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Wegen Bauarbeiten

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Für drei Monate fahren keine Züge nach Stettin

Diese sichtlich marode Brücke bei Löcknitz gehört zu denen, die im Zuge der dreimonatigen Sperrung der Strecke komplett saniert werden sollen.
Diese sichtlich marode Brücke bei Löcknitz gehört zu denen, die im Zuge der dreimonatigen Sperrung der Strecke komplett saniert werden sollen.
Rita Nitsch

Weil zwei Brücken erneuert und 3,6 Kilometer Gleise getauscht werden, mutet die Bahn ihren Kunden zwischen Pasewalk und Stettin eine drei Monate lange Zwangspause zu. Die Reisezeit verdoppelt sich.

Diese Sperrung hat es in Sich: Ab Sonntag fahren zwischen Pasewalk und Stettin keine Züge, sondern Busse. Grund sind Bauarbeiten an der deutsch-polnischen Bahnstrecke. Konkret geht es um zwei Brücken über die Randow zwischen Löcknitz und Grambow. Im September kommt noch ein 3,6 Kilometer langer Gleisabschnitt zwischen Zerrenthin und Löcknitz hinzu, auf dem die Schienen getauscht und der Schotter getauscht werden. Auch ein Bahnübergang soll erneuert und Kabeltiefbauarbeiten durchgeführt werden.

Wie es in der Mitteilung der Bahn über die Bauarbeiten heißt, wird überdies ein umfangreiches Programm zum Schutz von Ottern, Bibern und Zauneidechsen an der Strecke umgesetzt.

Reisezeit: 74 Minuten statt sonst 39

Für die Kunden haben diese Maßnahmen verheerende Folgen. Sämtliche der bis zu neun täglich verkehrenden Zugpaare zwischen Pasewalk und der polnischen Großstadt werden durch Busse ersetzt, die statt der üblichen 39 Minuten stolze 74 Minuten und damit fast doppelt so lang unterwegs sind. Am Fahrpreis von regulär 14,90 Euro zwischen Pasewalk und Stettin ändert sich deswegen allerdings nichts.

Die Ersatzbusse fahren mit Grambow einen Bahnhof auf der Strecke überhaupt nicht an. Wer von dort oder dorthin unterwegs ist, wird auf Kosten der Bahn mit dem Taxi zum und vom Ersatzbus nach Löcknitz gebracht. Um in Pasewalk die Anschlüsse an regulär fahrende Züge zu erhalten, müssen die Fahrgäste in Stettin fast eine Stunde früher losfahren beziehungsweise kommen eine Stunde später in Stettin an. Details zu den Baufahrplänen gibt es auf der Bau-Website der Bahn. Auch in die automatische Fahrplanauskunft sind die Fahrplanänderungen eingepflegt.

Bahn für Vollsperrungen in der Kritik

Die Baupolitik der deutschen Bahn hat dem Unternehmen in den vergangenen Jahren regelmäßig scharfe Kritik von Fahrgastverbänden eingebracht, weil der Staatskonzern bei Bauarbeiten inzwischen immer öfter auf Vollsperrungen setzt, anstatt die Bauarbeiten so zu organisieren, dass der Verkehr weiterlaufen kann. Dies ist – insbesondere auf eingleisigen Strecken – mitunter nur mit deutlich höheren Kosten möglich, als bei einer Vollsperrung anfallen. Zuletzt war die Bahn etwa für ihre Vollsperrung auf der Strecke zwischen Rostock und Schwerin, den beiden größten Strecken des Landes, kritisiert worden. Dort rollten wegen einer Gleissanierung bei Bad Kleinen für ein halbes Jahr keine Züge – ab diesem Sonntag sollen sie nun wieder fahren.