ABFLUG VERPASST

▶ Keine Lust auf Süden: Dieser Storch bleibt einfach hier

Es ist ein Versuch, der auch schiefgehen kann: In Retzin überwintert ein Weißstorch. Die Einwohner versorgen ihn mit Futter. Aber ob das auf Dauer gut geht? Jens Krüger vom Papendorfer Storchenpflegehof weiß, wovon Adebars Überleben abhängt.
Der Retziner Storch hält sich am Tag in Höhe des Wohnblocks auf. Dort wird er auch gefüttert. Für die Nach
Der Retziner Storch hält sich am Tag in Höhe des Wohnblocks auf. Dort wird er auch gefüttert. Für die Nacht zieht er sich auf ein Dach zurück. Rainer Marten
Auf dem Papendorfer Storchenpflegehof überwintern aktuell acht Störche, zwei davon sind unversehrt und hätten i
Auf dem Papendorfer Storchenpflegehof überwintern aktuell acht Störche, zwei davon sind unversehrt und hätten im August die Reise in Richtung Süden antreten können. Aber sie haben auf den weiten Flug verzichtet. Rainer Marten
Ein Foto aus dem Frühjahr? Nein. Aufgenommen wurde die Aufnahme am Freitagmorgen in Papendorf. Einer der Überwintere
Ein Foto aus dem Frühjahr? Nein. Aufgenommen wurde die Aufnahme am Freitagmorgen in Papendorf. Einer der Überwinterer genießt die Morgensonne. Rainer Marten
Retzin.

Keinen Bock auf die lange Reise in Richtung Süden hat in diesem Jahr ein Storch, der sich seit Wochen in Retzin (Lankdreis Vorpommern-Greifswald) aufhält. Papendorfs Storchenpflegehof-Betreiber Jens Krüger war bereits mehrmals in Retzin und hat das Tier aus der Ferne beobachten können. Besondere Auffälligkeiten weise der Vogel nicht auf, er sei flugfähig und habe offenbar den Anschluss in Richtung Süden verpasst, so Krüger.

Angesichts des Klimawandels, des langen milden Herbstes und des bisher schneefreien Winters könnte man vermuten, dass es sich um einen bewussten Überwinterungsversuch des Weißstorches handelt. Dem will der Fachmann eher nicht folgen. „Aus unserer Region liegen keine Informationen vor, dass es so einen Trend gibt. Überwinternde Störche sind noch immer die große Ausnahme“, weiß der „Storchenpapst“.

Aktuell leben auf dem Storchenpflegehof acht Störche, zwei davon sind flugfähig und rund um Papendorf unterwegs. Die Vögel haben mitbekommen, dass sie versorgt werden und sind deshalb geblieben.

Frost vertragen die Tiere, Futtermangel ist schlimmer

„Einen Kälteeinbruch kann der Retziner Storch durchaus überstehen“, ist sich Krüger sicher. „Die Vögel verkraften Frost. Viel wichtiger ist, dass das Tier ausreichend Nahrung findet.“ Weil die Retziner den Vogel füttern, würde sich seine Überlebenschance erhöhen. Den Bedarf an Futter soll dabei niemand unterschätzen.

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Krüger kommt täglich auf bis zu zehn Kilogramm Fisch oder Eintagsküken, die seine gefiederten Gäste verschlingen. Einen Teil der Nahrung holt er sich aus dem Ueckermünder Hafen. Angesichts dieser Mengen und der damit verbundenen Kosten sei der Verein als Betreiber des Storchenpflegehofes für jede Spende dankbar, sagt er.

Er hat gute Überlebenschancen

Bei einer anhaltend milden Witterung und der Versorgung vor Ort hat der Retziner Storch auch vor einem anderen Hintergrund eine bessere Überlebenschance als seine Artgenossen: Der Energieverbrauch der Störche für die rund 3.500 Kilometer lange Strecke bis nach Westafrika oder auch nur für die 900 Kilometer bis Spanien ist enorm. Auf dem Weg lauern zahlreiche Gefahren. Eine der schlimmsten ist, dass jedes Jahr Tausende Störche illegal abgeschossen werden, so im Libanon. Auf dem Heimweg aus Ostafrika überqueren innerhalb weniger Tage Hunderttausende Störche den Qaraoun-Stausee im Südosten des Landes, wo zahlreiche Vogeljäger auf die großen Segelflieger warten und sie vom Himmel schießen.

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