Von den Kundinnen wurde der Fisch-Verkaufswagen immer gern besucht.
Von den Kundinnen wurde der Fisch-Verkaufswagen immer gern besucht. Mathias Scherfling
Fischverkäuferin Jacqueline Weinkauf hat sich am Dienstag vom Markt in Pasewalk verabschiedet.
Fischverkäuferin Jacqueline Weinkauf hat sich am Dienstag vom Markt in Pasewalk verabschiedet. Mathias Scherfling
Geschäftsaufgabe

Keine Fische mehr im Fischwagen auf dem Pasewalker Markt

Die Nachricht war für Stammkunden eine Überraschung. In Zukunft wird es an den Markttagen in Pasewalk keinen Fisch mehr geben.
Pasewalk

Der weiß-blaue Verkaufswagen für Fisch, Marinaden und Fisch-Brötchen gehörte zum Markttag in Pasewalk einfach dazu: Er parkte zweimal die Woche dort, mittwochs bot er außerdem in Friedland und donnerstags in Altentreptow seine Produkte an. Doch damit ist jetzt Schluss. Die langjährige Verkäuferin Jacqueline Weinkauf war am Dienstag zum letzten Mal in Pasewalk. Diese Nachricht erstaunte die überwiegend älteren Leute, die zur Kundschaft zählen.

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„Ich bin immer gern hierher gekommen. Jetzt weiß ich gar nicht, wo ich frischen Fisch bekommen kann“, bedauerte eine Kundin. Auch eine weitere Seniorin, die gerade vom Arzt kam und den Aufenthalt in Pasewalk für einen Stopp beim Fischwagen nutzte, zeigte sich ratlos: „Es ist schade, dass es hier keinen Fisch mehr geben soll. Wo soll ich den jetzt kaufen?“

Harter Job, der aber auch Spaß gemacht hat

Für Jacqueline Weinkauf ist das Ende des Fischverkaufs auf den Märkten der Region auch das Ende eines Lebensabschnitts. Immerhin hat sie mehr als acht Jahre hier Fisch verkauft. „Natürlich ist es ein harter Job, so bei Wind und Wetter draußen zu sein, aber es hat mir Spaß gemacht. Ich würde es immer wieder tun“, sagte die gebürtige Berlinerin.

Anfangs sei es nicht einfach gewesen, mit dem großen Verkaufswagen bei schwierigen Witterungsbedingungen unterwegs zu sein. Aber das habe sie gemeistert. Gelernt hat die 54-Jährige Facharbeiterin für Fleisch- und Wurstwaren. Vor zwölf Jahren kam sie der Liebe wegen aus Berlin in die Region. „Ich habe einen Mann kennengelernt und bin hierher gezogen.

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Und nach einiger Zeit der Jobsuche bin ich bei Fischhändler Hans-Jürgen Wagner aus Ferdinandshof gelandet.“ Es sei aber klar gewesen, dass dieser irgendwann in Rente gehen werde. Und nun ist es soweit.

Schon zu DDR-Zeiten im Fischhandel gearbeitet

Er habe keinen Nachfolger gefunden. „In der heutigen Zeit ist es schwierig, sich selbstständig zu machen. Keiner weiß, wie es weitergeht“, sagte Jacqueline Weinkauf. Um sich selbst mache sie sich keine Sorgen: „Zum Frühling habe ich schon einige Jobangebote. Aber es wäre schön, wenn sich vielleicht doch ein neuer Fischer findet.“

Hans-Jürgen Wagner, der insgesamt 44 Jahre, also schon zu DDR-Zeiten, im Fischhandel gearbeitet hat, bedauert es ebenfalls, dass er keinen Nachfolger gefunden hat. Nach 22 Jahren Selbstständigkeit fiel es ihm nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen. „Diese Arbeit will ja keiner mehr machen. Früher bin ich nach Ueckermünde gefahren und habe frische Ware bekommen. Heute muss ich dafür nach Greifswald oder Rostock. Bei den Spritpreisen lohnte sich das zuletzt kaum noch“, erklärte der 66-Jährige.

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Fischwagen auf Märkten gebe es immer seltener. Das habe auch damit zu tun, dass es wegen der reduzierten Fangquoten für Fischereibetriebe schwieriger geworden sei. Zudem sei der Umsatz durch Corona zurückgegangen. Das habe sich bis jetzt auch nicht ganz erholt.

Für den Ruhestand steht für Hans-Jürgen Wagner noch nichts Spezielles auf dem Plan. Vielleicht wird er ab und zu auf Reisen gehen. „Ich will einfach etwas ruhiger treten. Wir waren ja im Sommer auch oft an den Wochenenden auf den Dorffesten unterwegs.“

 

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