Barbara Caveng (links), ihre Kollegin Lana Svirezheva und ihr Partner Mario Radina vor dem neuen Kunst-Café in der Gro&
Barbara Caveng (links), ihre Kollegin Lana Svirezheva und ihr Partner Mario Radina vor dem neuen Kunst-Café in der Großen Kirchenstraße in Pasewalk. Susanne Böhm
71 alte Kaffeekannen hat Barbara Caveng von Sammlern aus Jatznick bekommen. Das Geschirr ist ein Hingucker in ihrem neuen Loka
71 alte Kaffeekannen hat Barbara Caveng von Sammlern aus Jatznick bekommen. Das Geschirr ist ein Hingucker in ihrem neuen Lokal. Susanne Böhm
Im alten Frisör-Haarwaschbecken wächst jetzt eine Monstera.
Im alten Frisör-Haarwaschbecken wächst jetzt eine Monstera. Susanne Böhm
Kunst

Café-Eröffnung mit alten Kannen und Möbeln vom Sperrmüll

Künstlerin Barbara Caveng macht in Pasewalk erneut von sich Reden. Jetzt hat sie eine Art Café eröffnet, in dem Kaffee und Kuchen nur eine Nebenrolle spielen.
Pasewalk

Barbara Caveng gehen die Ideen nicht aus. Am Wochenende hat sie in Pasewalk eine Art Kunst-Café eröffnet, das den Namen „Salon-Bar ‚Bei Kerstin‘“ trägt. In den Räumen in der Großen Kirchenstraße 25 stechen zunächst eine Menge Kaffeekannen ins Auge. Das Geschirr unterschiedlichen Alters steht fein säuberlich aufgereiht direkt am Eingang. Es gehört Christel und Jörg Hinzpeter aus Jatznick. Jahrzehnte lang sammelte das Ehepaar Kaffeekannen und zeigte sie in einem Fenster ihrer ehemaligen Bäckerei direkt an der Ortsdurchfahrt. „Ich bin dort vorbei gefahren, habe die Kannen gesehen und einfach mal geklingelt“, sagt die Künstlerin, die ihren Namen als Künstlernamen versteht und ihn deshalb am liebsten so geschrieben wissen will: barbara caveng.

Mehr lesen: Kunst am Bahnhof: Frau in Pasewalk kämpft gegen das Wort Flüchtlinge

Über den Coup mit den Kaffeekannen freut sie sich sehr: „Das sind so herzliche Menschen. Sie haben mir ihre alte Backstube gezeigt. Die hat mich extrem beeindruckt. Sie ist wie ein Museum des Alltags, temporäre Kunst.“ Im Gespräch über die Kannensammlung sei sie auf die Idee gekommen, dass diese perfekt in ihr neues Kunst-Café passt. „Kunst und Kaffee gehören seit jeher zusammen.“ In zahlreichen Filmen spiele sowohl das Getränk als auch das gleichnamige Lokal eine Rolle. „Schriftstellerin Simone Beauvoir hat so gerne mit Jean-Paul Sartre bei einem Kaffee philosophiert.“

Lesen Sie auch: Freundschaft: Arrogante „Tussis“ – das ist vorbei

Mit ihrem Vorschlag, ihnen die alten Kannen abzunehmen, rannte die Künstlerin bei den Bäckern offene Türen ein. „Sie möchten umziehen und alle Objekte in guten Händen wissen.“ Also zogen zunächst einmal die Kaffeekannen um. 71 Stück sind es, hat Barbara Cavengs Kollegin Lana Svirezheva gezählt. Keine gleicht der anderen. Nur eins haben alle gemeinsam: Sie sind käuflich und direkt im Kunst-Café erhältlich.

Von wegen Sperrmüll: Möbel mit Geschichten

Wie zu den Kannen, kann Barbara Caveng zu jedem Einrichtungsgegenstand eine kleine Geschichte erzählen. Die Sessel, Baujahr 1979, wurden günstig im Internet ersteigert, der Polsterstuhl aus dem Sperrmüll gefischt und aufgearbeitet. Von dort stammt auch eine Tyrannosaurus-Spielfigur, welche zu einer Monstera passt, die in einem alten Frisör-Haarwaschbecken wächst. Letzteres wiederum ist ein Überbleibsel des ehemaligen Frisörladens, in dem sich jetzt das Kunst-Café befindet. Die Chefin des Frisörladens trug den Vornamen Kerstin. Dieser findet sich nun „als Hommage“ im Namen des Cafés wieder.

Das könnte Sie auch interessieren: Ukraine-Hilfe: Wo sind die vielen einst für Flüchtlinge gekauften Möbel hin?

Neben Bohnenkaffee, gekocht in einer simplen Haushalts-Kaffeemaschine, gibt es selbst gebackenen Käse- oder Schokokuchen. Wer möchte, kann ein paar Euro spenden. Das ist aber kein Muss. „Ich will auf keinen Fall den vorhandenen Gaststätten Konkurrenz machen.“ Bei ihr stünden nicht die kulinarischen Schmankerl im Vordergrund, sondern Kunst und Gespräche. „Ich habe noch nicht viele Gespräche mit Pasewalkern geführt, aber die waren toll – tolle Alltagsphilosophie.“

Bis auf die Geschirrsammlung und ein paar Sitzmöbel ist der Eck-Laden weitgehend leer. Die Installation „Die Vorreiterin“ wurde am Wochenende abgebaut. Was kommt als nächstes? Die Künstlerin weiß es noch nicht. „Ich bin wie ein Filter.“ Sie zeigt auf die Kaffeemaschine. „Ich nehme alles auf, alles läuft durch mich durch, und heraus kommen Ideen.“ Sie denke darüber nach, Cocktail-Abende zu veranstalten. Schließlich habe sie gehört, dass eine Cocktail-Bar in Pasewalk noch fehlen würde. Zunächst aber werde sie sich dem Thema Orchideen widmen. „Als ich durch Pasewalk ging und in die Fenster guckte, fiel mir auf, dass unglaublich viele Pasewalker Orchideen haben. Überall in den Fenstern sind Orchideen.“ Prompt will sie am 14.  Mai einen Orchideen-Workshop veranstalten. Dann schwebt ihr noch etwas vor, „ein bis zwei große, aufwändige Geschichten“. Mehr verrät sie noch nicht.

Barbara Caveng hat ein gefördertes Residenz-Künstler-Stipendium in Pasewalk. Ein halbes Jahr lang lebt und wirkt sie in der Stadt. Zum ersten Mal hatte sie von sich Reden gemacht, als sie am Frauentag eine öffentlichkeitswirksame Aktion mit einem Pferd startete.

Geöffnet ist die Salon-Bar in der Kirchenstr. 25 mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

zur Homepage