BAUERN-PROTESTE

Landwirte hoffen auch auf Hilfe vom Landrat

Die Proteste der Landwirte gegen die Agrarpolitik des Bundes reißen nicht ab. Es wird wieder Sternfahrten im Nordosten geben. Auch auf lokaler Ebene werben Bauern um Verständnis.
Vor der Bürger-Sprechstunde auf dem Burggelände in Löcknitz traf Landrat Michael Sack (CDU/Dritter von rechts) Landwirte aus der Region. Mit dabei war auch Amtsvorsteher Stefan Müller (links).
Vor der Bürger-Sprechstunde auf dem Burggelände in Löcknitz traf Landrat Michael Sack (CDU/Dritter von rechts) Landwirte aus der Region. Mit dabei war auch Amtsvorsteher Stefan Müller (links). Fred Lucius
Löcknitz.

Es muss nicht immer die Großdemonstration in Berlin oder ein Traktor-Konvoi in Neubrandenburg sein: Auch auf lokaler Ebene suchen Landwirte nach Unterstützung bei ihrem Protest gegen die Agrarpläne des Bundes. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Landwirt Bernd Klänhammer. Der Penkuner hatte gemeinsam mit Berufskollegen vor einer Bürger-Sprechstunde des Landrates auf dem Burggelände in Löcknitz um ein Gespräch mit Michael Sack (CDU) gebeten.

„Die Landwirte sind unzufrieden mit der Politik. Das beschlossene Agrarpaket des Bundes mit der Dünge- und Insektenschutzverordnung ist unausgegoren und nicht fachlich fundiert“, sagt Bernd Klänhammer. Wein-, Obst- und Ackerbauern würden üblicherweise nicht unbedingt in eine gemeinsame Richtung gehen, beim Protest gegen die Agrarpolitik des Bundes passiere aber genau dies. In diesem Protest hoffe man auch auf die Unterstützung des Landrates. Der Kreis könne den Landwirten aber auch ganz praktisch helfen, beispielsweise wenn es um Genehmigung von Bauvorhaben wie Güllelager gehe.

„Polnische Bauern müssen eine andere EU haben“

Horst Wendt von der Krackower Marktfrucht GmbH kritisierte, dass es hinsichtlich des Vorwurfes zu hoher Nitrat-Belastungen im Grundwasser keine vernünftigen Analysen gebe. Beim Raps habe man das Beizen von Saatgut verboten, mit dem gezielt Schädlinge bekämpft wurden. Ohne gebeiztes Saatgut müssten die Landwirte nun öfter mit Pflanzenschutzmitteln über das Feld fahren. „Die polnischen Kollegen müssen eine andere EU haben als wir. Was hier vor zehn Jahren schon nicht mehr möglich war, ist dort immer noch möglich“, sagt Horst Wendt. Hierzulande würden sich Bewohner in Stadt und Land immer weiter voneinander entfernen und auseinanderdriften.

Das sieht Landrat Michael Sack ähnlich. Verantwortung in Sachen Umwelt werde massiv in Richtung Landwirtschaft geschoben. „Wir müssen versuchen, den Einwohnern in Großstädten zu zeigen, wie das wahre Landleben ist, warum die Bauern was tun. Viele in den Städten sind weit weg davon“, betont Michael Sack. In Berlin beispielsweise werde grüner Strom gewünscht, die Windmühlen würden sich aber hier in Vorpommern drehen. Der Betrieb von Elektroautos im ländlichen Raum funktioniere nur schwer.

Der Landrat zeigte zudem Verständnis für die Proteste der Landwirte. Die Sternfahrt nach Berlin etwa sei schon beeindruckend gewesen. Die Gesetze im Agrarbereich seien ohne Beteiligung der Landwirte mit ihrer Fachkompetenz erarbeitet worden. Immer neue Verordnungen und Auflagen würden klassische Abläufe in der Landwirtschaft kaputtmachen, stellt Sack fest.

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