TIERE

Mächtiger Elch spaziert durch Vorpommern

Was für ein Naturerlebnis: Mehrere Autofahrer begegneten einem stattlichen Elch. Das Tier, ein Jungbulle, ist seit Tagen in der Region unterwegs.
Rainer Marten Rainer Marten
Weil der Elch natürliche Feinde nicht kennt, tritt er sehr ruhig und selbstbewusst auf. Das Leserfoto entstand am Mittwoch ge
Weil der Elch natürliche Feinde nicht kennt, tritt er sehr ruhig und selbstbewusst auf. Das Leserfoto entstand am Mittwoch gegen 11.30 Uhr bei Schönburg. ZVG/Marion Puhl
Am Mittwoch gegen 8 Uhr morgens wollte der Elchbulle die A20-Brücke zwischen Strasburg in Richtung Rothemühl überqueren. An
Am Mittwoch gegen 8 Uhr morgens wollte der Elchbulle die A20-Brücke zwischen Strasburg in Richtung Rothemühl überqueren. Angesichts des Verkehrs drehte er aber ab. Christian Manthey
Strasburg.

Mittwoch gegen 11.30 Uhr. Marion Puhl ist mit ihrem Auto auf der Landesstraße 282 zwischen Marienfelde und Schönburg unterwegs. Strasburg ist nur wenige Kilometer entfernt. Plötzlich, die Frau traut ihren Augen nicht, steht ein mächtiges Tier am Straßenrand. Ein Elch!

Riesig. Stattlich. Ruhe ausstrahlend. Das Tier posiert regelrecht. Die Frau stoppt und blickt wie gebannt auf den Riesen. Voller Aufregung zückt sie die Handykamera und drückt ab. Einmal, zweimal, dreimal. Sie hält fest, wie der Elch mit den Lippen einen Apfel von einem der Obstbäume an der Straße zupft. Sie spürt fast den Atem des Tieres. Faszinierende Augenblicke! Ihr Puls sei regelrecht in die Höhe geschossen, erzählt Marion Puhl dem Nordkurier später. Das Pulsarmband wollte auch bei 110 nicht zur Ruhe kommen.

Stunden vorher hatte ein vergleichbares Erlebnis auf der Landesstraße 32 von Strasburg in Richtung Rothemühl Christian Manthey. Der 47-Jährige war gegen 8.10 Uhr auf dem Heimweg Richtung Hammer. Auf Höhe der A 20-Brücke sah der Mann plötzlich ein riesiges Tier. „Es war wesentlich größer als ein Pferd und wollte offenbar an dieser Stelle über die Brücke die Autobahn queren“, berichtet er. Auch er stoppte, stieß noch einmal zurück, zückte das Handy und hielt bemerkenswerte Elch-Bilder fest. Die Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn stoppten ebenfalls sicherheitshalber, der Elch dreht dann aber ab. „Ich habe meine Beobachtungen der Polizei mitgeteilt, aber die wollten das im ersten Augenblick gar nicht glauben“, sagt der Mann. Ihm sei es um eine Warnung der Verkehrsteilnehmer gegangen. „Wenn der Elch gegen Mittag bei Schönburg gesehen wurde, dann muss er ja die Straße doch noch überquert haben“, so Christian Manthey.

Elche im Unteren Odertal regelmäßig unterwegs

Der Elch, ein Jungbulle, stammt offenbar aus Polen. In den Morgenstunden des 9. August wurde das Tier im Land Brandenburg zwischen Zützen und Criewen im Nationalpark Unteres Odertal erstmals gesehen. „Auf seinem weiteren Weg in südwestlicher Richtung konnte ein Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung das imposante Tier fotografieren und filmen“, so der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Potsdam, Jens-Uwe Schade.

Elchbeobachtungen im Unteren Odertal seien an sich nichts Ungewöhnliches. In den vergangenen Jahrzehnten seien diese imposanten Tiere auf ihrer Wanderschaft selten, aber regelmäßig im Gebiet aufgetaucht, sagt er. Am Montagabend wurde das Tier dann im Jagdgebiet Heidehof bei Prenzlau von Dietmar Grapentin gesehen. Der Elch bewegte sich dann weiter entlang der A 20.

„Elche sind in Mecklenburg-Vorpommern seltene Besucher“, erklärt dazu Kreissprecher Achim Froitzheim. Wichtig sei, dass Elche über enorme Kräfte verfügen und keine Streicheltiere sind. „Man sollte sich ihnen also nicht unmittelbar nähern. Autofahrer tun gut daran, Vorsicht walten zu lassen“, so der Sprecher. Gleichzeitig, so Froitzheim, dürften sie von Jägern nicht geschossen werden. Nach dem Ende der scharfen Bejagung Anfang der 1990er-Jahre auch in Polen habe sich die dortige Population an Elchen deutlich vergrößert. Die Tiere durchschwimmen die Oder und haben sich mit einer kleinen Teilpopulation im Brandenburgischen dem Vernehmen nach etabliert.

Auf Suche nach eigenem Revier

Die jungen Elchbullen begeben sich auf die Suche nach einem eigenen Revier und nach paarungsbereiten Weibchen, die es natürlich weiter westlich leider nicht gibt. Möglicherweise orientieren sie sich dabei an von ihren Vorfahren ererbtem „Wissen“ von uralten Wechseln, denen sie heute in der Kulturlandschaft noch zu folgen suchen.

„Die genauen Eckdaten der Sichtungen hätten wir gerne als Meldung an die kreisliche Naturschutzbehörde unter Telefon 03834 8760-3210, Herr Weier“, so der Kreissprecher.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Strasburg

zur Homepage