Gewerkschaft klagt an

Knausern Firmen mit Masken für Reinigungskräfte?

Für Reinigungskräfte fehlen Schutzmasken, behauptet die Gewerkschaft IG BAU. Eine Nachfrage bei große Reinigungsfirmen in der Region ergab ein anderes Bild.
Gebäudereinigerinnen müssen zum Teil in Betrieben, Kliniken, Büros und Behörden in der aktuellen Situation
Gebäudereinigerinnen müssen zum Teil in Betrieben, Kliniken, Büros und Behörden in der aktuellen Situation mehr arbeiten. Gewerkschaftsvertreter bemängeln, dass ein Großteil der Reinigungskräfte oft auf den Kosten für den eigenen Gesundheitsschutz sitzen bleiben. Lokale Reinigungsfirmen widersprechen dieser Behauptung. Ig Bau
Uecker-Randow

„Bei uns sind ausreichend Masken für unsere Reinigungskräfte vorhanden. Es gibt keine Engpässe“, sagt Frank Marlow von der Bereichsleitung Nordost der Dussmann Service Deutschland GmbH. Die bundesweit tätige Firma ist für Reinigungsarbeiten im Landratsamt, Standort Pasewalk, zuständig. Marlow zufolge sei es auch nicht so, wie von der Gewerkschaft IG BAU behauptet, dass sich Mitarbeiter Masken selber kaufen müssen.

Das Aufsetzen der Masken sei aber für die Gebäudereiniger unterschiedlich geregelt. Im Landratsamt etwa müssten spät abends und alleine arbeitende Mitarbeiter nicht überall Masken tragen. In einem Altenheim hingegen seien die FFP2-Masken Pflicht. „Sonst darf da gar keiner hinein. Hier die Regeln nicht einzuhalten, kann man sich gar nicht erlauben“, betont Frank Marlow.

Auch beim Unternehmen Piepenbrock stehen Mund-Nasen-Masken in der benötigten Anzahl zur Verfügung, betont Presse-Referentin Lena Severiens. Piepenbrock, ebenfalls bundesweit tätig, erledigt unter anderem Reinigungsarbeiten im Rathaus Pasewalk. Das Unternehmen verfolge das primäre Ziel der Kontaktvermeidung bei der Durchführung von Reinigungsarbeiten. Sei die Kontaktvermeidung zu anderen Personen im Rahmen der Durchführung dieser Tätigkeiten nicht einzuhalten, werde den Beschäftigten der Mund-Nasen-Schutz gestellt, sagt Lena Severiens. Zum richtigen Anlegen, Tragen und dem Wechseln würden die Beschäftigten geschult und unterwiesen.

Unternehmer widersprechen Gewerkschaftsvorwürfen

„Ganz klare Aussage: Unsere Mitarbeiter erhalten selbstverständlich die persönliche Schutzausrüstung, also auch Masken, kostenlos zur Verfügung gestellt“, erklärt Mathias Eberenz, Pressesprecher der Asklepios Kliniken GmbH. Dies gelte auch für das Tochterunternehmen, die Asklepios Service Reinigung GmbH, das für die Gebäudereinigung in der Pasewalker Klinik zuständig ist.

Eberenz zufolge hat es im Frühjahr 2020 einmal einen Engpass an Masken gegeben. Danach sei vom Konzern in „Riesenmengen“ eingekauft worden. „In den letzten Monaten ist uns keine Situation bekannt geworden, in der es einen Mangel gegeben habe. Was immer die Mitarbeiter brauchen, sie bekommen es“, meint der Asklepios-Sprecher. Sich bei der Masken-Pflicht wegen der Virusgefahr streng an die Regeln und Vorgaben zu halten, diene dem Schutz der Patienten, Mitarbeiter und Besucher. Da gebe es für ein Krankenhaus überhaupt keine Diskussion.

"Auf keinen Fall müssen Mitarbeiter Masken selbst kaufen"

Nicht nur Masken, sondern auch Desinfektionsmittel oder Schutzkleidung wie Handschuhe bekommen die städtischen Angestellten kostenlos zur Verfügung gestellt, die im Rathaus in Ueckermünde, in der Feuerwehr sowie im Freizeitzentrum der Haffstadt reinigen. Für die vier Angestellten werde bestellt, was gebraucht werde. Den Bedarf habe man anhand einer Abfrage ermittelt, heißt es. „Auf gar keinen Fall müssen unsere Mitarbeiter Masken selber kaufen“, meint auch Barbara Zöllner von der Neubrandenburger Niederlassung der Reinigungsfirma Kötter, die für die Sauberkeit in der Grund- und Regionalen Schule Ueckermünde zuständig ist. Die Vorarbeiterin versorgt die neun Mitarbeiter regelmäßig mit den notwendigen Masken. Engpässe gebe es nicht, so Barbara Zöllner. 

Tilo Brüsch, Inhaber der gleichnamigen Gebäudeservice GbR in Anklam, stellt sich die Frage, warum die Gewerkschaft bei diesem Thema Druck macht. In seinem Unternehmen, das am Sitz des Landratsamtes in Anklam tätig ist, jedenfalls müsse kein Mitarbeiter Masken aus eigener Tasche zahlen. Sie könnten zwischen FFP2-Masken und OP-Masken je nach Bedarf und Einsatzort wählen. Bei vielen Reinigungsarbeiten gebe es aber keinen Kundenkontakt, da seien Masken auch nicht notwendig.

Laut Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) stehen einem Großteil der Reinigungskräfte im Kreis Vorpommern-Greifswald nicht genügend kostenlose Atemschutzmasken zur Verfügung. Immer wieder komme es vor, dass Reinigungsfirmen beim Arbeitsschutz knausern und Beschäftigte den dringend benötigten Mund-Nasen-Schutz aus der eigenen Tasche bezahlen müssen, so die Gewerkschaft. „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet die Menschen, bei denen das Einkommen kaum für Miete und Lebensunterhalt reicht, auf den Kosten der beruflich genutzten Masken sitzen bleiben. Besonders schwer ist es für Teilzeitkräfte und Minijobber. Das muss sich schnell ändern“, sagt IG-BAU-Bezirksvorsitzender Wolfgang Ehlert.

Nach Angaben der Arbeitsagentur gibt es im Landkreis Vorpommern-Greifswald rund 2100 Beschäftigte in der Gebäudereinigung.

 

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