Geschäftsaufgabe
Historische Adler-Apotheke in Strasburg steht vor dem Aus

Daniela Vetter hat die Adler-Apotheke im Mai 2009 übernommen, davor war Silvio Fahr Inhaber.  
Daniela Vetter hat die Adler-Apotheke im Mai 2009 übernommen, davor war Silvio Fahr Inhaber.
Fred Lucius

Das Haus gehört zu den ältesten in Strasburg. Und eine Apotheke hat hier seit mehr als 285 Jahren ihren Platz. Doch in der Adler-Apotheke können ab April keine Rezepte mehr eingelöst und Medikamente erworben werden. Die Inhaberin gibt das Geschäft auf.

Ist das der Absturz des historischen Apotheken-Adlers in Strasburg? Daniela Vetter, Inhaberin der historischen königlich privilegierten Adler-Apotheke, gibt zum 31. März ihr Geschäft auf. Immerhin gibt es eine Apotheke in dem Haus seit dem Jahr 1733. „Der Entschluss ist mir nicht leicht gefallen. Zumal die Mitarbeiter zu einem großartigen Team zusammengewachsen sind und wir gemeinsam versucht haben, das Beste aus dem Standort herauszuholen“, sagt die Apothekerin, die das Geschäft seit Mai 2009 führt.

Auch der Online-Handel trägt Mitschuld

Nach Angaben der Kauffrau haben mehrere Gründe zu der Entscheidung geführt. Zum einen verliere Strasburg und das Umland seit Jahren Einwohner, vor allem junge Leute würden wegziehen. Direkt an der Bundesstraße gelegen und ohne Parktaschen für haltende Fahrzeuge sei der Standort zum anderen nicht ideal. „Die Krankenkassen haben Rabattverträge mit Arzneimittel-Herstellern abgeschlossen. Diese Artikel müssen wir mit diesen Rabatten abgeben. Dadurch wird die Marge kleiner“, nennt die 43-Jährige einen weiteren Grund. Nicht zu unterschätzen seien die Internet-Apotheken, die Rabatte auf verschriebene Arzneimittel vergeben können, was herkömmliche Apotheken nicht könnten. Darüber hinaus würden heute auch Supermärkte Medizin-, Drogerie- und Kosmetikprodukte verkaufen. Der Trend gehe hin zu immer größeren Apotheken. Die Adler-Apotheke sei auch kein Versorger eines Pflegeheimes, wolle sich in einem Wettkampf um diese auch nicht mit anderen unterbieten. „Das alles trägt dazu bei, dass ein Weiterführen des Geschäfts für mich keine Zukunftsperspektive mit sich bringt. Ich sehe auch nicht, dass sich die wirtschaftliche Lage in absehbarer Zeit verbessert“, sagt Daniela Vetter.

In Strasburg wird dann ab dem 1. April die Brunnen-Apotheke am Markt die Arzneimittelversorgung für Strasburg übernehmen. In diese wird Daniela Vetter auch wechseln. „Von meinen Mitarbeitern haben einige schon einen neuen Arbeitsplatz oder einen in Aussicht”, sagt die Apothekerin.

Kommentare (3)

... dass dieses geschichtsträchtige Haus seine Bestimmung verlieren muss. Es bleibt zu hoffen, dass die Fassade noch sehr lange an die 285 Jahre Betriebsamkeit erinnern wird.

Wie schnell die gesellschaftlichen Verhältnisse einen Ort verwandeln können, sieht man überall. In Strasburg ist viel " den Bach runtergegangen": Ein Kind kann man dort stationär nicht mehr zur Welt bringen, die Einwohnerzahl ist rapide zurück gegangen, ein Abitur kann man nicht in Strasburg ablegen, andere Einrichtungen, auf die man in der DDR zu Recht stolz war, wurden umfunktioniert: kein Kaufhaus mehr, keine POS "J. Gagarin", kein Kino mehr, ein vergammelter Bahnhof. Womit kann Strasburg überhaupt noch punkten?

In der Adler-Apotheke wurde man immer zuverlässig und freundlich bedient, ich wünsche den Beschäftigten alles Gute!