Dieses Wandrelief will Barbara Caveng nachbacken. Zunächst einmal braucht sie Hilfe von der Feuerwehr.
Dieses Wandrelief will Barbara Caveng nachbacken. Zunächst einmal braucht sie Hilfe von der Feuerwehr. Barbara Caveng
Barbara Caveng Foto: NK-Archiv
Barbara Caveng Foto: NK-Archiv NK-Archiv
Ziemlich kleinteilig ist der Fassadenschmuck aus den 30er Jahren, den Barbara Caveng nachbacken möchte.
Ziemlich kleinteilig ist der Fassadenschmuck aus den 30er Jahren, den Barbara Caveng nachbacken möchte. Privat
Spektakuläre Kunst

Frau plant Aktion mit Nazi-Speicher und Brot

Barbara Caveng will hoch hinaus. In zehn Metern Höhe will sie den Abdruck eines Wand-Reliefs nehmen. Der soll im Anschluss nachgebacken werden.
Pasewalk

Barbara Caveng strebt nach oben. Von der Feuerwehr lässt sich die Künstlerin am Freitagvormittag in rund zehn Meter Höhe hieven, um zu dem Ähren-Relief an der Fassade eines Speichers in der Nähe des Pasewalker Bahnhofs zu gelangen. Sie will einen Gips-Abdruck von dem Fassadenschmuck aus den 30er Jahren nehmen. Daraus will sie später Backformen aus Silikon basteln. Mithilfe dieser wiederum soll in einem finalen Schritt ein Brot gebacken werden.

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Das Brot wird riesig, so wie der Wandschmuck. Rund drei Mal drei Meter in der Ausdehnung und zwölf Zentimeter tief, schätzt barbara caveng, die ihren Namen klein geschrieben als Künstlernamen verwendet. Die genauen Ausmaße ihres neuesten Projekts wird sie erst kennen, wenn sie die Vorlage in luftiger Höhe vermessen hat. Auch den Arbeitsaufwand und den Schwierigkeitsgrad kann die 58-Jährige zunächst nur erahnen. Natürlich hat sie so etwas noch nie gemacht und kann auch nicht aus den Erfahrungen anderer schöpfen. „In meiner bisherigen künstlerischen Laufbahn habe ich noch nie Silikonbackformen hergestellt.“

Beim Backen wird sie Hilfe brauchen

Soweit sie bisher von unten erkennen konnte, bestehe das Wandbild aus Fliesen und aus sich wiederholenden Formen. Die Körner der fünf Ähren ähneln sich aus der Ferne betrachtet sehr. Daher hege sie die Hoffnung, nicht zahlreiche verschiedene Formen herstellen zu müssen, sondern eine in mehrfacher Ausführung verwenden zu können.

Wenn es ans Backen geht, werde sie möglicherweise wieder einen Aufruf starten und Frauen aus der Region um Hilfe bitten. „Wenn jede ein Korn backt und wir am Ende Korn für Korn zusammen setzen, wird das wieder eine partizipative Aktion.“ Noch zu überlegen sei, ob das Brot verkauft und der Erlös gespendet wird oder ob sie es verschenkt.

Bis spätestens Juli will sie ihr bisher größtes Pasewalker Vorhaben über die Bühne bringen. Hat sie gar keine Höhenangst? „Privat habe ich viele Ängste, aber ich bin komplett angstfrei, wenn es um meine Kunst geht.“

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War erst nicht sicher, ob die Kraft reicht

Seit geraumer Zeit trage sie die Idee mit sich herum. „Zwischendurch war ich innerlich abgebogen wegen der Größe des Unterfangens. Das ist ein Riesen-Unternehmen und sehr komplex. Ich war nicht sicher, ob ich die Kraft dafür habe.“ Schließlich bereite sie parallel eine Ausstellung in Süddeutschland vor. Seit einem Besuch im Brot- und Kunst-Museum in Ulm in Baden-Württemberg vor ein paar Tagen gebe es für sie aber kein Halten mehr.

„Brot ist so existenziell, so sozialpolitisch. Es schlägt einen Bogen von der Entstehung der Menschheit bis zum aktuellen Ukraine-Krieg. Ich werde jetzt versuchen, die Arbeit zu realisieren und bin gespannt.“

Jeder, dem sie bislang von ihrem Plan erzählte, habe den gut gefunden. Auch die Eigentümergesellschaft des wohl im Nationalsozialismus erbauten Gebäudes, die Stadt Pasewalk und die Feuerwehrleute seien sofort sehr aufgeschlossen gewesen.

Seitdem die in Berlin lebende Künstlerin im Februar ihre auf sechs Monate begrenzte Arbeit in Pasewalk angetreten hat, sorgte sie durch mehrere Aktionen für Aufmerksamkeit. Ihr bisher spektakulärster Auftritt war der mit Pferd und Riesen-Stoffbahn am Frauentag. Möglicherweise wird sie das jetzt toppen.

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