André Buchholz mit einem Teil seines Teams in dem Kommissionierautomaten. Das Gerät ist mehr als viereinhalb Meter
André Buchholz mit einem Teil seines Teams in dem Kommissionierautomaten. Das Gerät ist mehr als viereinhalb Meter lang und dreieinhalb Meter hoch. Susanne Böhm
Künstliche Intelligenz

▶ In dieser Löcknitzer Apotheke bedient ein Roboter die Kunden

Ein riesiger Automat arbeitet in der Randow-Apotheke. Er erspart dem Team mehr als 1200 Arbeitsstunden im Jahr und wird niemals müde.
Löcknitz

Wer in der Randow-Apotheke in Löcknitz ein Medikament kauft, wird ohne es zu ahnen, von einer Maschine bedient. Apotheker André Buchholz hat für sein Unternehmen einen Kommissionierautomaten gekauft.

Roboter wird nicht müde

Der riesige Apparat – er ist mehr als viereinhalb Meter lang, dreieinhalb Meter hoch und mehr als eineinhalb Meter breit – steht für die Kunden unsichtbar im Hintergrund und arbeitet ohne Ermüdungserscheinungen. 4143 Kilogramm bringt der Koloss auf die Waage. Ein Statiker musste den Boden überprüfen, bevor er aufgestellt werden konnte. Der Kommissionierer sei nötig geworden, als die Arbeitsbelastung in der Coronakrise stieg.

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Im Wesentlichen besteht der Automat aus zwei deckenhohen Regalen, mehreren Computern und einem Greifarm. Völlig selbstständig sortiert der Roboter rund 11 000 Medikamente in seinem Inneren, lagert sie ein, sucht nach Rezepteingabe das richtige heraus und spuckt es durch eine seiner Ausgabeöffnungen aus. Pro Medikament erspart das automatische Lagersystem Buchholz und seinen neun Mitarbeiterinnen rund sechs Handgriffe. „Das sind 1276 Stunden im Jahr“, hat der 33-Jährige ausgerechnet. Er betont, dass deswegen niemand entlassen wird und er niemals auf menschliche Mitarbeiter verzichten würde.

Empfehlungen in Apotheke oft so wichtig bei Diagnose beim Arzt

Schließlich lebe seine Branche von persönlicher Beratung und dem Fachwissen der Apotheker und Pharmazeuten. Von Medikamentenversandhäusern im Internet, die immer größer und zahlreicher werden und den niedergelassenen Apotheken zunehmend das Leben schwer machen, halte er gar nichts. Oftmals seien die Empfehlungen in der Apotheke so wichtig wie die Diagnose des Arztes.

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Das aber fehle bei Versandapotheken, in denen sich die Patienten die Medikamente allein aussuchen. Dabei könne er Arzneimittel sogar schneller liefern. „Wir haben mehr als 90 Prozent aller Medikamente im Bestand.“ Was er nicht habe, könne er innerhalb von drei Stunden besorgen. „Außerdem zahlen Versandapotheken in Deutschland keine Steuern und stellen keine Rezepturen her, die speziell auf einen bestimmten Patienten zugeschnitten sind.“

Schon neues Vorhaben geplant

Seit 1994 gebe es die Randow-Apotheke an ihrem Standort in der Chausseestraße. Er habe sie im vergangenen Jahr übernommen. Seine Vorgängerin habe sich beruflich umorientiert. Als gebürtiger Grambower habe er nach seinem Studium in Greifswald zunächst in Demmin gearbeitet, aber unbedingt zurück in die Heimat gewollt. „Das ist der schönste Teil Deutschlands.“ In seiner Freizeit gehe er gern zur Jagd und finde dafür in Südvorpommern beste Bedingungen. Gern wolle er in Löcknitz ein Haus bauen. Leider gebe es zurzeit kein Bauland. Bevor der Greifroboter in seiner Apotheke installiert werden konnte, seien die Räume umgebaut und renoviert worden. Sein nächstes Vorhaben seien Abholfächer an der Apotheke, damit Kunden ihre Medikamente auch außerhalb der Öffnungszeiten bekommen können.

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