MITARBEITER VERUNSICHERT

Insolvenz trifft alle "Lila Bäcker"-Firmen

Alle fünf Firmen der Bäckerei-Kette in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg müssen sich laut Gericht jetzt mit der Pleite auseinandersetzen.
dpa
Der Umsatz der Gruppe, die auch als „Unser Heimatbäcker” firmiert, lag 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen Euro.
Der Umsatz der Gruppe, die auch als „Unser Heimatbäcker” firmiert, lag 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen Euro. Bernd Wüstneck
Pasewalk.

Von der Insolvenz der Bäckereikette „Lila Bäcker” (Pasewalk) sind alle fünf Firmen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg betroffen. „Es handelt sich um eine Gruppeninsolvenz in Eigenverwaltung”, erläuterte am Mittwoch eine Sprecherin des Amtsgerichtes Neubrandenburg, wo die Insolvenz am Dienstag angemeldet worden war. Ursache sei Zahlungsunfähigkeit.

Produktion und Verkauf in rund 400 Filialen (vorwiegend in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin) sollen mit Insolvenzausfallgeld über die Arbeitsagenturen zunächst bis Ende Februar 2019 weiter gesichert sein. Bei den rund 2700 Beschäftigten habe die Nachricht große Unsicherheit ausgelöst, hieß es bei der Gewerkschaft NGG am Mittwoch.

In Branche herrscht hoher Druck im Wettbewerb

Gruppeninsolvenz und Insolvenz in Eigenverwaltung sind Spezialfälle des Insolvenzrechts. Bei der Gruppeninsolvenz können die Insolvenzverfahren einer Unternehmensgruppe bei einem Insolvenzgericht zusammengefasst werden; bei der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt das Management des Unternehmens im Amt.

Ein Sprecher des Hauptgesellschafters Deutsche Beteiligungs AG (DBAG/Frankfurt/Main), nannte hohen Druck im Wettbewerb der Branche wie durch Backstationen bei Discountern, höhere Mindestlöhne und nicht ausreichende Maßnahmen zur Umstrukturierung als Ursachen. Der Umsatz der Gruppe, die auch als „Unser Heimatbäcker” firmiert, lag 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen und 2018 bei „geplant 130 Millionen Euro.” Die Kette hat fünf Firmen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

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Kommentare (4)

geht von uns. Weil wird unsere Brötchen im Supermarkt kaufen. Auf ausländischen Backstraßen vorgebackene Backlinge. Industrielle Massenproduktion! Da kann der Heimatbäcker einfach nicht mehr mithalten. Das Bäckerhandwerk - wie wir es kennen - stirbt aus.

Bei einer Bäckereikette mit mehreren Produktionsstandorten und 400 Filialen kann man wohl kaum von Handwerk sprechen. Das ist genauso industrielle Massenproduktion. Da nützt alle Heimatduselei nichts.

"Wer ein Geschäftsmodell hat, das auf Ausbeutung und Niedriglöhnen basiert, hat kein Geschäftsmodell."
Lila Bäcker lag eben preislich über den (zugegebenermaßen fiesen) Discountern, die lt. Gerichtsbeschlüssen ja nichtmal das Wort "backen" nutzen dürfen, da das Erwärmen eines Teigrohlings samt künstlicher Färbung nicht als Backvorgang gilt. Gleichzeitig versprühten die Fililalen eher den Charme der DDR Verkaufsstationen als die im ganzen Norden außerordentlich erfolgreichen Hansebäcker / Bäcker Junge Filialen. Zeigt: Die Kunden geben gerne mehr Geld beim Bäcker aus wenn das Marketing stimmt, das Angebot reichhaltig scheint und Opa jederzeit schnell aufs Klo kann.
Zugegebenermaßen schei*e für die AngestelltInnen, aber marktbereinigungstechnisch ist gegen die Abwicklung von Lila Bäcker nichts einzuwenden.
PS: An alle Nostalgiker, bzw. Vollspezialisten, die noch von der DDR schwärmen: Manufaktur-Brötchen gibts in MV auch, kostet aber auch 50 Cent/Stück (mit Sesam das doppelte) - muss man eben die Zigaretten weglassen.

Die Produkte waren schon seit Jahren zu teuer, die Qualität ist schlecht. Die Gehälter der Bosse üppig! Wer da noch zur arbeit geht ohne Geld ist selbst dran schuld. Ich brauch diese letzte Chance - lila nicht..... Weg damt was solls......ich back meine Brötchen und Kuchen selber.