KÄLBER GETÖTET

▶ Kameras sollen Wolf überführen

Infrarot-Kameras sollen ans Licht bringen, wer bei Krackow Kälber tötet. Bisher tappten nur Waschbären, Wildschweine, Dachs und Marder in die Fotofalle. Bei Friedland gibt ein Bauer derweil auf.
Reißt ein Wolf bei Krackow in Vorpommern, nördlich von Penkun, Kälber? Die Storkower Agrar GmbH ist davon &uum
Reißt ein Wolf bei Krackow in Vorpommern, nördlich von Penkun, Kälber? Die Storkower Agrar GmbH ist davon überzeugt. Das Unternehmen benötigt aber Beweise, um überhaupt etwas unternehmen zu können. (Symbolfoto) Carsten Rehder
In Krackow soll ein Wolf Kälber getötet haben. (Archivbild)
In Krackow soll ein Wolf Kälber getötet haben. (Archivbild) Rainer Marten
Früher wohnten Feldhamster in Vorpommerns Weizenfeldern, heute offenbar ein Wolf. Dieses Foto hat der Lehrling der Storko
Früher wohnten Feldhamster in Vorpommerns Weizenfeldern, heute offenbar ein Wolf. Dieses Foto hat der Lehrling der Storkower Agrar GmbH bei der Ernte im Juli aufgenommen. Storkower Agrar GmbH
Storkow.

Die Storkower Agrar AG will das Kriegsbeil nicht begraben. Erst wenn der Wolf überführt und zur Strecke gebracht ist, finden die Rinderhalter Ruhe. Sie sind überzeugt, dass der Beutegreifer auf ihren Flächen in der Nähe der polnischen Grenze immer wieder Kälber reißt. Einen Wolfs-Abschuss hat die Verwaltung des Landkreises Vorpommern-Greifswald wegen mangelnder Beweise aber bisher nicht genehmigt. Gen-Tests haben Spuren von Fuchs und Hund an den toten Kälbern ergeben, nicht vom Wolf. Nun sollen Wildkameras den Wolf überführen.

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In dem Bereich, in dem im vergangenen Jahr zehn und in diesem Jahr acht Kälber zu Tode kamen, wurden vier Kameras installiert. Per Bewegungsmelder lösen die Apparate aus, wenn sich in ihrer Nähe etwas rührt. Mit ihrer Infrarotfunktion liefern die Geräte auch nachts brauchbare Bilder. Sie haben schon einiges vor die Linse bekommen – Dachs, Wildschweine, Marder, Waschbär, zählt Ines Krause von der Storkower Agrar AG, die in Krackow, nördlich von Penkun, ihren Sitz hat, auf. Ein Wolf war nicht dabei. Doch die Bio-Bauern geben nicht auf. Früher oder später, da ist sich Ines Krause sicher, werde ein Wolf in die Fotofalle tappen.

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Die letzten beiden Kälber verschwanden vor 14 Tagen

Denn dass es in der Gegend einen oder mehrere Wölfe gibt, stehe für die vorpommerschen Landwirte außer Zweifel. „Immer wieder wird einer gesehen. Sogar neulich bei der Ernte lief einer neben dem Traktor. Unser Lehrling hat ihn im Weizen fotografiert.“ Der junge Mann habe etwas gebraucht, um sich vom ersten Schreck zu erholen, und das Handy gezückt. Auf seinem Foto ist tatsächlich ein Tier zu erkennen, das einem Wolf zumindest sehr ähnlich sieht.

Die letzten beiden Kälber, berichtet Ines Krause, wurden am 7. September getötet. „Die Kuh hat gesucht und gerufen.“ Doch ihre Kälbchen seien spurlos verschwunden. Wieder gibt es keinen Beweis, dass ein Wolf der Übeltäter ist. Doch was soll sonst geschehen sein? „Die sind nicht weggelaufen. So was machen die nicht.“ Ein Fuchs schleppe niemals ein ganzes Kalb weg. An einen Hund glaubt Ines Krause auch nicht. „Die Kühe wehren sich. Einen Hund würden die töten. Es kann schon mal passieren, dass eins im Graben ertrinkt. Aber die werden dann gefunden. Und so viele verlorene Tiere innerhalb kurzer Zeit – das hatten wir früher nicht.“

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Um seine Kälber zu schützen, will der Betrieb nun einen Zaun bauen. Wolfssicher soll der sein, 1,30 Meter hoch und im Boden eingegraben. Außerdem soll er Strom führen. Das wird teuer. „Der Zaun muss fünf Kilometer lang sein. Das können wir uns niemals leisten.“ Das Unternehmen hat beantragt, dass das Land MV die Kosten für den Zaun übernimmt. „Ich gehe allerdings davon aus, dass wieder eine Ablehnung kommt.“ Selbst wenn der Plan mit dem Zaun gelingen sollte, würde er neue Probleme mit sich bringen. Das Gras darf nicht in den Zaun wachsen, sonst wird der Stromfluss unterbrochen. „Das ist eine Biowiese. Wir benutzen keine Pestizide.“ Folglich müssen die Mitarbeiter den Zaun mit der Sense freihalten. Viereinhalb Personalstellen gibt es in dem Unternehmen. Alle sind ausgelastet, haben zum Mähen eigentlich keine Zeit.

