POLIZEIEINSATZ

Löcknitzer Gewaltnacht hat ein Nachspiel

Nach der Gewaltnacht zwischen Polizisten und Rechten gibt es nun mehrere Anzeigen – unter anderem wegen Gefangenenbefreiung und Landesfriedensbruch.
Die Reste des nächtlichen Lagerfeuers im Löcknitzer Garagenkomplex an der Rothenklempenower Straße. In den Gar
Die Reste des nächtlichen Lagerfeuers im Löcknitzer Garagenkomplex an der Rothenklempenower Straße. In den Garagen im Hintergrund treffen sich die Rechten regelmäßig. An dem Standort gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Polizeieinsätze. Riner Marten
An einem der Tore befindet sich dieses Schild: Deutsches Schutzgebiet. Eigentümer des Garagenkomplexes ist ein Unternehme
An einem der Tore befindet sich dieses Schild: Deutsches Schutzgebiet. Eigentümer des Garagenkomplexes ist ein Unternehmer in Pasewalk. Rainer Marten
Löcknitz.

Über einen der Seitenwege im Löcknitzer Garagenkomplex an der Rothenklempenower Straße schleicht am Montag kurz nach 11 Uhr ein heller VW. Stralsunder Kennzeichen. Das Auto stoppt kurz, als es ein weiteres Fahrzeug entdeckt. Dann schleicht der VW über die ausgefahrenen Wege weiter. Der Staatsschutz? Oder nur ein Neugieriger? Beides ist möglich: In dem aus rund 150 Garagen bestehenden Komplex befindet sich seit mindestens 20 Jahren ein polizeibekannter Treffpunkt der rechten Szene.

Am Sonntag kurz nach Mitternacht krachte es dort mächtig. 19 Streifenwagen rückten an. Handschellen klickten. Die gesamte Stimmung war aggressiv aufgeladen. Personen – die Rede ist von einem Dutzend – beleidigten und bedrohten massiv die Beamten. „Es kommt äußerst selten vor, dass in einer Gruppe und in dieser Massivität gegen Polizisten vorgegangen wird“, wertete am Montag im Nachgang der Ereignisse Polizeisprecherin Nicole Buchfink.

Bürgermeister: Rechtsxextreme sind hier immer noch aktiv

Ausgelöst wurde alles, weil sich ein Fahrzeug mit mehreren Insassen der Polizeikontrolle entziehen wollte. Die rückte dort wegen eines großen Lagerfeuers an. Ein 28-Jähriger – später stellte sich heraus, er stammt aus Nordrhein-Westfalen – verweigerte die Kontrolle und trat unter anderem einem Beamten gegen den Kopf. Daraufhin wurden ihm Handschellen angelegt. Zu diesem Mittel musste die Polizei dann erneut greifen, weil aus der Gruppe heraus ein 51-jähriger Löcknitzer versucht hatte, den Bekannten gewaltsam zu befreien. Dabei wurden drei Beamte – eine Frau und zwei Männer – verletzt und ein Polizeiwagen beschädigt. Auch der 51-Jährige musste in Handschellen gelegt werden.

„Seit den Kommunalwahlen 2019 haben wir keine Rechtsextremen aus den Reihen der NPD in der Gemeindevertretung. Sie sind zu den Wahlen nicht angetreten. Aber sie sind aktiv, unter anderem durch Info-Veranstaltungen, die sie immer wieder organisieren“, sagte am Montag der Löcknitz Bürgermeister Detlef Ebert (CDU). Der Treffpunkt sei der Polizei bekannt. Der Garagenkomplex befinde sich in privatem, nicht in kommunalem Besitz.

EX-NPD-Mann ist jetzt Reichsbürger

Nach Nordkurier-Informationen soll es sich bei dem 51-Jährigen um einen früheren NPD-Gemeindevertreter handeln. Der rechnet sich nach eigenen Aussagen jetzt allerdings der Reichsbürgerbewegung zu, die die Existenz der Bundesrepublik leugnet. Das soll auch der Grund gewesen sein, warum er bei den Kommunalwahlen 2019 nicht mehr angetreten ist: Wer die BRD nicht anerkennt, kann auch nicht für eine politische Vertretung der Bundesrepublik kandidieren. Für eine Anfrage war der 51-Jährige am Montag telefonisch nicht erreichbar. Welche Querverbindungen zu dem 28-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen bestehen, ist derzeit nicht bekannt. Beide Männer wurden am Sonntag zeitlich versetzt aus der Haft entlassen.

Die ganze Sache hat jedoch ein Nachspiel. Die Polizei nahm Anzeigen wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Widerstands gegen die Vollstreckungsbeamten, Landfriedensbruchs und Bedrohung auf, sagte die Polizeisprecherin. Bei jeder Anzeige für sich genommen reicht das Strafmaß von einer Geldstrafe bis hin zu drei Jahre Gefängnis.

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