Ein einsamer Wanderer sorgt derzeit in der Uckermark und in Vorpommern-Greifswald für Gesprächsstoff.
Ein einsamer Wanderer sorgt derzeit in der Uckermark und in Vorpommern-Greifswald für Gesprächsstoff. by-studio busse/yankushev
Vagabund

Geheimnisvoller Landstreicher versetzt Region in Alarmbereitschaft

Ein 43-Jähriger wandert seit einigen Tagen durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Viele Menschen beobachten ihn – und werfen ihm mehrere Straftaten vor.
Penkun

Ein sogenannter Vagabund sorgt seit Tagen im Raum Penkun im Landkreis Vorpommern-Greifswald für Gesprächsstoff. Der Mann wandert offenbar ziellos in der Region umher und bricht möglicherweise hin und wieder in Schuppen, Lauben, Ställe und Scheunen ein.

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Dabei steht er offensichtlich genauestens unter Beobachtung. Im Internet-Netzwerk Facebook kursieren mehrere Fotos von dem Herren und Hinweise, wo er sich gerade aufhält. Bei der Polizei in Pasewalk rufen seit einigen Tagen regelmäßig Menschen an, die ihn gesehen haben wollen. Mit weißem T-Shirt, Kopftuch, Vollbart, Rucksack, knielanger Hose und Wanderstock spaziert er auf den Fotos durch die Gegend – er sieht fröhlich aus. Doch ganz so unbeschwert ist er eventuell nicht.

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Scheinbar sucht er bisweilen ein Dach überm Kopf. Zumindest wird ihm vorgeworfen, mehrere Einbrüche begangen zu haben. „Leider wurden wir auch betroffen in Penkun. Er hat sich zu schaffen gemacht und bei uns im Wohnwagen eingebrochen und hat sich da einen Bunten gemacht. Wir sind kein Hotel für Vagabunden. Anzeige bei der Polizei wurde erstattet”, berichtet eine Facebook-Nutzerin.

Polizei wurde nach Penkun, Sommersdorf und Storkow gerufen

Eine Löcknitzerin fragt: „Sollte man aufmerksam sein und seine Kinder eventuell warnen?” Bis nach Löcknitz sei der Landstreicher wohl noch nicht gekommen. Aber man wisse ja nie.

Die Polizei in Pasewalk und Prenzlau hat den einsamen Wanderer im Blick, teilten beide Dienststellen dem Nordkurier am Sonnabend mit. Schließlich wird er bezichtigt, am 14. Juli eine Scheune im brandenburgischen Brüssow (Landkreis Uckermark) in Brand gesteckt zu haben. Die Kriminalpolizei ermittelt in diesem Fall gegen ihn. Auch nach Penkun, Sommersdorf und Storkow, alle in Vorpommern Greifswald nahe der Grenze zu Polen, wurde die Polizei schon wegen dieses Mannes gerufen, sagte am Sonnabend eine Polizeisprecherin auf Nordkurier-Nachfrage. Einbrüche, Sachbeschädigungen und ein Diebstahl würden ihm zur Last gelegt. Die Ermittlungen würden laufen.

Polizei stellt klar: Bitte keine Vorverurteilungen und falschen Verdächtigungen!

Mehrfach sprachen ihn die Polizisten aus den Revieren in Pasewalk und Prenzlau an. Er ist 43 Jahre alt, stammt aus den alten Bundesländern, hat keinen festen Wohnsitz und wohl auch nicht vor, demnächst sesshaft zu werden, heißt es von der Polizei. Fotos von ihm würden sich „wie ein Lauffeuer” im Internet verbreiten. Die Pasewalker Polizei erinnert in dem Zusammenhang ausdrücklich an das Recht am eigenen Bild. Es würden eindeutig identifizierbare Porträtfotos des Wanderers kursieren. Das sei rechtlich fragwürdig, zumal er Straftaten bezichtigt wird, die ihm bislang nicht nachgewiesen wurden. „Da muss man vorsichtig sein. Nur weil er in der Natur leben möchte, darf man ihn nicht öffentlich beschuldigen. Auf frischer Tat ertappt wurde er bislang nicht.”

Angst um Kinder wohl unbegründet

Um seine Kinder muss man sich wegen dieses Mannes aller Wahrscheinlichkeit nach keine Sorgen machen, heißt es von der Polizei. Er neige zumindest nach bisherigen Informationen keinesfalls zur Gewalt. Ganz im Gegenteil. Im Vergleich zum üblichen Klientel sei er ausgesprochen freundlich und umgänglich.

Landstreicherei ist nach Auskunft des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg ein Phänomen, das nicht erst in der heutigen Gesellschaft auftritt. „Bereits in den Statistischen Jahrbüchern im vorletzten Jahrhundert wurden die hierzu statistisch erhobenen Daten veröffentlicht. Landstreicherei hat jedoch noch sehr viel ältere historische Wurzeln”, teilt die Behörde mit. Die Ursachen seien vielfältig. Oftmals sei Obdachlosigkeit der Hauptgrund für das Landstreichern. Weitere Gründe seien Arbeitslosigkeit oder die Verweigerung von sozialer Unterstützung. Schon vor Jahrtausenden habe es Wohnsitzlose gegeben, die umherzogen. 

Nach Informationen des Manager-Magazins werden jedoch nicht nur Menschen mit wenig Geld zu Landstreichern. „Nach dem Motto 'Besser wird's nicht' werfen immer mehr Spitzenleute einfach hin und starten ein neues Leben”, berichtet das Online-Portal. Geld allein genüge diesen Top-Leuten nicht mehr. Davon hätten sie mehr als genug.

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