Irre Leidenschaft
Frau aus Pasewalk hat weltgrößte Nagellack-Sammlung

Carolin Gorra in einem Zimmer mit Teilen ihrer Nagellacksammlung. 
Carolin Gorra in einem Zimmer mit Teilen ihrer Nagellacksammlung.
Christian Charisius

Eine gebürtige Pasewalkerin hat es jetzt offiziell: Niemand auf der Welt besitzt dermaßen viele Nagellack-Fläschchen.

Lila, rosa, neonfarben, mit Glitzer oder Herzchen, mit Entchen-Deckel oder Prinzessinnenbild – Nagellack gibt es in den verschiedensten Farben und Fläschchen mit ausgefallensten Dekorationen. Und Carolin Gorra hat sie anscheinend alle. Diesen Eindruck hat man zumindest, wenn man ihre Erdgeschosswohnung in Hamburg-Niendorf betritt.

An beinahe jeder freien Wand stehen Nagellacke ordentlich aufgereiht in Regalen nebeneinander. Exakt 11 027 Stück sind es. Das haben zwei Anwälte kürzlich nachgezählt. Das Rekord-Institut für Deutschland hat ihr den Weltrekord Ende 2018 deshalb offiziell bestätigt. Seitdem kann sie ihre Sammlung als die größte der Welt bezeichnen.

Der erste Nagellack war blau

Die 39 Jahre alte Wahl-Hamburgerin, die gebürtig aus Pasewalk in Vorpommern stammt, hat seit ihrer Kindheit dieses Faible. Ihren ersten Lack kaufte sie sich, als sie 15 oder 16 Jahre alt war, erzählt die studierte Betriebswirtin. „Damals gab es endlich blauen Nagellack. Ich glaube, der hat auch nur zwei Mark gekostet. Aber ich war einfach superhappy“, sprudelt es aus der quirligen Blonden heraus.

Ihre ersten beiden Fläschchen haben deshalb auch einen Sonderplatz bekommen. Sie stehen im Wohnzimmerregal gleich neben den Raritäten (ein mundgeblasenes Nagellack-Fläschchen mit einem Etikett aus Silber) und den historischen Farben aus den 1920er Jahren. „Damals waren die von der Konsistenz her eher wie Lipgloss oder Kreide. Da durfte Frau ihre Finger lieber nicht benutzen. Sonst war das direkt wieder ab.“

Auto-Industrie machte Nagellack salonfähig

Dass Nagellack im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte alltagstauglicher wurde, hat die Damenwelt der Autoindustrie zu verdanken, weiß Gorra. Mit der Entwicklung von Pigmenten für Autolacke nahm auch die dekorative Kosmetik für Nägel Fahrt auf. 1932 kam dann auch der erste Nagellack auf den Markt, geschaffen von den Brüdern Charles und Joseph Revson sowie dem Chemiker Charles Lachmann – den Gründern der noch heute existierenden Kosmetikfirma Revlon.

Was die Welt der Nagellacke heute mittlerweile zu bieten hat, ist in Carolin Gorras Wohnung gut zu erkennen. Den Farben und Nuancen sind kaum noch Grenzen gesetzt. Im Bad haben zudem Kindernagellacke ihren Platz gefunden. Verziert mit Minnie Maus, Daisy Duck, kleinen Trollen, Disney-Prinzesszinnen, Hunden, Katzen und sonstigen Tieren dominieren sie in den quietschbuntesten Farben die Wände.

Die ganze Wohnung ist voller Nagellack

Ob Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Ankleidezimmer oder Flur – in fast jedem Raum stehen Lacke in Reih und Glied in Wandregalen, finden sich passende Accessoires wie Pumps mit Nagellack-Applikationen, Nagellack-Anstecker, -Parfümflaschen oder Textmarker und USB-Sticks in Nagellack-Form. „Nur die Küche, das Gästezimmer und das Gästebad sind tabu. Die sind Nagellack-frei“, sagt die schlagfertige Sammlerin. Ihr Freund, mit dem sie seit 18 Jahren zusammen ist, habe mit ihrer Leidenschaft kein Problem. „Er hat mich ja so kennengelernt!“

Trotz des Weltrekord-Titels ist für Gorra mit dem Sammeln noch lange nicht Schluss. Sie stöbert regelmäßig im Internet, in Drogerien und in Kaufhäusern nach neuen Lacken. „Dabei suche ich vor allem Sondereditionen. Aber in diesem Winter waren die Farben ziemlich langweilig.“ Überhaupt seien die deutschen Hersteller bei den Farben recht zurückhaltend. Da sei in den USA mehr zu holen. Deshalb lässt sie sich auch gern von Freunden und Bekannten aus dem Urlaub dort hergestellte Besonderheiten mitbringen. „Nagellack aus 54 Ländern habe ich schon. Da fehlen also schon noch einige.“

Die Sammlung hat den Wert eines Kleinwagens

Rund 100 bis 200 Euro gibt Gorra im Monat für neue Fläschchen aus. „Die Sammlung hat mittlerweile schon den Wert eines Kleinwagens“, schätzt sie. Sie selbst mag vor allem knallige Farben auf den Nägeln. Je nach Morgenlaune holt sie gern neonorange, knallblau oder saftiges zitronengelb auf ihre Finger. „Rot oder dezent – das ist nicht meins!“ Nach zwei Tagen bekommt sie dann meist wieder Lust auf neuen Pep. „Mehr als drei Tage mit der gleichen Farbe? Das kann ich nicht“, sagt Gorra. Etwa zehn Prozent ihrer Sammlung kommt auch auf ihre Nägel, sagt sie. Der Rest ist reine Dekoration.

Ihre Leidenschaft trägt die 39-Jährige seit Neuestem auch auf Instagram mit kreativen Fotos in die Welt. Dafür nimmt sie auf die täglichen Spaziergänge mit ihren beiden Hunden gern mal ein paarNagellacke mit und stellt sie für ein Foto zwischen Pilze, Blätter, auf Moos oder andere Plätze. „Hauptsache nicht langweilig!“.

 

 

Ihr großer Traum ist ein eigenes kleines Museum mit Café. Den Namen dafür hat sie schon: „Nagellack Wunderland“. Ein erstes Gefühl dafür kann die Hamburgerin schon Mitte Mai bekommen. Dann darf sie im Dorf- und Schulmuseum von Schönwalde am Bungsberg (Kreis Ostholstein) ihre Sammlung für mehrere Monate ausstellen.

Kommentare (1)

Na gut, dass sowas eine Meldung beim NK wert ist kenne ich ja nun schon. Aber dann noch mit Deppenbindestrich im Titel. Und leider ist es bicht der Einzige. Liebes NK Team, Niveau ist keine Handcreme.