. Denn das Problem ist, dass der Zeuge nur eine Momentaufnahme des gesamten Polizeieinsatzes erlebt hat und diesen Augenblick bewertet“, sagt zu den Vorwürfen die Sprecherin der Polizeiinspektion Anklam, Katrin Kleedehn. Der Beschuldigte, ein Deutscher aus einem Ort westlich von Pasewalk, sei polizeibekannt. Der Einsatz war auf Bitten der Familie zustande gekommen. „Es war ein körperlich sehr anstrengender Einsatz, dem viel Geduld, mehrere Gefährder-Ansprachen und Platzverweise vorausgingen. Der Vorgang ging mit rabiaten Bedrohungen, Beleidigungen und mit einem erheblichen Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten einher“, berichtet sie. Die Kräfte hätten handeln müssen, um den Zustand des Betroffenen, seinen Drogen- oder Alkoholkonsum, ärztlich feststellen zu können.

Derartige Einsätze ergäben keine schönen Bilder. Zu welchem Zeitpunkt dem Mann die Hosen in die Knie gerutscht war, könne sie nicht sagen. „Er musste schließlich zur Behandlung eingewiesen werden“, erklärt Kleedehn. Wie jeder Bürger auch, würden die Polizisten bei Einsätzen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Gibt das die Situation nicht her oder ist der Einsatz körperlich sehr anstrengend, dann können die Beamten auch darauf verzichten“, so Kleedehn. Man setze dann darauf, dass die Beschuldigten einen Mund-Nasenschutz tragen.

* Name von der Redaktion geändert

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Pasewalk

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Kommentare (27)

Wenn ich als Krankenpfleger in meinen früheren Beschäftigungen einen Patienten in dieser Art und Weise durch das Krankenhaus begleitet hätte, wäre ich im hohen Bogen aus der Arbeit geflogen. Absolut begründet. Dieser hier berichtete Fall muss Konsequenzen haben Für die handelnden Polizisten. Kann ja wohl keine diesbezügliche Dienst Anweisung geben.

Dr. Roman F. Oppermann

Wissen Sie aus Ihrer früheren Beschäftigung ob der "Patient" sich die Hose nicht selbst ausgezogen hat?
Wenn Sie das nicht wissen, warum sollte ein Polizist seine Gesundheit oder gar sein Leben zusätzlich riskieren, um jemandem der es nicht will seine Hose wieder anzuziehen.
Im Übrigen sollte die SPD vielleicht ans Glashaus denken, bezüglich der Konsequenzen bei Verletzung der Grundrechte.

Es gibt für dieses Verhalten keine Rechtfertigung. Ich habe als Pfleger schon Tod und Teufel durchs Krankenhaus gebracht. Besoffene, Verwirrte, Agressive etc. Es gibt Rollstühle, Liegen etc. Es entspricht gerade dem Ethos, wenn ein anderer seine Würde selbst verletzt, dass sich das Pflegepersonal dem annimmt. Es sind hier hässliche Polizeibilder. Das schadet auch deren Ethos. Da muss das Polizeipräsidium Neubrandenburg intern reagieren. Wie gesagt, meine Oberschwester hätte damals massiv reagiert. Ich tue das heute hier auch als Bürger und ehrenamtlicher Kommunalpolitiker in MV.

Ich finde von Profis, und das sollten Polizisten sein, kann ich auch professionelles Verhalten verlangen!
Es ist sicherlich eine gewisse Zumutung, aber das gibt der Beruf nunmal her.
Allein die Tatsache, daß die Polizei die Löschung des Videos verlangte, lässt auch schon Schlüsse und Vermutungen zu, bezüglich eines schlechten Gewissens bzw. das die Beamten irgendwie ahnten, das hier nicht zu 100% sauber gehandelt wurde...

Was mich so richtig nervt, ist die Situation im Bild. Als wäre d a s normal. Was mögen die Eltern des jungen Mannes denken, die ihm mit der Einweisung helfen wollen. Wenn ich der Vater wäre....denk nicht drüber nach...

oder ist das wieder nur ein SPD-Klassiker?
Im übrigen war nie die Rede von Normalität. Die Frage ist doch, sollen Polizisten nur um Ihr Bild von Normalität nicht zu gefährden, die Gesundheit eines Menschen riskieren. Weder die Gesundheit des Patienten noch die der Polizisten wird durch eine heruntergelassene Hose aufgewogen. Auch als ehemaliger Krankenpfleger sollte Ihnen beigebracht worden sein, dass sich niemand unnötig in Gefahr zu begeben hat. Wenn Sie also die vom "Patienten" ausgehende Gefahr nicht kennen, wäre vielleicht ein klein Bißchen weniger Skandalgeschrei angebracht.

