Barbara Caveng und Edda werden am 8. März Frauen groß in Szene setzen. Zuvor können Vorschläge eingereich
Barbara Caveng und Edda werden am 8. März Frauen groß in Szene setzen. Zuvor können Vorschläge eingereicht und Stoffe gespendet werden. Lana Svirezheva
Aktion zum Frauentag

Künstlerinnen planen „feministische Intervention“ mit Pferd

Frauen aus Pasewalk und Region sind aufgerufen, Namen weiblicher Vorbilder einzureichen. Diese sollen am 8. März Teil eines Kunstprojektes mit einem Pferd werden.
Pasewalk

So etwas hat es in Pasewalk noch nicht gegeben und wohl auch sonst nirgendwo: Am Frauentag wird ein Pferd einen 20 Meter langen Vorhang durch die Stadt schleifen. Auf dem Stoff werden Frauennamen stehen, auf dem Pferd eine Vorreiterin sitzen. Die Künstlerinnen Barbara Caveng und Lana Svirezheva wollen das Projekt am 8. März zusammen mit Frauen aus Pasewalk umsetzen.

Dafür benötigen sie Unterstützung. Sie rufen alle Frauen in Pasewalk, der Region und darüber hinaus auf, „eine weibliche Person namentlich zu benennen, die für sie von besonderer Bedeutung ist“. Das können Namen von Frauen aus dem privaten Umfeld sein – Verwandte, Freundin oder eine Kollegin – oder eine Frau des öffentlichen Lebens – eine Politikerin, eine Künstlerin oder eine Menschenrechtlerin. Im Aufruf heißt es: „Wer ist Ihre persönliche Vorreiterin? Welche Frau ist Ihnen besonders wichtig? Welcher weibliche Mensch ist Ihr Vorbild und beeindruckt Sie mit seinem Denken und Sein?“

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Edda, ein nervenstarkes Kaltblut, wird den Stoff ziehen

Die Namen sollen am Frauentag ab 11 Uhr auf dem Markt auf Stoffbahnen, den Vorhang des Ruhmes, geschrieben und ab 15 Uhr von der Vorreiterin als Stellvertreterin aller Frauen durch Pasewalk geschleppt werden. Für den Vorhang brauchen die Künstlerinnen Stoff und bitten Vorpommerns Frauen, „Heimtextilien aus ihren Schränken und Dachböden zur Verfügung zu stellen“.

Edda, ein nervenstarkes Kaltblut, wird den Stoff bis in die Oststadt und zurück ziehen. Es hat bei Hochzeiten schon Bräute mit langen Schleiern getragen und ist Trubel gewöhnt, sagt Barbara Caveng. „Parade der Namen“, heiße diese „feministische Intervention“, die sie sich extra für die Pasewalkerinnen ausgedacht hat.

Die Vorreiterin sei keine „gepanzerte Kürassierin, sondern eine symbolische Vorreiterin und Stellvertreterin aller Frauen, die im Privaten oder Öffentlichen für Gleichberechtigung der Geschlechter in allen Lebensbereichen eintreten“, erklärt die 58-Jährige.

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Vorhang verbirgt häusliche Gewalt

Der Vorhang werde „zum Laufsteg für alle Frauen“ und weise auf das Leben von Frauen weltweit hin. „Der Stoff, der vor dem Fenster hängt, trennt das häusliche Umfeld vom öffentlichen Raum. Er schützt vor ungewollten Blicken, verbirgt aber auch häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und schließt oft genug Frauen von öffentlicher Teilhabe, Bildung und wirtschaftlicher Eigenständigkeit aus.“

In Pasewalk liegen 1000 Formulare für Namensvorschläge aus. Außerdem werden Namen per E-Mail entgegen genommen ([email protected]).

Die Bildende Künstlerin Barbara Caveng aus Berlin lebt und arbeitet von Februar bis Juli 2022 in Pasewalk und will gemeinsam mit der Malerin Lana Svirezheva und den Einheimischen Projekte umsetzen, die sich mit Pasewalk und seinen Einwohnern auseinandersetzen. Die Frauen nennen sich die „Schrittmacherinnen“.

Ihr Aufenthalt und ihre Arbeit werden gefördert und unterstützt unter anderem von Bund, Land und Stadt.

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