Urteil

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Lange Gefängnisstrafe nach Einbruchstour

Das Pasewalker Amtsgericht hat einen jungen Polen nach einer Einbruchsserie an der A 20 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. 
Das Pasewalker Amtsgericht hat einen jungen Polen nach einer Einbruchsserie an der A 20 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.
Frank Rumpenhorst

Statt Kindersachen zu seiner Verlobten in Polen zu bringen, kam ein junger Vater vom Wege ab und brach in Häuser ein. Nach Hause kommt er so bald nicht mehr.

Auch die nächsten Monate wird der junge Pole Jacek K. in Deutschland im Gefängnis verbringen. Höchstwahrscheinlich sogar die nächsten Jahre. Dabei wollte er im September 2017 doch nur Babysachen abholen, die er und seine Freundin bei einem Bekannten in Hamburg deponiert hatten. Das junge Paar lebte in Hamburg, wo Jacek K. einen Job bei einer Fensterbaufirma hatte. Sie gingen zurück nach Polen, weil ihr Kind in der Heimat zur Welt kommen sollte. Gerade mal eine Woche war Jacek K. Vater einer kleinen Tochter, als er sich mit Kumpel Tomek auf die Reise machte, die Kindersachen zu holen. Doch diese Fahrt endete nicht wieder zu Hause bei Frau und Kind, sondern im Polizeigewahrsam.

Spendengeld geklaut, um Tank zu füllen

Seit dem 24. September 2017 befindet sich Jacek K. in Untersuchungshaft. Er wurde bei einem Einbruch in ein Wohnhaus in Pasewalk auf frischer Tat gestellt und festgenommen. Wie sich dann herausstellte, haben Jacek K. und sein angeblicher Komplize Tomek auf ihrer Rückreise von Hamburg entlang der A 20 am 24. September 2017 auch eine Finnhütte in Tessin und ein Haus in Galenbeck aufgebrochen und ausgeräumt. Zudem stahl Jacek K. im Restaurant eines Golfklubs ein Glas mit Spendengeld, um – wie er dem Gericht erklärte – das Auto tanken zu können.

Das Pasewalker Wohnhaus war das letzte in der Einbruch- und Diebstahlserie. Der Hausbesitzer war im Urlaub. Er hatte jedoch zuvor eine Einbruchssicherung installiert, zwar erst teilweise, aber sie funktionierte schon und alarmierte ihn in seinem Urlaubsort. Von dort informierte er die Pasewalker Polizei. Ein Streifenbeamter erwischte Jacek K., der vor den Polizisten geflüchtet war. Seitdem befindet sich der junge Mann in Gewahrsam.

Ihm war die Flucht aus dem Polizeigebäude gelungen

Jetzt hat das Pasewalker Amtsgericht ihn zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Bis zur Rechtskraft des Urteils wird der junge Vater in der Neubrandenburger Justizvollzugsanstalt bleiben, denn es besteht Fluchtgefahr. Richter Gerald Fleckenstein erinnerte daran, dass Jacek K. bereits mehrmals Fluchtversuche unternommen hat. Im Pasewalker Polizeigebäude gelang es ihm, mit einer Metallklammer den Fensterrahmen seiner Arrestzelle auszubauen. Er türmte, barfuß, schnappte sich am Marktplatz noch ein Fahrrad, schwamm über die Uecker, lief durch ein Maisfeld, gelangte zur Autobahn und wollte dort per Anhalter weiter. Niemand hielt. Dafür bekam die Polizei den Flüchtigen wieder zu fassen.

Der Verteidiger von Jacek K. gab zu bedenken, dass die lange Untersuchungshaft bereits einen nachhaltigen Eindruck auf den jungen Vater gemacht hätte. Sein Mandant sei in vollem Umfang geständig gewesen. Er plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Er ist in Polen einschlägig vorbestraft

Mit dem Urteil ging das Gericht jedoch noch über die vom Staatsanwalt beantragte Freiheitsstrafe hinaus. Der Richter legte das Geständnis und die Reue des Angeklagten zwar zu seinen Gunsten aus. Doch habe Jacek K. die Verantwortung für die Taten beharrlich auf seinen Komplizen abgewälzt – der von der Polizei am Tatabend zwar angehalten, aber nicht festgenommen wurde. Außerdem ist Jacek K. in Polen einschlägig vorbestraft. Erst zweieinhalb Jahre vor der Tat war der junge Mann aus der Haft in Polen entlassen worden. Des Weiteren hatte sich Jacek K. bei der Einbruchstour entlang der A 20 weiterer Vergehen schuldig gemacht. Er ist Auto gefahren, obwohl er keine Fahrerlaubnis hat, und leistete bei seiner Festnahme Widerstand. Die Verteidigung kündigte an, in Berufung zu gehen.

Kommentare (1)

Das kann nicht sein das die Einbrecher so eine Milde Strafe bekommen. Ob nun Deutsche oder Polen. Eine Strafe soll doch auch andere abschrecken. Hier wird immer mehr eingebrochen und geklaut. Und warum? Wenn man sich benimmt ist man doch nach 3 Monaten draußen und kann weiter machen. Vielen Dank an unseren Rechtsstaat!