Physisch hätten die ihn sicher innerhalb einer Minute ins Froschkostüm gefaltet und ich denke die eigene Sicherheit stand da realistisch betrachtet auch nicht unbedingt im Vordergrund.

Beamte sind auch nur Menschen und wenn sich jemand wie Sc. benimmt, wird er auch so behandelt.

Ist zwar juristisch nicht sauber und die Bilder sind hässlich aber seine Würde hat unter der fehlenden Hose nicht wesentlich mehr gelitten als unter dem Grund weshalb er zur Entnahme geführt werden musste.

Schon schlimm wenn 5 muskulöse Polizisten in Türstehermanier mit der Anmaßung keinen Mundschutz zu tragen diesen kraftlosen verwirrten Hänfling vorführen. Erinnert mich in gewissen Maße an die letzten Vorkommnisse in den USA, wo die Menschenwürde auch mit Füßen getreten wird. Wir sind nicht weit entfernt!

Klar, man hätte ihm auch einen Grünmann überwerfen können, statt ihn so rumlaufen zu lassen aber wer glaubt denn schon daran, dass Beamte immer professionell sind, wenn sie von den Personen beleidigt werden und niemand zusieht.

Sicher ist das juristisch nicht wirklich sauber aber 5 Aussagen gegen eine und dann ging es halt nicht anders.

Frag doch mal jemand vom Justizministerium den ein oder anderen Jusitzbeamten in Waldeck, wen die sich dort in den Isolierhafträumen im Keller mit deren eigenen Fäkalien "zurechtgebogen" haben bis er kooperiert haha. Autorität beruht schließlich auch zum Teil darauf tun und lassen zu können was man für richtig hält und dafür nicht belangt zu werden.

Die Vorgeschichte geht so: Der Mund-Nasen-Schutz soll in öffentlichen Gebäuden vor Infektionen gegenüber anderen schützen. Ob diese gestressten Polizisten coronavirenfrei waren (Stress auf Arbeit ist anderen Berufszweigen unbekannt, weiß doch jeder) - wissen bestimmt nur Christian Drosten und diverse Innen- bzw. Gesundheitsminister. Hoffentlich schlägt bei einigen gutgläubigen Klinikanwesenden in den nächsten Tagen nicht die installierte Corona-App Alarm. Wenn ja, ist die Infektionsquelle bekannt.

Das Bild spricht im ersten Moment leider gegen euch. Aber ich denke mal die runtergelassene Hose soll hier den Zweck der doppelten Fußkette, der begrenzten Fixierung zu sicherem Transport erfüllen - dann ist diese Vorgehensweise voll gerechtfertigt. Auch Polizisten sind Menschen und haben das Recht sich zu schützen.
Aus erster Hand: Vorschlag: Grünmann, Kette um den Hals, frontal fixiert an den Handschellen, weiter runter zu den Fussfesseln und dort auch fixiert. Für den Transport werden maximal 2 Personen benötigt und läuft er wie ein Lämmchen.

... haben die Polizisten alles richtig gemacht. Sie müssen sich von solchen Stieseln werden beschimpfen noch angreifen lassen.

Eine Unterhose hat er zumindest angehabt, also wo ist das Problem? Bei alkoholisierten Party- und Eventgästen muss man halt aufpassen, sonst drohen Verhältnisse wie jüngst in Stuttgart. Dort hatte es die Polizei nicht mehr geschafft die Party-Gäste von Frau Merkel unter Kontrolle zu halten.

... der Randalierer von Stuttgart waren Deutschen. Verschweigen manche Mitbürger allzu gern.

Stuttgart:
Die Hintergründe der Zerstörungen und Plünderungen sind bislang ungeklärt. Man vermutet, dass Wikinger nachts
unbemerkt Rhein, Main und Neckar heraufgerudert sind. Es könnten aber auch Rechte aus der Region gewesen sein.

Oder doch nicht? Die Festgenommenen wohnen meistens noch bei Mutti, die ihre Kinder dann anholen mussten!

Ruhe bei denen, die auf einem bestimmten Auge blind sind.
Man fährt die Ernte dieser Politik ein.

Stuttgart:
Die Hintergründe der Zerstörungen und Plünderungen sind bislang ungeklärt. Man vermutet, dass Wikinger nachts
unbemerkt Rhein, Main und Neckar heraufgerudert sind. Es könnten aber auch Rechte aus der Region gewesen sein.

Oder doch nicht? Die Festgenommenen wohnen meistens noch bei Mutti, die ihre Kinder dann anholen mussten!

Ruhe bei denen, die auf einem bestimmten Auge blind sind.
Man fährt die Ernte dieser Politik ein.

