Schon lagert der erste Weizen in Ulrich Nikolaus‘ neuer Halle. Die hat er aus einem 30-jährigen Dornröschensch
Schon lagert der erste Weizen in Ulrich Nikolaus‘ neuer Halle. Die hat er aus einem 30-jährigen Dornröschenschlaf geweckt. Susanne Böhm
Das ist nur ein Teil des schier endlos langen Gebäudes an der Straße zwischen Penkun und Wollin.
Das ist nur ein Teil des schier endlos langen Gebäudes an der Straße zwischen Penkun und Wollin. Susanne Böhm
Diese Balken im ehemaligen Verladebahnhof sind gut erhalten. Andere wurden allerdings gestohlen.
Diese Balken im ehemaligen Verladebahnhof sind gut erhalten. Andere wurden allerdings gestohlen. Susanne Böhm
Alte Landwirtschafts-Technik aus der DDR soll erhalten bleiben, hier eine Elevator-Anlage.
Alte Landwirtschafts-Technik aus der DDR soll erhalten bleiben, hier eine Elevator-Anlage. Susanne Böhm
Der alte CPO-Bahnhof gehört auch zur Immobilie.
Der alte CPO-Bahnhof gehört auch zur Immobilie. Susanne Böhm
Die alte Absackanlage sieht aus, als sei sie bis vor Kurzem in Betrieb gewesen. Ulrich Nikolaus will sie erhalten und gern auc
Die alte Absackanlage sieht aus, als sei sie bis vor Kurzem in Betrieb gewesen. Ulrich Nikolaus will sie erhalten und gern auch Besuchern zeigen. Susanne Böhm
Noch prangt dieses Werbeschild an der Fassade – aber wohl nicht mehr lange.
Noch prangt dieses Werbeschild an der Fassade – aber wohl nicht mehr lange. Susanne Böhm
Im ehemaligen Getreide-Labor waren Jugendliche kreativ. Der Anbau soll abgerissen werden und Platz für große Tore m
Im ehemaligen Getreide-Labor waren Jugendliche kreativ. Der Anbau soll abgerissen werden und Platz für große Tore machen. Susanne Böhm
Immobilie gekauft

Landwirt will riesige Getreidehalle und Bahnhof retten

Rund 750.000 Euro will er investieren: Ulrich Nikolaus hat ein altes DDR-Gelände gekauft, für das sich vor allem Jugendliche, Diebe und Pflanzen interessierten.
Penkun

Mehr als 30 Jahre lang stand eine riesige Stahlbeton-Halle samt altem Backstein-Bahnhof am nordwestlichen Stadtrand von Penkun leer, war hinter Sträuchern und Bäumen fast in Vergessenheit geraten. Jetzt tut sich plötzlich etwas auf dem Gelände an der Straße Richtung Wollin. Unternehmer Ulrich Nikolaus hat die ungewöhnliche Immobilie gekauft und freut sich über diese Entscheidung.

Es war wie eine fixe Idee, eine Art Eingebung, berichtet er. Jahrzehntelang sei er fast täglich an dem Objekt vorbei gefahren, ohne es eines Blickes zu würdigen. Ganz andere Dinge seien ihm durch den Kopf gegangen. Zuletzt habe ihn sein geplanter Bau einer 600 Quadratmeter großen Bergehalle beschäftigt, in der er Technik unterstellen und Getreide lagern wollte. Je weiter das Vorhaben voran schritt, desto mehr ließen ihn unentwegt steigende Baukosten ins Grübeln geraten. Er hatte schon halb den Spaß an seinem imaginären Neubau in Wollin verloren.

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Durch Gestrüpp und Gerümpel

In dieser Gemütslage fuhr er Anfang März wie immer an der Halle vorbei. Dieses Mal durchfuhr ihn der Geistesblitz. Warum nicht diese alte Hütte retten, anstatt sie weiter verfallen zu lassen und ein paar Kilometer weiter neu zu bauen? „Fünf Stunden später war ich mit meiner Hauptbuchhalterin Kerstin Petrauschke hier. Ich mache nichts ohne sie, wenn es um Finanzen geht.“ Die Geld-Expertin und ihr Chef schlugen sich durch Gestrüpp und Gerümpel. Schnell gab die Buchhalterin grünes Licht. Dieses Anwesen mit Blick auf die Autobahn 11 sollte es sein.

