Strenges Urteil

Im Vollrausch über die B109

Der Richter ging am Ende weit über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus: Weil ein 34-Jähriger wiederholt betrunken Auto fuhr und auch sonst kein unbeschriebenes Blatt war, muss er nun kräftig büßen.
Simone Weirauch Simone Weirauch
Auf der B109 wurde der Autofahrer ertappt - zum wiederholten Mal.
Auf der B109 wurde der Autofahrer ertappt – zum wiederholten Mal. Karten Riemer (Symbolfoto)
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Pasewalk.

Als der junge Polizeibeamte mit seinem Auto zum Frühdienst fuhr, nahm er im Rückspiegel wahr, dass die Lichter des Autos hinter ihm hin und her wanderten. Da fuhr ganz offensichtlich jemand in Schlangenlinien die B 109 bei Ducherow entlang. Es war ein Sonntagmorgen im Juli 2018, es dämmerte schon, auf der Straße war kaum Verkehr. Irgendwann hat das Auto ihn überholt und in der Ortsdurchfahrt wieder stark abgebremst. Später bog der seltsame Autofahrer zu einer Tankstelle ab. Weil ihm die Fahrweise sehr ungewöhnlich erschien, informierte der junge Polizist in der Dienststelle seine Kollegen.

Eine Polizeistreife fand den beschriebenen Kombi kurze Zeit später an der Waschstraße neben der Tankstelle an der B 109. Der Motor lief, der Fahrer war über das Lenkrad gebeugt wohl eingenickt. So beschrieb die Polizistin von der Streifenwagenbesatzung als Zeugin vor dem Pasewalker Strafrichter die Situation von damals.

Im Krankenhaus wurde der Fahrer agressiv

Die Beamten weckten den Fahrer. Er brauchte sehr lange, um sich zu sammeln und auszusteigen, erinnerte sich die Polizistin. Aus dem Wageninneren schlug ihr ein Schwall von Alkoholdunst entgegen. Der offensichtlich betrunkene Autofahrer war Kalle K. (Name von der Redaktion geändert). Kalle reagierte an jenem Morgen zwar langsam auf die Aufforderung der Polizisten, aber er blieb friedlich und pustete freiwillig.

2,11 Promille Alkohol ergab die Messung. Die doppelte Blutprobe kurze Zeit später im Anklamer Krankenhaus bestätigte: Kalle K. war sturzbetrunken. Erst 2,28 und eine halbe Stunde später noch 2,20 Promille sind das Ergebnis dieser Untersuchung. Er habe weder vor noch während der Fahrt Alkohol getrunken, behauptete Kalle K., der im Krankenhaus richtig wach und aggressiv geworden war.

Die Trunkenheitsfahrt war nicht sein einziges Vergehen

Im Gerichtssaal räumte Kalle nun ein, dass er damals Blödsinn gemacht habe. Schon zweimal ist der 34-Jährige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr verurteilt worden. Trotzdem behauptet er, kein Alkoholproblem zu haben. Das habe ihm auch eine Psychologin bestätigt. Außerdem habe er seit Silvester nicht mehr getrunken.

Ein Problem mit Recht und Gesetz hat Kalle aber allemal. Obwohl sein Führerschein nach seiner Alkoholfahrt im Juli 2018 eingezogen worden ist, wurde er ein paar Tage später beim Autofahren erwischt. Diese erneute Straftat und eine Anklage wegen Betruges – Kalle K. hat vier Alu-Felgen über Ebay verkauft, den Preis von 130 Euro einkassiert, die Ware aber nie versendet – sind als verbundene Verfahren am selben Tag verhandelt worden.

Der Richter verurteilte Kalle K. zu insgesamt zehn Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu einer zweijährigen Bewährungszeit. Kalle K. wird für die nächsten dreieinhalb Jahre keine Fahrerlaubnis mehr erteilt bekommen, er muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die 130 Euro an den Käufer der Felgen erstatten.

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