Teil 2: Bürgermeister-Kandidaten für Strasburg

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Klemens Kowalski will zurück nach Strasburg

Klemens Kowalski ist in Strasburg aufgewachsen, im Jahr 2000 zog er wegen der Arbeit in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nach Hamburg. Heute wohnt er mit seiner Familie in Buxtehude.
Klemens Kowalski ist in Strasburg aufgewachsen, im Jahr 2000 zog er wegen der Arbeit in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nach Hamburg. Heute wohnt er mit seiner Familie in Buxtehude.
Fred Lucius

In knapp zwei Wochen wird in Strasburg ein neuer Bürgermeister gewählt. Fünf Kandidaten treten an. Einer von ihnen ist Klemens Kowalski, der Parteimitglied der Linken ist, aber als Einzelbewerber mit Unterstützung der Linken ins Rennen geht. Erfahrung mit Wahlkampf hat der Mann, der in Buxtehude bei Hamburg wohnt und Strasburg gut kennt.

Klemens, wer? Das fragte sich so mancher nach Bekanntgabe der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 7. Oktober in Strasburg. Dabei ist der 39-jährige Klemens Kowalski, der als Einzelbewerber mit Unterstützung der Linken antritt, in der Uckermarkstadt keineswegs ein Unbekannter. Er wuchs hier auf, besuchte bis zum Gymnasium die Schule und begann 1998 eine Verwaltungslehre im Strasburger Rathaus. Seine Eltern wohnten bis vor Kurzem in der Stadt.

Letzterer Fakt sorgt bei dem Mann, der mit seiner Ehefrau aus Kenia und zwei Kindern in Buxtehude bei Hamburg lebt, gleich für Redebedarf in Sachen Kommunalpolitik. „Meine Eltern wohnen nicht mehr hier, weil es nicht ausreichend barrierefreien Wohnraum gibt. Das hat die Stadt verschlafen“, sagt der gebürtige Prenzlauer. Ein Fehler, weil Rentner auch Steuerzahler seien. „30 Prozent der Einwohner in Strasburg sind über 60. Wollen wir die alle im Heim unterbringen?“, fragt Kowalski, der in Buxtehude auch schon für den Bundestag und den Landtag kandidierte und der seit 2006 als Ratsherr im Stadtparlament der Hansestadt sitzt.

„Das Halten der Einwohner ist das Wichtigste“

Aus seiner Erfahrung gibt es zudem viele Leute, die zurück in ihre alte Heimat wollen – wegen der Ruhe in dieser ländlichen Region, aber auch wegen bezahlbarer Mieten. Telearbeit mache dies heutzutage möglich. „Das Halten der Einwohner ist das Wichtigste. Dazu müssen die Angebote stimmen. Wenn Strasburg irgendwann fusioniert, dann ist die Stadt ein bedeutungsloser Fleck wie leider viele andere“, ist Kowalski überzeugt, der für eine Bundesbehörde auf Forschungsschiffen und Fischereibooten aus dem Küstenwachverbund im Bereich Informatik tätig ist.

Bei einer Wahl würde er nach Strasburg umziehen. „Meine Heimat Strasburg habe ich nie vergessen. Es hat sich viel getan bisher. Aber es gibt auch ungenutzte Möglichkeiten. Als Besucher gehe ich jedoch jetzt mit meinen politischen Erfahrungen aus der Metropolregion Hamburg mit wachem Auge, aber Distanz durch die Stadt und sehe einige Dinge, die mir nicht gefallen“, betont der 39-Jährige. Sein Wohnort Buxtehude habe im Vergleich zu Strasburg Luxusprobleme. Die Stadt in der Uckermark sei sehr wohl, wie es der Landkreis auch dargestellt habe, ein sozialer Brennpunkt. Daher sei es so spannend, sich den Problemen hier zu stellen.

Wie können Gäste nach Strasburg gelockt werden?

Strasburg benötige vieles, vor allem auch ein besseres Marketing. „Wann war die Stadt das letzte Mal überregional im Gespräch? Als Kanzlerin Merkel hier war“, beantwortet er die Frage gleich selbst. Kommunalpolitiker müssten den Mund aufmachen. Neben dem Kümmern um die eigenen Einwohner sei es wichtig, Gäste in die Stadt zu holen. Das beginnt für den Bürgermeister-Kandidaten bei einfachen Sachen – etwa dem Ausweisen eines Wohnmobil-Stellplatzes. „Die Leute kaufen dann hier ein und lassen dann auch womöglich ihr Auto reparieren“, sagt der Buxtehuder. Das Einrichten von Elektro-Tanksäulen auf dem Marktplatz fällt Klemens Kowalski dazu genauso ein wie freie Internet-Möglichkeiten am Markt, im Kulturhaus oder der Schmeling-Halle. Informationen über Strasburg würden sich so schnell verbreiten. Nicht zuletzt könne man die Geschichte und die ergiebige Chronik der Stadt nutzen, um Gäste anzulocken.

Von der SPD zu den Linken ist Klemens Kowalski 2005 gewechselt, maßgeblich verantwortlich für diese Entscheidung sei seine Ablehnung der „Kriegspolitik der SPD“ und das „Desinteresse der Sozialdemokraten an sozialen Verwerfungen“ gewesen. Trotzdem tritt er als Einzelbewerber an. „So bin ich keinem verpflichtet und muss nicht für Scheingeschäfte stehen. Und ich bin nicht davon abhängig, dass in jedem Geschäft ein Wahlplakat von mir hängt“, meint Kowalski.