Wer in Vorpommern auf dem Bau arbeitet, sollte mehr als 20 Euro Stundenlohn verlangen, empfiehlt die Gewerkschaft IG Bau.
Wer in Vorpommern auf dem Bau arbeitet, sollte mehr als 20 Euro Stundenlohn verlangen, empfiehlt die Gewerkschaft IG Bau. Symbolfoto: IG Bau
Schlechte Bezahlung?

Gewerkschaft empfiehlt Bauleuten die Kündigung

Die IG Bau ist der Ansicht, dass gerade in Vorpommern-Greifswald viele Bauarbeiter zu wenig Geld verdienen. Arbeitgeber reagieren sauer.
Pasewalk

20,63 Euro Stundenlohn stehen einem Maurer, Zimmermann oder Straßenbauer zu, heißt es von der Arbeitnehmervertretung. Wer das nicht bekommt, solle mehr verlangen oder die Firma wechseln. „Die rund 3670 Bau-Beschäftigten im Landkreis können sich über fehlende Arbeit nicht beschweren. Doch viele von ihnen verdienen deutlich weniger, als ihnen zusteht“, teilte der IG Bau-Bezirksverband Ostmecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Neubrandenburg in dieser Woche mit. Die Arbeitnehmervereinigung ruft Maurer, Dachdecker und Co. im Nordosten auf, „im Zweifelsfall die Firma zu wechseln“.

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Fachleute händeringend gesucht

„Der Bau boomt – auch in der Pandemie. Die Betriebe suchen händeringend Fachleute. Es kann nicht sein, dass in dieser Situation viele Beschäftigte um einen angemessenen Lohn gebracht werden“, sagte Bezirksvorsitzender Wolfgang Ehlert. Wer mit einer dreijährigen Ausbildung als Baufacharbeiter tätig ist, müsse aktuell auf einen Stundenlohn von 20,63 Euro kommen.

Carsten Burckhardt vom Bundesvorstand der IG BAU, der Tarifverhandlungen für die Gewerkschaft geführt hat, rief zum Lohn-Check auf: „Jeder, der weniger verdient, sollte seinem Chef Bescheid sagen und sich nicht länger unter Wert verkaufen. Im Klartext heißt das dann auch: den Betrieb wechseln.“

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Mehr Lohn verlangen

Vorpommerns Bauleute werden aufgefordert, mehr Geld zu verlangen, andernfalls zu kündigen. Das dürfte manchen Arbeitgebern sauer aufstoßen. So wie Ulrich Nikolaus, der in seinem Krackower Straßen-, Tiefbau- und Fuhrbetrieb 135 Männer und Frauen beschäftigt. „Die Gewerkschaften wiegeln die Leute auf. Was dabei herauskommt, sieht man ja bei den Werften und bei Nordex. „Ob bei Diesel oder Baustoffen – wir haben eine enorme Kostensteigerung aller Produkte, neun bis zehn Prozent Inflation. In dieser Situation kommt die vom Staat gesteuerte Gewerkschaft mit Tariflohn. Das wäre der Tod der mittelständischen Bauindustrie“, sagte er.

Firmen beklagen: Fehlendes Wissen, fehlende Disziplin

Es sei kaum noch möglich, gutes Personal zu finden. „Was heute von den Schulen kommt, ist eine Katastrophe. Die haben einen Notendurchschnitt von vier, können nicht Prozentrechnen, wissen nichts von Dichte und Kubikmetern, fehlen schon am zweiten Arbeitstag.“ Wenn sich solche Leute dann auch noch unterbezahlt fühlen, sei bei ihm das Maß voll. „Wir bilden schon gar nicht mehr aus. Da müsste schon der absolute Überflieger mit einem Zweier-Durchschnitt kommen. Aber das passiert nicht.“ Tariflohn für alle sei in seinem Unternehmen jedenfalls nicht drin, sonst könne er das Unternehmen abmelden.

Nach Informationen der Gewerkschaft liegt der Durchschnittsverdienst von Bauarbeitern in Mecklenburg-Vorpommern aktuell bei 15,58 Euro pro Stunde – 5,05 Euro weniger als der Tariflohn. „Rein rechnerisch gehen einem gelernten Straßenbauer oder Zimmerer damit pro Jahr rund 10 500 Euro durch die Lappen“, sagte Wolfgang Ehlert.

 

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