Umstrukturierung

Lila-Bäcker-Mitarbeiter müssen zittern

Die Signale beim „Heimatbäcker” stehen auf Schrumpfkurs: Der Insolvenzverwalter gibt den noch rund 2500 Mitarbeitern keine Jobgarantie und verkündet eine überraschende Personalentscheidung.
Jörg Spreemann Jörg Spreemann
Die insolvente Bäckereikette  „Lila Bäcker” steht vor einer einschneidenden Schlankheitskur.
Die insolvente Bäckereikette „Lila Bäcker” steht vor einer einschneidenden Schlankheitskur. Rainer Marten
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Neubrandenburg.

Die insolvente Bäckereikette „Lila Bäcker” steht vor einer einschneidenden Schlankheitskur. Das ist eine Folge der Entscheidung der Gläubiger, die nach Angaben des Berliner Insolvenzverwalters Rolf Rattunde dem Konzept der bisherigen Geldgeber zugestimmt haben. „Das ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Unternehmensgruppe und des Großteils der Arbeitsplätze”, erklärte Rattunde. Damit haben sich die Gläubiger offenbar gegen ein Angebot des Unternehmensgründers Volker Schülke aus Vorpommern ausgesprochen, der die Kette erhalten wollte.

Der „Lila Bäcker” mit Sitz in Pasewalk kämpft bereits seit Januar um seine wirtschaftliche Zukunft. Angesichts der sich zuspitzenden Geschäftslage hatte das Unternehmen seinerzeit Antrag auf Insolvenz gestellt. Seitdem wurden bereits rund 70 Filialen geschlossen, mindestens 200 Mitarbeiter von ehemals rund 2700 haben die Kette mit Standorten und Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin verlassen. Aktuell spricht der Insolvenzverwalter von 330 Filialen, die zunächst offen bleiben sollen.

Details über das jetzt verfolgte Konzept für den „Lila Bäcker” wollte der Insolvenzverwalter auf Nachfrage nicht nennen. Nach Informationen unserer Zeitung steht die Existenz von knapp 100 weiteren Filialen auf dem Prüfstand. „Die Investoren geben uns Luft und ermöglichen eine Umstrukturierung”, betonte Rattunde in diesem Zusammenhang. Entgegen früheren Meldungen betonte er, die bisherige Geschäftsführung bleibe „in der Übergangsphase” im Amt. Vor allem die Gewerkschaft NGG hatte Geschäftsführer Stefan Blaschak immer wieder vorgeworfen, für die rückläufigen Geschäfte verantwortlich zu sein. Allerdings bekommt Blaschak jetzt mit einem weiteren Geschäftsführer eine Art Aufpasser beiseite gestellt.

Bürgschaft des Landes MV?

Mit kalkuliert in den Planungen ist offenbar auch eine millionenschwere Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Damit würde sich die Landesregierung verpflichten, für einen Teil der Verluste aufzukommen, wenn das Unternehmen in die Knie gehen würde. Der Antrag auf Bürgschaft ist gestellt, bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Allerdings stehe die Entscheidung noch aus.

„Wir fordern, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und der Geschäftsbetrieb als Ganzes weitergeführt wird”, forderte Jörg Dahms, NGG-Geschäftsführer in Mecklenburg-Vorpommern. Er zeigt sich über die Entscheidung der Gläubiger zugunsten der bisherigen Geldgeber erstaunt. Nach NGG-Informationen sei nicht bekannt, dass der zweite Bewerber um die Kette sein Angebot zurückgezogen habe. Das sollte die Landesregierung vor einer Entscheidung über die Bürgschaft überprüfen, so Dahms. Unternehmensgründer Volker Schülke, als zweiter Investor im Gespräch, hielt sich zu seinen weiteren Plänen unterdessen bedeckt.