VEREIN SPENDIERT NEUE ZUCHTSAU

In Pampow grunzt jetzt die Hanny

Auf dem Gelände des Hauses Salomo in Pampow gibt es wieder eine Zuchtsau – gespendet vom Verein für Kriminalitätsopfer "Weißer Ring". Schließlich ist die Einrichtung für Suchtkranke auch ein Opfer. Denn hier wurde eine Zuchtsau verschleppt und ermordet.
Von Schweinezüchter Knuth Büttner-Janner vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Schapow (Gemeinde Nordwestuckermark) stammt die Zuchtsau.
Von Schweinezüchter Knuth Büttner-Janner vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Schapow (Gemeinde Nordwestuckermark) stammt die Zuchtsau. Fred Lucius
Erst einmal die neue Umgebung erkunden: In ihren neuen Stall wollte die Zuchtsau nicht gleich. Guido Schmidt ist in Pampow für die Schweinehaltung zuständig.
Erst einmal die neue Umgebung erkunden: In ihren neuen Stall wollte die Zuchtsau nicht gleich. Guido Schmidt ist in Pampow für die Schweinehaltung zuständig. Fred Lucius
In der Buchte hängt das Namensschild.
In der Buchte hängt das Namensschild. Fred Lucius
Manfred Dachner tauft mit alkoholfreiem Sekt die Zuchtsau auf den Namen Hanny. Mit dabei sind die Leiterin der Pampower Einrichtung Angelika Holtz (links) und Angela Straßburg von der Außenstelle Uecker-Randow des Weißen Ringes.
Manfred Dachner tauft mit alkoholfreiem Sekt die Zuchtsau auf den Namen Hanny. Mit dabei sind die Leiterin der Pampower Einrichtung Angelika Holtz (links) und Angela Straßburg von der Außenstelle Uecker-Randow des Weißen Ringes. Fred Lucius
Auch der Eber in Pampow erhielt bei der Übergabe der Zuchtsau einen Namen: Er heißt jetzt Hansi.
Auch der Eber in Pampow erhielt bei der Übergabe der Zuchtsau einen Namen: Er heißt jetzt Hansi. Fred Lucius
Pampow.

Der Eber im betreuten Wohnen des Hauses Salomo der AWO in Pampow scheint etwas zu ahnen. Aufgeregt läuft er grunzend am Zaun auf und ab. Kein Wunder: Gleich wird eine staatliche neue Sau auf den Hof gefahren. Diese bringt Knuth Büttner-Janner vom gleichnamigen Schweinezuchtbetrieb in Schapow (Gemeinde Nordwestuckermark). Vor dem Stall warten Bewohner der Einrichtung für Suchtkranke, Hausleiterin Angelika Holtz, Manfred Dachner und Angela Straßburg vom Verein Weißer Ring. Dieser hat das 130 Kilo schwere Borstenvieh spendiert.

„Ich habe von der Tante meiner Frau, die in Blankensee wohnt, von der getöteten und verschleppten Zuchtsau gehört. Da wollten wir als Verein schnell und unbürokratisch helfen“, erzählt Manfred Dachner, stellvertretender Landesvorsitzender des Weißen Ringes. Agrarminister Till Backhaus habe dann Hilfe bei der Beschaffung zugesagt, der Schweinekontroll- und Beratungsring Mecklenburg-Vorpommern den Betrieb in Schapow vermittelt.

Hanny hat auch einen Mann

„So einen Opferfall hatten wir natürlich noch nicht. Aber für die Suchtkrankenhilfe hier in Pampow hat ein solches Tier eine besondere Bedeutung. Es gibt den wirtschaftlichen Faktor. Außerdem gehört die Beschäftigung mit Tieren zur Arbeitstherapie der Bewohner“, meint Dachner und kippt der Zuchtsau anlässlich der Übergabe und zur Taufe alkoholfreien Sekt über den Rücken. Hanny wird das Borstenvieh fortan genannt. Der Eber bekommt natürlich auch einen Namen – Hansi heißt er jetzt.

„Wir wollen mit der Hilfe den Leuten hier Mut machen und ein Zeichen setzen, dass sie nicht vergessen sind“, sagt Dachner. Hausleiterin Angelika Holtz ist froh über den tierischen Ersatz und ebenso über eine finanzielle Hilfe des Weißen Ringes nach einem Diebstahl im Januar, als Werkzeug in Pampow gestohlen wurde. Auch wenn die Spuren der Schweine-Mörder vom 12. März in Richtung des polnischen Dorfes Stolzenburg (Stolec) deuten – Schuldzuweisungen will Angelika Holtz nicht machen. „Das sind doch unsere Nachbarn. Wir wollen das Verhältnis nicht vergiften“, sagt sie.

Hoffentlich viele Ferkel

Die erste Rausche, die Tage, in denen ein Schwein trächtig werden kann, hat die knapp acht Monate alte Hanny bereits hinter sich. „Zu Ostern könnte es also zur ersten Paarung mit Hansi kommen“, erklärt Landwirt Knuth Büttner-Janner. Die Jungsau ist eine so genannte F-1 Hybridsau, eine Kreuzung der Rassen Deutsches Landschwein und Deutsches Edelschwein. „Bei uns in Schapow streben wir pro Wurf zwölf Ferkel plus X an. Wenn man hier zehn Ferkel pro Wurf großzieht, wäre das gut“, sagt der Schweinezüchter. Beim letzten Wurf der getöteten Zuchtsau konnten sich die Pampower über neun kleine Ferkel freuen. „Drei davon gehen jetzt in unsere Einrichtung nach Rosenthal bei Strasburg“, gibt Angelika Holtz zu verstehen.

Vier Schweine lässt die AWO jedes Jahr bei den Gemeinnützigen Werk- und Wohnstätten GmbH in Woldegk schlachten und verarbeiten. Wurst und Fleisch dienen der Versorgung der Bewohner. „Hoffentlich bleibt uns Hanny lange erhalten und bringt viele Ferkel“, hofft Bewohner Guido Schmidt, der sich um die Schweine in Pampow kümmert. Zwar sei die neue Zuchtsau ein wirklich schönes Tier, aber man kann ja nachts nicht im Stall übernachten um aufzupassen, sagt er schmunzelnd.

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