Eine Rechnung und eine Mahnung von Alpha-Ribs und Humedical flatterten dieser Tage einem Arzt in Pasewalk ins Haus. Er ist nic
Eine Rechnung und eine Mahnung von Alpha-Ribs und Humedical flatterten dieser Tage einem Arzt in Pasewalk ins Haus. Er ist nicht der einzige Mediziner, der solche Post erhält. ZVG
Neue Betrugsmasche

Mediziner in MV sollen nie bestellte Corona-Tests bezahlen

Ein Unternehmen namens Alpha-Ribs verschickt anscheinend falsche Rechnungen an Ärzte und Apotheker. Die Sachlage ist unübersichtlich. Verbände warnen, die Polizei ermittelt.
Pasewalk

Die Polizei, der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität sowie Industrie- und Handelskammern warnen vor einer möglichen Betrugsmasche, die jetzt Vorpommern erreicht hat. Anscheinend verschickt die Alpha-Ribs GmbH mit Sitz in Grabau in Schleswig-Holstein unter dem Produktnamen Humedical Rechnungen für nie gelieferte Corona-Tests und zeitgleich „letzte Mahnungen” mit der Drohung, ein Inkassounternehmen einzuschalten.

Weitere Kosten angedroht

Betroffen sind Unternehmen in der Medizinbranche, wie Arztpraxen oder Apotheken. So flatterte einem Arzt in Pasewalk dieser Tage ein solches Schreiben ins Haus, zurückdatiert auf den 4. Oktober 2020. 30 Covid 19-Antigen-Schnelltests soll er erhalten haben und dafür nun fast zwei Jahre später 533,72 Euro zahlen – innerhalb von drei Tagen.

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In einem zweiten Brief kam eine „letzte Mahnung” inklusive Mahngebühren. Damit war die Rechnung auf nunmehr 543,72 Euro gestiegen. Immerhin wurde jetzt eine Zahlungsfrist von einer Woche eingeräumt. Für den Fall, dass diese nicht eingehalten wird, kündigte man allerdings Ungemach an. Der dann folgende Auftritt eines Inkassounternehmens sei mit weiteren Kosten verbunden, die selbstverständlich der Angemahnte tragen müsse.

Wurde der Firmen-Server gehackt?

Missbrauchen hier Betrüger den Namen der Alpha-Ribs? Ist Alpha-Ribs etwa selbst unter die Betrüger gegangen und versucht, Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern abzuzocken? Haben Kriminelle den Firmen-Server gehackt? Oder handelt es sich schlicht um einen Fehler im Computerprogramm des Unternehmens, wegen dem aus Versehen Rechnungen an falsche Adressen geschickt werden? Die Lage war am Dienstag unübersichtlich. Die Kriminalpolizei ermittelt, teilte Polizeisprecher Ben Tuschy mit.

Fakt ist: Alpha-Ribs gibt es. „Das Unternehmen ist bei der IHK zu Lübeck registriert. Die sitzen in meinem Nachbarort”, sagte IHK-Sprecher Can Özren. Telefonisch erreichbar war die Firma am Dienstag aber nicht. „Derzeit wird auf allen Leitungen gesprochen”, teilte eine Bandansage mit. Man solle es später nochmal versuchen. Auch die Internetseite von Alpha-Ribs funktionierte nicht. E-Mails an die angegebene Adresse [email protected] konnten zwar gesendet werden, blieben aber unbeantwortet.

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Ein eigenständiges Unternehmen namens Humedical existiert hingegen offenbar nicht. Weder beim Unternehmensregister, Deutschlands zentraler Plattform zur Speicherung von Unternehmen, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder beim Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität ist Humedical als gewerblich gemeldetes Unternehmen bekannt.

Alles wirkt seriös

Humedicals Internetseite funktionierte am Dienstag dagegen einwandfrei und wirkte so seriös wie die per Brief verschickten Rechnungen. Rechnungs-Nummer, Kunden-Nummer, Name eines Sachbearbeiters, Firmenanschrift und Kontaktdaten, QR-Code, Verweis auf ein zuständiges Amtsgericht in Lübeck und Bankverbindung – alles da. Auch das Impressum auf der Homepage mutete professionell an. Ein Geschäftsführer war namentlich aufgeführt. Große Mengen FFP 2-Masken, Schnelltests und mehr seien auf Lager und schnell lieferbar, warb der Anbieter auf seiner Startseite. Auch eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wurde genannt. Alles wirkte vertrauenswürdig.

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Wer allerdings auf den „Jetzt kaufen”-Button klickte, wurde enttäuscht. Anders, als eingangs versprochen, waren Tests nicht lieferbar. Entschied sich die potenzielle Kundin stattdessen für Einweghandschuhe, sollte sie Namen und Adresse angeben. An dieser Stelle brach der Nordkurier den Bestellvorgang ab und griff zum Telefon. Unter der angegebenen Rufnummer, dieses Mal mit niedersächsischer Vorwahl, bekamen Anrufer jedoch die Bandansage zu hören, die Nummer sei derzeit nicht erreichbar. E-Mails konnten zwar an [email protected] gesendet werden, blieben aber unbeantwortet.

Auf keinen Fall bezahlen

Wer nichts bestellt hat, aber trotzdem solche Rechnungen erhält, sollte auf keinen Fall zahlen, rät Polizeisprecher Ben Tuschy. Vielmehr sollten sich die Betroffenen an die Polizei wenden.

Zwei Fälle aus Vorpommern sind der Polizei derzeit bekannt. So sollte ein Arzt in Heringsdorf im Juni 160 Euro für nie bestellte Tests bezahlen. Eine Apotheke in Ahlbeck wurde zur Zahlung von 5300 Euro für 900 Tests aufgefordert. Möglicherweise spekulieren eventuelle Betrüger darauf, dass die niedergelassenen Mediziner in der Hektik ihres Berufsalltags einfach zahlen, ohne den Vorgang zu prüfen, mutmaßt Ben Tuschy. Bislang sei der Polizei aber kein Fall aus Vorpommern bekannt, bei dem die Betroffenen die Rechnung zahlten.

Bei der Verbraucherzentrale in Neubrandenburg haben sich in den vergangenen Tagen fünf Mediziner aus Mecklenburg-Vorpommern gemeldet, die solche Schreiben erhalten hatten. Auch die Verbraucherschützer raten zu einer Anzeige bei der Polizei. Im Internet warnen verschiedene Unternehmen und Verbände seit Tagen vor Rechnungen von Humedical oder Alpha-Ribs. „Betroffene Unternehmen sollten die nächste Polizeidienststelle einschalten und darüber hinaus eine Kopie von Rechnung und Mahnung an den Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität mailen”, teilt der Verein mit.

 

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