Fehlende Arbeitskräfte

Jobsucher haben beim Pflegetag alle Chancen

In der Pflege ist Personal rar. Arbeitsagentur und Jobcenter setzen den sogenannten Pflegetag dagegen, um Menschen für die Arbeit zu gewinnen. Das ist nicht immer einfach.
Jörg Foetzke Jörg Foetzke
Auch Polen bewarben sich beim Pflegetag. Krzysztof Kowalewski aus Stettin stellte sich am Stand des Pflegeheimes St. Spiritus vor. Heimleiterin Sylvia Splettstößer und Pflegechefin Ilona Simon zeigten großes Interesse.
Auch Polen bewarben sich beim Pflegetag. Krzysztof Kowalewski aus Stettin stellte sich am Stand des Pflegeheimes St. Spiritus vor. Heimleiterin Sylvia Splettstößer und Pflegechefin Ilona Simon zeigten großes Interesse. Jörg Foetzke
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Pasewalk.

„Der Personenbedarf im Pflegebereich steigt rasant an“, erklärt HeikoMiraß, Chef der Arbeitsagentur in Greifswald. Der Mann verdeutlicht, was mittlerweile die Spatzen von den Dächern pfeifen. Doch langsam, aber sicher gehen den Firmen die geeigneten Bewerber aus. „Dazu steht uns ein großer Generationswechsel bevor“, erklärt Wolf Steffen Schindler, Pflegedirektor bei den Ameos-Kliniken. Meist haben die Unternehmen aber längst darauf reagiert. „Wir haben unsere Ausbildungszahlen verdreifacht“, berichtet Schindler.

Doch allein das kann den Bedarf nicht decken. So will man bei Arbeitsagentur und Jobcenter weitere Mitarbeiter auch aus dem Kreis von Hartz-IV-Empfängern rekrutieren, die bei der Personalsuche sonst nicht im Vordergrund stehen. Seit vier Jahren gibt es deshalb den Pflegetag, bei dem Pflegeeinrichtungen, Bildungsträger und potenzielles Personal an einen Tisch kommen.

Viel Interesse

„Wir veranstalten diesen Pflegetag einmal jährlich“, erklärt Christian Gärtner, Chef des Jobcenters Süd im Kreis Vorpommern-Greifswald. Zur Veranstaltung am Mittwoch im „Historischen U“ von Pasewalk waren 75 Klienten des Jobcenters speziell eingeladen. Doch schon nach der Eröffnung am Vormittag hatte man das Gefühl, viel mehr Interessierte würden durch den Saal schwirren.

Die Pasewalkerinnen Madlen Pinnow und Sonja von Rahn beispielsweise haben bereits berufliche Erfahrungen im Pflegebereich und sprechen bei der Volkssolidarität vor. In den Pasewalker Einrichtungen sind zwar derzeit alle Plätze besetzt, lässt Pflegedienstleiter Enrico Breitsprecher wissen. Dennoch werden die Frauen gebeten, ihre Bewerbungen einzusenden.

Schüler eingeladen

Am Stand des Pasewalker Pflegeheims St. Spiritus sitzt Krzysztof Kowalewski der Leiterin Sylvia Splettstößer und Pflegechefin Ilona Simon gegenüber. Der Stettiner hat Interesse, in Deutschland in der Pflege zu arbeiten und stößt auf offene Ohren. Andere kommen in Familie, so wie Jana Lorenz aus Strasburg und Tochter Leonie. Mutter Jana sucht einen Vollzeitjob als Altenbetreuerin, Tochter Leonie kann sich nach dem Abi ein Studium vorstellen, das in einen Führungsposten in der Pflege mündet.

Doch die junge Frau ist nicht die Einzige aus ihrer Altersklasse beim Pflegetag. Das Jobcenter hat Schüler aus Torgelow und Pasewalk eingeladen, die sich eine Pflege-Ausbildung vorstellen könnten. Das Angebot wirkt: Ameos-Pflegedirektor Schindler hat keine zehn Minuten nach der Eröffnung einen ersten potenziellen Mitarbeiter gefunden.