:

Flugzeugbauer in schweren Turbulenzen

Geschäftsführer Michael Bauer ist nach wie vor optimistisch, dass es mit dem Flugzeugbauer Remos am Standort Pasewalk weitergeht.
Geschäftsführer Michael Bauer ist nach wie vor optimistisch, dass es mit dem Flugzeugbauer Remos am Standort Pasewalk weitergeht.
Denny Kleindienst

Ein wichtiger Arbeitgeber in unserer Region ist in Schieflage geraten: Remos Aircraft in Pasewalk ist insolvent, jetzt wurde auch noch bekannt, dass über Jahre keine Miete gezahlt wurde. Die Stadt als Vermieter behielt die Probleme für sich.

Die Remos Aircraft GmbH in Pasewalk hat fast alles, um weitermachen zu können: Über Jahre gesammeltes Know-How im Flugzeugbau, eine ideale Produktionsstätte in Pasewalk/Franzfelde, motivierte Mitarbeiter – und sogar Flugzeugbestellungen. Dem Unternehmen mangelt es allerdings immer wieder an Kapital, um die Arbeiten und Verbindlichkeiten finanzieren zu können. Am 30. Juli stellte die Firmenleitung vor diesem Hintergrund vorsorglich beim Amtsgericht Neubrandenburg Antrag auf Prüfung der Eröffnung einer Insolvenz in Eigenverwaltung. Ende der vergangenen Woche wurde das Verfahren eröffnet – die Firma ist zahlungsunfähig.

Der Standort Pasewalk soll bleiben

Geschäftsführer Michael Bauer ging vor dem Wochenende bereits in die Offensive: Er will am Standort Pasewalk festhalten, ließ er wissen. Die 28 Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden. Auch die Investorensuche geht weiter. Dass sich eine grundsätzliche Entscheidung bei Remos Aicraft anbahnt, zeichnete sich bereits seit Monaten ab: Als Sandra Nachtweih Pasewalks Bürgermeisterin wurde, übernahm sie unwissend eine riesige Bürde ihres Vorgängers: Die Mietrückstände der Remos Aircraft GmbH aus dem Jahre 2010 bis Ende Februar 2014 in Höhe von über 161 000 Euro. Diese Größenordnung wurde in der Stadtverwaltung nach Nordkurier-Informationen erst im Januar 2014 bekannt. Die Unterlagen wurden damals gesichtet – auch weil der achtjährige städtische Mietvertrag mit Remos Aircraft zum 28. Februar endete. In Kenntnis des Datums hatte Remos bereits vorgefühlt, ob die Firma die Produktionshalle in Franzfelde weiter nutzen kann – trotz der Verbindlichkeiten.

Gelingt ein Neuanfang?

Das Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus des Landes bestätigte dann Mitte April, dass aus förderrechtlicher Sicht keine Einwände zur Verlängerung des Mietvertrages bestehen. Allerdings: Pasewalk müsse auf einer marktüblichen Miete bestehen und sich auch weiterhin um Neuansiedlungen im Kompetenzzentrum bemühen. Ob das Ministerium auch Kenntnis über die damaligen offenen Forderungen erhielt, ist offen. Aktuell, so wurde im Wirtschaftsausschuss bekannt, belaufen sich diese auf mindestens 230 000 Euro. Remos wagte oft einen Neuanfang, denn es gab immer viele Förderer. Gelingt das auch dieses Mal? Das ist offen. Bislang reagierten weder die Bürgermeisterin noch Remos Aircraft auf entsprechende Nordkurier-Anfragen.

Weiterführende Links