DDR-Bullenstation und Hotel: Was kommt jetzt?

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Hotel Pasewalk macht dicht

Vor 22. Jahren, am 3. November 1995, wurde das Hotel "Pasewalk" eröffnet. Seit dem 1. November ist das Haus geschlossen. Die Erben des früheren Besitzers prüfen jetzt den Verkauf. Interessenten gibt es bereits. Manche erwägen sogar eine Umwidmung des Hauses und streben eine Seniorenresidenz an.
Vor 22. Jahren, am 3. November 1995, wurde das Hotel „Pasewalk” eröffnet. Seit dem 1. November ist das Haus geschlossen. Die Erben des früheren Besitzers prüfen jetzt den Verkauf. Interessenten gibt es bereits. Manche erwägen sogar eine Umwidmung des Hauses und streben eine Seniorenresidenz an.
Rainer Marten

Fast auf dem Tag genau 22 Jahre nach der Eröffnung hat das Hotel „Pasewalk“ in der Dargitzer Straße den Betrieb eingestellt. Die Erbengemeinschaft ist im Gespräch mit Pacht- oder Kaufinteressenten. Darunter sind auch potenzielle Erwerber, die für das Haus Senioren-Konzepte verfolgen.

Pasewalk. Als am 3. November 1995 in der Dargitzer Straße das Hotel „Pasewalk“ öffnete, endete in der Stadt eine Zeit des Mangels, des Betten-Mangels. Denn fünf Jahre nach der Einheit gab es in der Stadt noch immer kaum Möglichkeiten, um als Gast dort zu übernachten. Der Berliner Unternehmer Heinz Laternser hatte diese Lücke erkannt und in der einstigen DDR-Rinderbesamungsstation am Stadtrand nach komplexen Bau- und Sanierungsarbeiten 40 Hotelzimmer eingerichtet. Drei Jahre später erweiterte er die Kapazität um 30 Zimmer. Mit 151 Betten verfügte Pasewalk nun weit und breit über eines der größten Hotels. Über Jahre wurde der Komplex mit einer Kegel- und Bowlingbahn, der Schafbockhalle mit 400 Plätzen, mit einer 1500 Meter langen Gartenbahn, einem Schwimmbad und einem Streichelzoo erweitert. 2006 arbeiteten in dem Komplex 35 Mitarbeiter, darunter 14 Lehrlinge. Das Haus errang in dieser Zeit mehrmals die First Class-Klassifizierung. Die vier Sterne zieren den Hoteleingang – bis heute. Seit dem 1. November ist das Geschichte: Zwei Jahre nach dem Tod von Investor Heinz Laternser hat die Erbengemeinschaft den Hotelbetrieb eingestellt. Der Grund: Die Familie hat einen anderen Branchen- und Ausbildungsbezug.

Den Erben fehlt das Branchenwissen

„Wir sind keine Hoteliers. Wir bedauern, dass wir das Hotel Pasewalk nicht vor Ort führen konnten. Wir mussten feststellen, dass es ohne unsere dauerhafte Vor-Ort-Präsenz nicht geht“, teilte auf Nachfrage ein Sprecher der Erbengemeinschaft mit. Mehrere Erben seien zwar unternehmerisch tätig, ihnen fehle aber das Branchenwissen. „Der wettbewerbsintensive Hotelmarkt erfordert spezifisches Branchenwissen, Synergien werden in der Regel über Größenvorteile sowie Zentralisierung von Einkauf, Marketing und die Anbindung an überregional tätige Hotelkettenverbände erzielt.“ Das alles sei in Pasewalk nicht vorhanden und gegeben. Vor diesen Hintergrund sei der Entschluss gefallen, den Betrieb zu schließen. „Uns ist bewusst, dass der Standort von einem wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb, gleich welcher Nutzungsart, profitieren wird, und wir sind bemüht, hier einen Nachfolger zu finden“, so der Sprecher.

Für das Objekt gebe es bereits Interessenten, auch solche, die Konzepte für Senioren verfolgen. Standort und Objekt seien dafür grundsätzlich geeignet. Die Entscheidung der Erben stehe noch aus.