Wie hoch der Kaufpreis war, verrät der alteingesessene Unternehmer nicht. Viel sei es nicht gewesen. Schließlich sei er der einzige Interessent, das Objekt verwahrlost und keine Konkurrenz in Aussicht gewesen. Im Prinzip habe er nur das einen Hektar große Grundstück bezahlt. Um alles auf Vordermann zu bringen und nutzbar zu machen, werde er aber wohl um die 750.000 Euro investieren müssen. Die ersten 200.000 ist er schon los.

Auf dem Dach wuchsen Bäume

Allein die Halle misst 100 mal 20 Meter. Hinzu kommt der vor 77 Jahren stillgelegte Bahnhof für den Güter- und Personentransport, der sich mit Laderampe, Viehstall und Speicher auch ganz schön in die Länge zieht. „Auf dem Dach wucherten zehn Zentimeter dicke Birken. Da oben standen mehr Bäume als unten. Wir haben 30 Kubikmeter Müll aller Art entsorgt und 100 Raummeter Sträucher.“ Der Keller steht jetzt noch voller Wasser. Jugendliche haben sich mit Farbe ausgetobt. Dielen, Balken und anderes Holz wurden gestohlen und wohl verheizt. Unmengen Glasscherben zeugen von der einen oder anderen Party. Überall bröckelt und reißt es.

Die Grundsubstanz der Halle ist aber schier unverwüstlich, gebaut für die Ewigkeit aus Unmengen Beton und Stahl. Sie ist schon besenrein, ihr Dach ist dicht, Elektrik erneuert. In diesen Tagen sollen neue Tore ein- und eine Solaranlage aufs Dach gebaut werden. Darüber hinaus gibt es vom Abriss eines Anbaus über die Gestaltung der gigantischen Fassadenfläche und den Einbau einer Unterflur-Belüftungsanlage bis zur Sanierung des Bahnhofs noch enorm viel zu tun. In spätestens drei Jahren will Ulrich Nikolaus mit allem durch sein. Ersten Weizen lagert er bereits in dem Gebäude.

Nach der Wende nicht mehr genutzt

Über die Geschichte des Ensembles weiß der Landwirt und Bauunternehmer einiges. Die Halle wurde zu DDR-Zeiten vom Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetrieb, kurz VEAB, gebaut. Noch vor der Wende übernahm die Getreidewirtschaft Pasewalk die Anlage. Zuletzt gehörte sie der Neubrandenburger Immobilienfirma Peenegrund. Seit dem Ende der DDR wurde der Bau so gut wie nicht mehr genutzt. „Früher haben hier die Landwirte ihr Getreide abgeladen und verkauft – ein wichtiger Getreideumschlagplatz.“ Teile der alten Trocknungsanlage seien beim Kauf noch vorhanden gewesen. Andere Gerätschaften von damals, wie ein Getreidezählwerk, eine Absackanlage und einen Elevator wolle er behalten und aufmöbeln.

Wohnungen kommen nicht in Frage

Der Bahnhof sei wohl nach 1900 gebaut worden. Er war Teil der früheren CPO-Bahnlinie von Casekow über Penkun bis Stettin an der Oder. Im April 1945 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt, die Gleise als Reparationsleistung abgebaut. „Vor ein paar Jahren hat mein Sohn noch hier drinnen Fußball gespielt, wenn draußen das Wetter zu schlecht war“, erinnert sich Ulrich Nikolaus.

Das größtenteils gut erhaltene Gemäuer zu Wohnungen auszubauen, kommt für den 65-Jährigen nicht in Frage. Viel zu laut ist die Autobahn. „Das kann man keinem zumuten.“ Stattdessen möchte er den Bahnhof erhalten und für Besucher zugänglich machen – zum Beispiel für die Radfahrer, die den im Bau befindlichen Casekow-Penkun-Oder-Radweg nutzen. Der Weg verläuft genau auf dem ehemaligen CPO-Bahndamm, auf dem früher seine Mutter mit dem Zug zur Handelsausbildung nach Stettin tuckerte.

Ulrich Nikolaus ist Geschäftsführer der Agrarproduktion Penkun und der Transport- und Logistik GmbH Krackow. Außerdem betreibt er ein Bauunternehmen. Ehrenamtlich engagiert er sich parteilos in der Penkuner Stadtvertretung.

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