Mit Wasser weihte Pastor Bernhard Riedel die sanierte Kapelle in Batthinsthal. Just in dem Moment goss es in Strömen.
Mit Wasser weihte Pastor Bernhard Riedel die sanierte Kapelle in Batthinsthal. Just in dem Moment goss es in Strömen. Susanne Böhm
Bundestagsmitglied Philipp Amthor (rechts) bedankte sich bei allen, die an der Sanierung mitgewirkt haben.
Bundestagsmitglied Philipp Amthor (rechts) bedankte sich bei allen, die an der Sanierung mitgewirkt haben. Susanne Böhm
Die Kapelle ist umringt von großen, alten Bäumen. In dem Park sind noch Wege anzulegen.
Die Kapelle ist umringt von großen, alten Bäumen. In dem Park sind noch Wege anzulegen. Susanne Böhm
Einzigartig

▶ In dieser Kapelle darf jeder die Glocke läuten

Das Kirchengebäude in Batthinsthal wurde am Wochenende frisch saniert eingeweiht. Es ist ein ganz besonderes Gotteshaus –nicht nur, weil es sehr hübsch ist.
Battinsthal

Die Parkkapelle in Battinsthal wurde am Sonnabend frisch restauriert eingeweiht – 23 Jahre nach Beginn der Bemühungen um ihren Erhalt. „Als ich 1999 nach Penkun kam, wuchs hier, wo ich heute stehe, ein Baum, sagte Pastor Bernhard Riedel vor dem Altar. „Er drohte, das Haus auseinander zu sprengen, aber er zog seine Kraft zum Leben aus der Kapelle.“ Battinsthal.

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Damals habe man vor der Frage gestanden, ob das nicht mehr genutzte Gotteshaus aufgegeben wird, oder ob es wieder „in altem Glanz erstrahlen“ soll. „Wer soll das bezahlen? Brauchen wir die Kapelle heute überhaupt noch?“ Lange sei diskutiert und überlegt worden. „Kirchen sind dem Ökonomiegebot und dem menschlichen Nutzungszwang enthoben. Hier finden Menschen Ruhe. Kirchen sind heilige Orte.“ Bei der ersten Battinsthaler Christnacht 1999 „das Samenkorn“ zur Sanierung gelegt worden. „Wir ahnten nicht, was auf uns zu kommt.“

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Die goldenen Sterne strahlen wieder

Heute strahlen viele goldene Sterne von ihrer zehn Meter hohen Gewölbedecke und herab hängt ein langes Seil, an dem jeder Besucher ziehen und die Glocke läuten darf. „Das ist einzigartig. So etwas gibt es nirgends sonst.“ Beim Einweihungsgottesdienst waren alle Kirchenbänke besetzt. Manche Gäste saßen auf Klappstühlen im Gang. „Das Samenkorn ist gediehen, die Saat ist aufgegangen“, sagte der Pastor. Im Anschluss weihte er das Haus mit Wasser.

Bundestagsmitglied Philipp Amthor (CDU) bedankte sich beim Verein der Freunde und Förderer der Parkkapelle und bei allen anderen, die bei der Sanierung geholfen haben. „Das ist der Verdienst all dieser Leute, keine Heldentat von Politikern. So etwas kann nur mit zivilgesellschaftlichem Engagement gelingen.“ Bernhard Riedel wies darauf hin, dass noch nicht alle Aufgaben abgearbeitet sind.

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Für Hochzeiten und Taufen offen

„Mit so einem Haus wird man nie ganz fertig.“ Er zeigte einige kaputte Stellen im Fußboden. Außerdem sollen im zugehörigen Park Wege angelegt werden. Auch die Beleuchtung sei zu erneuern. Parallel sei es Aufgabe des Fördervereins, dessen Vorsitzender er ist, die Kapelle weiter mit Leben zu erfüllen. In dem Gebäude finden seit Längerem regelmäßig Veranstaltungen wie Gottesdienste zu Ostern, zum Erntedank oder zu Weihnachten statt. Auch für Hochzeiten, Taufen oder Konzerte öffnen sich die Türen. Für Hochzeiten wird das Gebäude künftig wohl häufiger genutzt, vermutet Bernhard Riedel. Zudem stehe die Kapelle im Sommer als Touristenattraktion offen. Battinsthal liegt am Oder-Neiße-Radweg.

Das Haus war seit 1858 in Gebrauch, stand vor 1999 aber viele Jahre leer. Im unteren Geschoss befand sich bis 1945 eine Gruftanlage, in der mehrere Zinksärge mit Verstorbenen der Familie von Schuckmann gestanden haben. Mit der Bodenreform 1950 wurde auch der Park mit der Kapelle Eigentum der Gemeinde Krackow. Nutzerin ist die Kirchengemeinde Penkun.

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