Unter den Augen von Schülern und Gästen versenkte Gunter Demnig die fünf Steine vor der Kupferstraße Nr.
Unter den Augen von Schülern und Gästen versenkte Gunter Demnig die fünf Steine vor der Kupferstraße Nr. 18. Hier wohnten Angehörige der Familie Caspary. Mathias Scherfling
Jeremy Baum (links) mit Pastor Bernhard Riedel.
Jeremy Baum (links) mit Pastor Bernhard Riedel. Mathias Scherfling
Die fünf Steine der Familie Caspary.
Die fünf Steine der Familie Caspary. Mathias Scherfling
An der Verlegung nahmen Schüler aus Penkun und Löcknitz sowie einige Anwohner teil.
An der Verlegung nahmen Schüler aus Penkun und Löcknitz sowie einige Anwohner teil. Mathias Scherfling
Erinnerung

Jetzt hat auch die kleine Stadt Penkun Stolpersteine

Am Montag wurde die ersten zehn Stolpersteine in Penkun verlegt. Dabei war auch der Nachkomme eines ehemaligen jüdischen Einwohners, der extra aus London angereist war.
Penkun

Es war schon eine kleine Menschenmenge, die am Montag durch Penkun zog. Angeführt von Pastor Bernhard Riedel, wanderten die komplette neunte Klasse der Regionalen Schule, einige Schüler aus der örtlichen Grundschule und dem Gymnasium Löcknitz sowie mehrere Interessierte durch das Stadtgebiet, um die ersten Stolpersteine überhaupt in Penkun zu verlegen.

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Diese Aktion wurde von Dr. Dietmar Roglitz initiiert und vorbereitet, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der jüdischen Geschichte in Penkun beschäftigt hat. Ihm ist es auch zu verdanken, dass mit Jeremy Baum ein Nachfahre ehemaliger jüdischer Einwohner der Stadt vor Ort dabei war. „Im Februar 1940 fanden die ersten reichsweiten Deportationen statt. Daran wollten wir mit einer Veranstaltung erinnern“, sagte Roglitz. Das Gedenken habe im ehemaligen Gebetsraum, der heutigen Sozialstation, stattgefunden. Parallel zu den Vorbereitungen der Gedenkveranstaltung habe sich die Idee mit den Stolpersteinen entwickelt. „Wegen Corona konnte die Verlegung aber 2020 nicht stattfinden.“ Die Wartezeit habe aber auch etwas Gutes gehabt. „Aus den ursprünglich fünf Stolpersteinen sind zehn geworden. Wir haben die Zeit genutzt, um Geld zu akquirieren.“

Schwierige Quellenlage

Schwierig sei gewesen, dass die Quellenlage schwierig war. „Noch im Februar 1945 ist das Rathaus hier durch einen Bombentreffer zu Schaden gekommen. Und die Personenstandsakten finden sich ja nicht in den Kirchenbüchern“, sagte Roglitz. Fündig sei er in Stettin geworden. „Was mich sehr gefreut hat, ist, dass ich über das Suchportal ,Ancestry‘ Informationen gefunden habe. Zu jedem Eintrag gehört auch eine Mail-Adresse“, erinnerte sich Dietmar Roglitz. So habe er an Jeremy Baum aus London geschrieben. Dieser sei sofort dabei gewesen, und es habe sich ein intensiver Mailverkehr entwickelt. „Sein Urgroßvater Bernhard Baum kam um 1900 hier nach Penkun und hat ein ,Berliner Kaufhaus‘ betrieben.“ Doch ehe sich die Schlinge zugezogen habe, sei die Familie in den 1930er-Jahren nach Schlesien gezogen. „Und dann sind die Baums rechtzeitig nach England gegangen. Das hat ihnen das Leben gerettet.“ Eine zweite Quelle sei eine Enkeltochter der Casparys gewesen. „Von dieser Familie haben wir heute fünf Steine verlegt.“

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Baums Opa hat das Berliner Kaufhaus in Penkun eingerichtet

Überhaupt war Roglitz erfreut über das sehr große Interesse der Familien. „Es war ein Geben und Nehmen. Sie haben meine Neugier mit Fotos und Informationen befriedigt und ich konnte ihnen mit meinen Recherchen zur Familiengeschichte helfen“, sagte er.

Der 62-jährige Jeremy Baum sprach nur englisch. Er erzählte, dass sein Vater in Penkun geboren ist. „Sein Vater wiederum hat das ,Berliner Kaufhaus‘ eingerichtet, dort, wo sich jetzt die Adler-Apotheke befindet“, erzählte der Londoner. „Ich bin sehr an meiner Familiengeschichte interessiert. Als ich hörte, dass meine Familie überlebt und hier gelebt hat, wollte ich das mit eigenen Augen sehen.“ Jeremy Baum war sehr erfreut darüber, dass so viele Schüler in diese Aktion involviert waren. Es sei sehr wichtig, dass die Menschen sich daran erinnern, was in der Vergangenheit hier passiert sei. „Die Juden waren nur ein kleiner Teil von Penkun. Aber sie waren hier, und das sollte nicht vergessen werden“, betonte er.

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