Ups, daran hat die Polizei bei der Festnahme des Strolches wohl nicht gedacht, das Allgemeinwohl ging vor.

Sollen die, die hier rumheulen, doch mal Opfer so eines Verbrechers werden, dann ist man über Polizei froh!

Es soll sich, jeder anständig benehmen in Deutschland, naja die Hose hätte er sich noch anziehen können

War bisschen hinderlich, beim Gehen

Wie wäre es wen die vielen entsetzen hier den Polizeirevieren ihre Adressen angeben würden, damit sie solche Unschuldigen, verfolgten und ihren Grundrechten eingeschränkten Personen in ihre Obhut nehmen würden?Ich denke mal ein typischer Sturm in Wasserglas ein Berserker wurde gebändigt ohne das Beamte verletzt wurden, stört natürlich Leute die die Polizei nicht mögen,aber wen sie mal die Beamten berauchen selbst die Taz hat sich Hilfe erbeten natürlich nicht auf der Müllkippe!

... sind nicht alle Fragen beantwortet worden und so könnte der Eindruck enstehen die Würde des Beschuldigten könnte verletzt worden sein. Ist das aber tatsächlich so? So bleibt die Frage, ob es denn überhaupt möglich war die Hose im hochgezogenen Zustand überhaupt zu sichern. Mit einem Gürtel wäre es sicher zweifelsfrei möglich, aber war ein solcher überhaupt vorhanden? Diese und andere Fragen bleiben unbeantwortet. Ob das nun am Redakteur oder der Pressesprecherin der Polizei liegt sei mal dahingestellt. Hinsichtlich des zu löschenden Videos stellt sich die Frage ob der Aufnehmende "Zeuge" nicht schon bei der Aufnahme erkennen ließ, es nicht bei einer "PRIVATAUFNAHME" zu belassen. Auch Polizeibeamte haben ein Recht auf Unverletzlichkeit der Persönlichkeit. Das Video darf so der Öffentlichkeit nicht zu Schau vorgestellt werden. Kunsturhebergesetz und Datenschutz fällt mir spontan ein. Es ist auch sehr schlecht verpixelt so dass die Handelnden, einschließlich Beschuldigter, ohne weiteres Identifiziert werden können.
Als Polizeibeamter hätte ich das Handy beschlagnahmt und als Beweismittel dem Vorgang beigeben bis in der Sache abschließend entschieden wurde.
Das gezeigte ist polizeilicher Alltag und noch harmlos zu dem was in anderen Städten so abgeht.

Das ist nicht zweifelsfrei geklärt. Auf der einen Seite steht selbstverständlich dem Polizisten das Recht auf Unverletzlichkeit der Persönlichkeit, anderseits stehen Polizisten im öffentlichen Interesse bzw. stehen in der Öffentlichkeit. Vollständige Demokratien haben damit kein Problem, sind die Polizisten z.b. in anderen Demokratien überhaupt nicht abgeneigt geflimt zu werden, zeigt das öffentliche Transparenz der Polizeiarbeit. Anderseits dürfen durch das Filmen wie schon erwähnt keine persönlichkeitsrelevanten Nachteile ergeben. Selbt das Bundesverfassungsgericht hat in einem Grundsatzurteil nicht pauschal die Unzulässigkeit des Filmens festgestellt, siehe Urteil: BVerfG, 24.07.2015 - 1 BvR 2501/13.

...Filmen nicht, aber die Veröffentlichung.

und das noch ungelöste Problem, das Karlsruhe eben nicht geklärt hat. Zum Zwecke der Beweissicherung erklärt Karlsruhe die Zulässigkeit des Filmens. Jedoch muss es darüber ("tragfähige, konkrete Anhaltspunkte dafür geben, dass der filmende Bürger den Film unter Verstoß gegen das KUG veröffentlichen will.") Zitat aus dem Beschluß des BverfG. Hier ist die Frage, wollte der Filmer das denn? Hat er denn veröffentlicht? Er kann es dem Reporter gezeigt haben und dieser hat das Video veröffentlicht... Aber das ist alles Spekulation.

... vom "Zeigen" kommt es nicht in die Öffentlichkeit. Das dürfte jedem einleuchten. Der Videofilm muss also in irgendeiner Form übergeben worden sein. Sei es durch einen Datenträger,per Mail , WatsApp oder sonstwie. Ich denke es ist ganz bewusst Veröffentlicht worden um so einen, aus Sicht des Aufnehmenden, skandalösen Polizeieinsatz der Öffentlichkeit zu präsentieren und daran beteiligte Polizeibeamte zu diskreditieren. Zumindest gibt es dafür im Artikel konkrete Anhaltspunkte für diese, meine Annahme.

wird die einzige Strafe für dieses "Polizeiopfer" sein.