GRAUSIGER FUND

Hat der Wolf ein Kalb gerissen?

Herdenmanager Martin Krause von der Storkower Agrar AG machte jetzt einen schlimmen Fund. Er entdeckte das abgenagte Skelett eines Kalbs. Für ihn ist klar, wer das Kalb getötet hat.
In der Nacht geboren, am morgen tot und aufgefressen. Dieses Schicksal kann Kälbern in den Randowwiesen bei Krackow ereil
In der Nacht geboren, am morgen tot und aufgefressen. Dieses Schicksal kann Kälbern in den Randowwiesen bei Krackow ereilen, weil dort einer oder mehrere Wölfe unterwegs sind und räubern. Rainer Marten
Herdenmanager Martin Krause (links) hat am Morgen die Überreste des in der Nacht getöteten Kalbes entdeckt. Zweimal
Herdenmanager Martin Krause (links) hat am Morgen die Überreste des in der Nacht getöteten Kalbes entdeckt. Zweimal täglich kontrolliert er die Weiden. Vor Ort auch Rissgutachter Torsten Dinse, der den Schaden einordnet und protokolliert. Rainer Marten
Pasewalk.

Zielsicher steuert Martin Krause den Pritschenwagen quer über die Randowwiese. Der Herdenmanager der Storkower Agrar AG kennt die Flächen bei Krackow. Zwanzig, dreißig Schritte entfernt springt plötzlich ein Fuchs auf und läuft geduckt fort. „Der hat sich auch bedient. Das macht wieder alles schwieriger“, sagt er.

Krause geht um den Wagen herum, vor ihm liegt das abgenagte Skelett eines Kalbs. Alles ist sehr frisch. Die großen Läufe und der Kopf deuten darauf hin, dass es ein stattliches Tier war. In der Nacht endete sein Leben. Der Kopf trägt noch keine Ohrmarken. Vermutlich eine Nachtgeburt oder vom Vortag. „Zweimal täglich kontrollieren wir die Weide. Morgens gegen acht Uhr, nachmittags nach 15 Uhr“, berichtet Krause. Er hält dann Ausschau nach den zuletzt Geborenen, denn in den ersten Tagen erhalten die Kälber die vorgeschriebenen Marken. „Wenn wir damit länger warten, dann ist es fast nicht mehr möglich, die Kälber einzufangen“, sagt er.

Immer wieder Wölfe gesichtet

Der Mann ist verärgert. „Offiziell ist es das fünfte Kalb in diesem Jahr“, sagt er dann, ohne explizit den Wolf zu erwähnen. In Wirklichkeit sind es mehr. Für ihn steht fest, dass es wieder ein Wolfsriss ist. In Krackow scheuen diese Tiere selbst das Tageslicht nicht. Spaziergänger und Landwirte sichten Wölfe in den Randowwiesen immer wieder.

Zwei Kühe hatten an diesem Dienstagmorgen den Weidezaun in Richtung eines Waldstreifens durchbrochen. Dorthin hatte sich ein Kalb gerettet. Die Kühe seien nicht ängstlich, wenn es um ihren Nachwuchs geht, sagt Krause. Sie greifen an, um ihn zu beschützen. An dem Vormittag läuft dann alles nach Protokoll ab: Rissgutachter Torsten Dinse rückt an, um DNA-Spuren zu sichern, der Kadaver wird entsorgt.

Ausnahmegenehmigung beantragt

Firmenmitarbeiterin Ines Krause wehrt sich nach einem solchen Vorfall allerdings sehr dagegen, zum Alltag überzugehen. In Abstimmung mit der Geschäftsführung der Storkower Agrar AG hat sie im Mai einen Antrag zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Wolfes gestellt. Involviert sind Landwirtschaftsministerium, Untere Naturschutzbehörde, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie. „Ich weiß, das ist ein sehr schwieriges Prozedere, denn die Verantwortlichkeiten sind für mich als Antragsteller nicht offensichtlich, um am Ende auch Erfolg zu haben“, sagt sie. „Aber wir machen das auch, weil wir mit unserer naturnahen Weidehaltung und der Geburt der Kälber im Freien ausdrücklich einen Akzent für das Tierwohl setzen. Eine andere Art macht uns das jetzt zunichte.“

Es gebe einen Punkt, da müsse reguliert werden, deutet sie an. In Krackow sei dieser Punkt nun erreicht.

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Kommentare (2)

Über die Kommentare der zahllosen "Wolfexperten" bin ich gespannt, wenn die Wölfe, die hierzulande absolut nichts zu befürchte haben, sich unkontrolliert vermehren dürfen und sich immer dreister verhalten, mal ein Kind anfallen!

PS: Schuld ist niemals der Wolf!

dass ein Wolf ein Kalb frisst. Ist das so schwer zu begreifen?