KIRCHE

Mit Fernbedienung wird die Lübser Glocke in Schwung gebracht

Glockenstuhl und Antrieb für die Glocke sind saniert und neu, aber bislang gibt es noch keine Läuteordnung. Und noch etwas fehlt, und zwar etwas sehr Wichtiges.
Platz genug wäre im Lübser Glockenstuhl auch für eine zweite Glocke. Allerdings fehlt die schon seit vielen Jah
Platz genug wäre im Lübser Glockenstuhl auch für eine zweite Glocke. Allerdings fehlt die schon seit vielen Jahren. 1942 wurde sie abgenommen und eingeschmolzen. Lutz Storbeck
Lübs.

Der sanierte Glockenstuhl in Lübs ist feierlich eingeweiht. Im Herbst hatten Mitarbeiter der Firma Baudenkmalpflege Prenzlau das Teil fachmännisch saniert. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass der hölzerne Glockenstuhl nicht nur eine, sondern ursprünglich zwei Glocken getragen hat und tragen kann. Die zweite Glocke aber fehlt.

Joachim Huse, Pastor im Ruhestand und Glockenbeauftragter des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, konnte auch erklären, was es damit auf sich hat. Nach den Unterlagen ist im Jahr 1942 die zweite Glocke abgenommen worden. Sie wurde eingeschmolzen und diente als Materialquelle für die Rüstungsproduktion Hitlerdeutschlands. „Wie so viele andere Glocken damals auch, die für die Waffenproduktion missbraucht wurden“, sagt Joachim Huse. Allerdings ist es auch so, dass es den umgekehrten Weg gab, dass aus ausgedienten Waffen Glocken gegossen worden sind. Lübs hat davon nicht profitieren können. So fehlt die zweite Glocke bis heute.

Nun ist Muskelkraft nicht mehr notwendig

Was ebenfalls aktuell fehlt, ist eine Läuteordnung, sagte Pfarrer Rainer Schild während der Einweihung des sanierten Glockenstuhls und der modernisierten Glockenanlage. Die Anlage wird nunmehr elektrisch in Gang gesetzt. Sogar eine Fernbedienung gibt es dafür, die auf Knopfdruck die Glocke ins Schwingen und dann zum Läuten bring. Ulrich Abendroth, der Mann, der für das Geläut zuständig ist, hat es also nun einfacher. Musste er die Glocke doch zuvor seit 1994 mit einem Seil und Muskelkraft in Betrieb setzen.

Wann er künftig läutet, das sei noch nicht genau geregelt. Am Freitag? Am Sonnabend? Nur zu Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen? Das wird sich finden, wenn die neue Läuteordnung beschlossen sein wird.

Die Kirche Lübs ist übrigens schon sehr alt – jedenfalls der Standort. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es dort ein Gotteshaus. 1897 ist der schlichte Fachwerkbau durch einen Backsteinbau ersetzt worden, im neogotischen Stil, wie die Chronik vermerkt. Ebenfalls sehr alt, älter als die jetzige Kirche, ist die Glocke. Sie soll aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammen.

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