Damit Vorpommerns Kinder sicher zur Schule kommen, kontrolliert die Polizei dieser Tage verstärkt den Verkehr.
Damit Vorpommerns Kinder sicher zur Schule kommen, kontrolliert die Polizei dieser Tage verstärkt den Verkehr. Felix Gadewolz
Ralf Schwarz, Schulleiter und Stadtpräsident in Pasewalk, betätigt sich jeden Morgen als Schülerlotse.
Ralf Schwarz, Schulleiter und Stadtpräsident in Pasewalk, betätigt sich jeden Morgen als Schülerlotse. Privat
Polizeihauptkommissar Mario Tschirn bringt ein Schulkind über die Straße. Wie er achten derzeit viele Polizisten in
Polizeihauptkommissar Mario Tschirn bringt ein Schulkind über die Straße. Wie er achten derzeit viele Polizisten in Vorpommern darauf, dass Schüler sicher ans Ziel kommen. Polizei Vorpommern
Polizeikontrollen

Kinder und Eltern am ersten Schultag meist brav

Polizisten und Schülerlotsen erleben vor Schulen manchmal allerhand. In Pasewalks Oststadt bot sich am Montag zum Schulstart jedoch ein anderes Bild.
Pasewalk

Eine Mutter hat ihr Kind in einem Auto ohne Tüv zur Schule gebracht. Doch das war dann auch schon der einzige Verstoß gegen Recht und Ordnung, den die Polizei am ersten Schultag nach den Sommerferien bei einer Verkehrskontrolle in der Pestalozzistraße in Pasewalk bemerkte. Alle anderen Eltern, Busfahrer, Taxifahrer und Schüler verhielten sich am Montag auf dem Weg zur Grundschule Ueckertal und zur Europaschule Arnold Zweig tadellos, teilte Polizeisprecher Andrej Krosse mit.

Wenn zwischen 7 und 7.30 Uhr Hunderte Kinder und Jugendliche gleichzeitig in eine Schule strömen, manche es eilig haben, andere müde, einige gerade einmal sechs Jahre alt sind, komme es bisweilen zu brenzligen Situationen auf den Straßen vor den Häusern. „Gerade nach den Einschulungen und Ferien dauert es immer eine Weile, bis sich alles eingespielt hat.“ Aber dieses Mal sei zumindest in der Oststadt alles reibungslos verlaufen – vielleicht auch deshalb, weil Grundschulleiter und Stadtpräsident Ralf Schwarz (CDU) sich als Schülerlotse betätigte. In einer orangefarbenen Warnweste hatte er sich zusammen mit einer Kollegin an einer Bushaltestelle postiert. Wer falsch parkte, zu stürmisch aus dem Schulbus sprang oder nicht nach links und rechts guckte, wurde ermahnt.

Elterntaxis blockieren Bushaltestellen

Nach Ferien oder in der dunklen Jahreszeit sei es ratsam, den Bringe- und Abholverkehr vor der Schule nicht sich selbst, der Polizei oder dem Ordnungsamt zu überlassen. Seit mehreren Jahren achte er regelmäßig auf reibungslosen Ablauf vor seinem Haus. „Das hat sich bewährt. Jeden Tag kommen rund 700 Kinder auf unseren Schulcampus. Auch wenn viele zu Fuß gehen, kommt es jeden Morgen zu einer erheblichen Anzahl an Bussen, Kleintransportern, Taxis und Privatautos.“

Bei steigender Zahl der sogenannten Elterntaxis sei regulierendes Eingreifen bisweilen unerlässlich. „Wenn jemand pöbelt, kann ich auch mal einen Platzverweis erteilen. Parkt jemand in der Bushaltestelle, rufe ich das Ordnungsamt. Die sind in drei Minuten da. Es geht schließlich um die Sicherheit der Schüler.“ Die allermeisten Differenzen würden sich aber in Ruhe und ohne Hilfe weiterer Behörden regeln lassen. „Wenn Hürden da sind, sprechen wir miteinander. Das klappt fast immer. Probleme werden durch Reden besiegt. An die Busfahrer muss ich ein Lob aussprechen. Das sind Profis“, sagte Schwarz.

Elterntaxis sind ein großes Problem

Elterntaxis sind nach Auskunft von Andrej Krosse speziell vor Löcknitzer Schulen ein „ganz schlimmes Problem“. Bisweilen komme es zu einem „riesigen Verkehrschaos“, wenn zum Beispiel Bushaltestellen zugeparkt werden und Busfahrer keinen alternativen Halteplatz finden. Auch das Parken in der zweiten Reihe erfreue sich wachsender Beliebtheit. „Wenn die Busse nicht halten können, wird es schwierig. Dabei gibt es ganz in der Nähe einen großen Parkplatz. Von dort müsste man allerdings 400 bis 500 Meter laufen.“ Bei aller morgendlichen Eile habe die Polizei kein Verständnis dafür, wenn andere behindert werden. „Natürlich werden Knöllchen verteilt. Parken in der Bushaltestelle kostet mindestens 55 Euro, je nach Situation wird es noch teurer.“ Auch auf andere Fehler von Eltern würden seine Kollegen achten, sagt Andrej Krosse. „Die Kinder müssen angeschnallt werden, auch für nur fünf Minuten. Manche Eltern spielen am Steuer sogar mit ihrem Handy.“

Ralf Schwarz ist seit 1990 Lehrer. Über die Jahrzehnte hat er beobachtet, dass immer mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. „Seit Corona hat sich das verstärkt.“ Durch Lockdown, Quarantäne und Homeoffice sei die Bindung zwischen Eltern und Kindern noch stärker geworden. „Nachdem wochenlang alle zusammen zu Hause waren, fällt das Loslassen schwerer, auf beiden Seiten.“

Nach Auskunft von Andrej Krosse lief der erste Schultag in ganz Vorpommern unfallfrei ab. Auch in den kommenden Tagen sei aber mit Polizeikontrollen zu rechnen.

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