„Kein ausreichendes Wolfsmonitoring”

Ines Krause fühlt sich vom Land im Stich gelassen. „Wir laufen nur hinterher. Alle reden von Wolfsmanagement, dabei wird überhaupt nichts gemanagt. Wegen der Kameras musste ich bis zur Uni Dresden telefonieren. Fakt ist, dass bis dato kein ausreichendes Wolfsmonitoring in unserer Region, übergreifend mit Brandenburg und Polen, existiert“, bemängelt Ines Krause. „Auf der anderen Seite sehen Jäger und Landwirte, aber auch Jogger und Radfahrer immer häufiger am helllichten Tag den Wolf unweit der Dörfer.“ All dies müsse man sammeln, auswerten und veröffentlichen „Nur so erhält doch die Allgemeinheit ein reales Bild über Wolfsvorkommen in der Uecker-Randow-Region.“

Der mutmaßliche Problemwolf beschäftigt die Behörden in Vorpommern-Greifswald seit Monaten. Sogar im Kreistag ist er immer wieder Thema. Anke Radlof von der Pressestelle der Kreisverwaltung betont auf Nordkurier-Nachfrage: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es im Bereich der Storkower Agrar AG in Krackow nachweislich keinen Rissvorfall gegeben hat, weder vom Wolf noch vom Hund. Ein Rissvorfall liegt nur dann vor, wenn der Tod eines Nutztieres durch einen Prädator wie zum Beispiel den Wolf herbeigeführt worden ist. Belegen lassen sich gegenwärtig ausschließlich Nachnutzungen bereits toter Kälber. Dabei kann nicht bestätigt, aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Wolf zu den Nachnutzern gehört.“

Die Storkower Agrar AG bleibt bei der Gewissheit, dass der Wolf schuld sei. Aufgeben kommt nicht infrage. „Wir lassen den Wolf nicht ungestört unsere Kälber fressen.“ 150 Kühe, acht Bullen und 130 bis 150 Kälber und Jungrinder hat das Unternehmen. Im Oktober werde wie jedes Jahr eine Bestandsaufnahme mit Abgleich der Ohrmarken durchgeführt. Erst dann werde herauskommen, wie viele Kälber wirklich tot sind.

Bauer bei Friedland hat genug und schmeißt hin

Auch in Bresewitz bei Friedland fühlt sich Bernhard Albrecht vom Wolf gebeutelt. Am Wochenende wurden in seinem Damwildgehege erneut mehrere Hirsche gerissen. Der Bauer schmeißt hin. „Ich produziere nur für den Wolf“, sagt er. Zwar steht die DNA-Analyse noch aus, doch für ihn steht fest, dass ein Rudel aus dem Landgrabental die zehn Tiere getötet hat. Er hört mit der landwirtschaftlichen Wildtierhaltung auf und konzentriert sich auf seine Mastrinder. Doch auch um die Rinder fürchtet er mittlerweile.

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„Diese Entscheidung ist absolut nachvollziehbar“, sagt Matthias Schmidt vom Bauernverband Mecklenburg-Strelitz. Albrechts Beispiel könnten andere Landwirte folgen. Denn gerade für kleinere Betriebe oder Hobbyhalter lohnt sich das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht mehr.

Das Rudel im Landgrabental ist vom Schweriner Landwirtschaftsministerium bestätigt worden. Zumindest Halter von Ziegen oder Schafen können sich allgemeine Sicherungspflichten bis zu 80 Prozent fördern lassen. Für Maßnahmen darüber hinaus wären sogar 100 Prozent möglich. Die Anträge müssen an das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) gestellt werden. Das neue Rudel und immer mehr Rissvorfälle in der Friedländer Region haben die Rufe nach Unterstützung bei den dortigen Landwirten lauter werden lassen. Bernhard Albrecht ist nun der Erste, der nicht auf die Antwort dieser Rufe warten möchte.

 

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Kommentare (2)

Aber im Graben ertrinken das kann schonmal passieren...?!

und lasst euch von der Politik nicht hinhalten, die Kameras in dichten Abständen um die Weide der Kälber installieren, er kommt wieder!
Und was die DNA Spuren von Hund + Fuchs betrifft, natürlich mögen diese stimmen, denn die Tiere haben gefressen nachdem der Wolf satt war und seine Spuren mehr oder weniger getilgt. Auch das Foto vom Lehrling spricht eindeutige Bände! - viel Erfolg