Weil schnelles Internet fehlt
Jetzt droht sogar der Arzt mit Weggang

In der Gemeinde Jatznick gehört auch der Ort Sandförde zu denen, die ein schnelles Internet und noch so manchen Festanschluss fürs Telefon brauchen.
In der Gemeinde Jatznick gehört auch der Ort Sandförde zu denen, die ein schnelles Internet und noch so manchen Festanschluss fürs Telefon brauchen.
NK-MONTAGE: Daniel Focke

Endlich schnelles Internet – bisher träumen einige Jatznicker Ortsteile nur davon. Weil sie mal wieder von den Fördertöpfen abgeschnitten wurden, gehen die Anwohner nun auf die Barrikaden. Wenn sich nichts tut, könnte deswegen sogar die Arztpraxis in dem Ort dicht machen.

Nur Wenigen ist es in der Großgemeinde Jatznick möglich, sich zügig im Internet zu bewegen. Dabei tönt die Bundesregierung, eine flächendeckende Breitbandanbindung bis 2018 realisieren zu wollen. Auch im neuen Koalitionsvertrag der Landesregierung aus SPD und CDU taucht diese steile Behauptung auf.

Doch die Wahrheit sieht – zumindest bis jetzt – anders aus. In den aktuellen Förderplänen taucht das Amt Uecker-Randow-Tal, zu dem Jatznick gehört, nicht mehr auf. Jetzt reicht es den Bürgern. Eine Unterschriftensammlung für eine Realisierung auch dort wurde gestartet - und so gut wie alle Anwohner haben unterschrieben.

Gefahr ist real

Gemeindevertreter Frank Schulz ist sauer: "In der Gemeinde ist schon einiges weggebrochen. Sollen jetzt vielleicht noch die Arztpraxis, die Schule, kleine Unternehmen, die Feuerwehr folgen?" Diese Gefahr ist real, sagt Landarzt Dr. Klaus-Rüdiger Ganz: "Bis 2018 muss jede Arztpraxis voll digitalisiert sein. Sonst kann ich in Jatznick schließen", informiert Landarzt Dr. Klaus-Rüdiger Ganz. Versicherungsträger, Apotheken, die Abrechnungsstellen, jeder verlange diese Grundlage einfach.

Außerdem sie die Funkabsicherung in der Region miserabel. So hantiere er selbst manchmal mit zwei Telefonen, um überhaupt das Netz zu halten, wenn er sich auf Hausbesuch befinde. „Unter diesen Umständen dann später einen Nachfolger für meine Praxis zu finden – aussichtslos“, meint Ganz.

Kommentare (4)

Die aktuelle Föderung ist im Kern daneben, denn es geht lediglich um 50 Mbit/s. Demnach kann sich auch die Telekom darauf bewerben mit ihrer B/Krückentechnologie namens VDSL+Vectoring. Jatznick und ein paar wenige umliegende Orte haben ~2011 jeweils einen neuen DSLAM erhalten, wahrscheinlich gefördert. Über die Jahre dann auf VDSL aufgerüstet. Genannter Arzt sollte momentan die Möglichkeit auf solide >14/2,5 Mbit/s down/up haben. Wenn mehr auf den vorhandenen Kupferleitung gehen soll, muss der DSLAM dichter zu den Abnehmern. Die Telekom würde dann doppelt abkassieren (und mit deutlich weniger Erdarbeiten) an vorhandenen Glastrassen weitere DSLAMS aufstellen. Sollte sich ein weiterer Bewerber einfinden und sogar den Zuschlag erhalten, würde T von alleine (und ohne Förderung) tätig und die Kunden bleiben vorerst auf ihren alten Leitungen :( Konkret muss Faser bis ans/ins Haus. Allerding wird kein Teilnehmer bereit sein >1k € zu investieren... ps Spiegelberg, Waldeshöhe und Sandberg sind dann umzingelt *lol*

Vielleicht hilft obiges BGH-Urteil weiter. Dort geht es zwar um Ausfallzeit eines bestehenden Anschlusses, aber hier wird Telefon UND Internet als Daseinsfürsorge begründet. Zu finden unter https://openjur.de/u/597186.html und weiter im Text unter Gründe II. 2. (1) Mit Unterschriftenaktionen kommt man nicht weit.

Der Bericht ist totaler quatsch. Man bedenkt das dort 16mbit/s anliegen und diese Geschwindigkeit locker für jegliche Digitalisierung ausreicht. Hat der Arzt vielleicht nur kein Bock mehr auf dieses Nest? Zudem findet ein VDSL Ausbau in Jatznik statt der bis Ende Dezember fertig sein soll.... @Karsten Internet ist vorhanden also ist die Daseinsfürsorge erfüllt.

Laut Telekom-eigener DSL-Ausbau-Auskunftsseite (http://www.telekom.de/breitbandausbau-deutschland) werden in grossen Teilen von Jatznik sogar 50 Mbit/s erreicht, davon müssen selbst manche Stadtbewohner noch eine Weile träumen. Klingt schon etwas nach Jammern auf hohem Niveau ...