Hunderte Flüchtlinge wurden in den vergangenen Wochen in Vorpommern von der Polizei gestellt.
Hunderte Flüchtlinge wurden in den vergangenen Wochen in Vorpommern von der Polizei gestellt. Stefan Sauer
Stefan Müller, Amtsvorsteher von Löcknitz-Penkun, hofft auf Hilfe von Land und Bund.
Stefan Müller, Amtsvorsteher von Löcknitz-Penkun, hofft auf Hilfe von Land und Bund. Rainer Marten
Flüchtlinge

Grenz-Dörfer klagen – „Wir schaffen das nicht ohne Hilfe”

Die Route über die deutsch-polnische Grenze wird seit Wochen von Flüchtlingen genutzt. Das ist nicht nur ein Problem der Bundespolizei. Auch Anwohner fühlen sich überfordert.
Blankensee

Der zunehmende Strom von Flüchtlingen, die über die Belarus-Route und Polen kommen und die Grenze zu Vorpommern queren, bereitet den Kommunen im grenznahen Raum große Sorgen. „Die Bürgerinnen und Bürger aus diesen Gemeinden berichten unter anderem von erhöhter Polizeipräsenz, Aufklärungsflügen sowie von erhöhtem Abfallaufkommen durch weggeworfene Habseligkeiten von Flüchtlingen“, sagt Landrat Michael Sack (CDU). Doch in puncto Grenzsicherung stünden der Kreisverwaltung Wünsche oder gar Forderungen gar nicht zu.

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Einwohner fühlen sich verängstigt

Vor Ort sieht man das etwas anders. „Wir haben unendlich viele Probleme und fühlen uns vom Land ziemlich allein gelassen“, sagt zum Beispiel Sacks Parteifreund Stefan Müller (CDU), Amtsvorsteher von Löcknitz-Penkun und Bürgermeister der Gemeinde Blankensee direkt an der deutsch-polnischen Grenze. „Wir hatten einen Staatssekretär für Vorpommern, aber der hat sich hier nicht sehen lassen. Dabei gäbe es jetzt so viel zu besprechen.“ Das Flüchtlingsproblem hier sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. „Ohne Land und Bund schaffen wir das nicht“, sagt Müller.

Der Raum Penkun-Blankensee sei neben Frankfurt (Oder)/Eisenhüttenstadt eine der beiden besonders frequentierten Fluchtrouten. In den Orten fühlten sich viele Einwohner unwohl bis verängstigt, wenn nachts die Hubschrauber über ihnen kreisten oder unbekannte Menschengruppen plötzlich vorbeizögen, sagt Müller. „Früher hatte man bei Familienfeiern über Kinder, Urlaub oder Job gesprochen, heute gebe es nur noch ein Thema: die Flüchtlinge.“

Scheitern an der Bürokratie

Probleme bereite – so einfach das klingen mag – vor allem der Abfall, denn die Flüchtenden hinterlassen – sehr zum Ärger der Anwohner. Da kämen pro Tag schnell mehrere Müllsäcke mit Plastikflaschen, Decken, Taschentüchern oder Kleidungsstücken zusammen. Kürzlich hätten zwischen Blankensee und Penkun tagelang zwei zurückgelassene Autos herumgestanden, berichtet Müller. Vermutlich ehemalige Schleuser-Fahrzeuge. Die zu entsorgen sei kein Pappenstiel gewesen. Dabei seien die bürokratischen Zuständigkeiten unklar, der Verwaltungsaufwand groß.

Zusätzliche Gefahr durch Seuche

Der Landkreis verweist schlicht auf die jeweiligen Eigentümer bei der Müllbeseitigung, die wegen der akuten Einschleppungsgefahr der Afrikanischen Schweinepest aus Polen und wegen der Coronapandemie noch komplizierter wird. Die Helfer müssen beim Einsammeln vorsichtiger sein und die Migranten hinterlassen oft Nahrungsmittel.

Notwendig sei eine schnelle und unbürokratische Lösung, damit das Land die Kosten dafür übernehme, fordert Müller. „In Schwerin fehlt es dafür an Aufmerksamkeit. Wir sind hier nur 13 ehrenamtliche Bürgermeister. Die Müllentsorgung aber ist eine staatliche Aufgabe. Dafür braucht es nicht nur Geld, sondern am besten auch einen Auftrag des Landes an ein konkretes Entsorgungsunternehmen.

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