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Mysteriöser Feldpostbrief von 1917 findet seine Familie

Ingo und Doreen Latuske freuen sich darüber, ein Brief aus der Familiengeschichte in den Händen zu halten. Ingo Latuske kam Monate vor der Eheschließung zur Welt. Seine Geburtsurkunde trägt deshalb den Familienname der Mutter - Zemmin.  FOTOS: R. MarteN

VonRainer MartenDie Nordkurier-Suche hat Erfolg: Nach 96 Jahrenhält ein geborener Zemmin einen Feldpostbrief in der Hand, den ein Vorfahre 1917 aus Russland ...

VonRainer Marten

Die Nordkurier-Suche hat Erfolg: Nach 96 Jahren
hält ein geborener Zemmin einen Feldpostbrief in der Hand, den ein Vorfahre 1917 aus Russland an die Familie in Strasburg schickte. Es ist ein Dokument mit einer kritischen Zeitbetrachtung.

Strasburg/Rattey.Jürgen Theil, Vorsitzender des Uckermärkischen Geschichtsvereines Prenzlau, klingelte als einer der ersten bei der Pasewalker Zeitung durch. Was er über Paul Zemmins Feldpostbrief, abgeschickt 1917 in Russland, gelesen habe, sei schon bemerkenswert. Kritische Anmerkungen über einen Vorgesetzten – und das in der Feldpost! So etwas hat sich kaum jemand gewagt, sagt er. Feldpost unterlag einer gewissen Aufsicht. Vor diesem Hintergrund sei das schon ein Zeitdokument, sei es wert, Teil einer in Prenzlau geplanten Ausstellung 2014 über den I. Weltkrieg zu werden. Ob die Zeitung da vermitteln könnte?
Wenig später meldeten sich dann wirklich Nachfahren der gesuchten Familie: Ingo Latuske, Rattey, und Rainer Latuske, Duisburg. Brüder. „Dass die Pasewalker Zeitung Paul Zemmins Nachfahren sucht, habe ich von meinem Onkel Lothar Pofahl erfahren“, erzählt Ingo Latuske. Sein Bruder Rainer wurde von Marlies Henschke informiert. Für beide ist es schon bemerkenswert, dass nach so vielen Jahren noch Post der Verwandtschaft vorliegt. Wie die verwandtschaftlichen Beziehungen zum Briefeschreiber sind, hat der Ratteyer Bruder auch ermitteln können: Paul Zemmin ist ein Bruder unseres Opas“, erklärt er. Seit Jahren verwahrt der Ratteyer Familienbilder und Dokumente der Familie. Darunter befindet sich auch ein Foto, vor 1917 aufgenommen, auf dem der Briefeschreiber Paul Zemmin abgebildet ist. Das Besondere: Ingo Latuske ist sogar ein geborener Zemmin. „Der Name in meiner Geburtsurkunde steht dort aus einem einfachen Grund: Ich war zu schnell; meine Eltern hatten bei meiner Geburt noch nicht geheiratet“, erzählt er. Nach der Eheschließung wurde das aber bald korrigiert. Im Haus Mühlenstraße 27 in Strasburg (seit DDR-Zeiten Ernst-Thälmann-Straße, die Adresse des Feldpostbriefes), hat der Ratteyer noch selbst gewohnt. Abgerissen wurde das Haus dann Ende der 80er-, Anfang der 90er- Jahre.
Was den Verbleib der Post betrifft, so sollen die Familienmitglieder, die Interesse daran haben, eine Kopie erhalten. Und auch das Prenzlauer Museum kann sich ruhig in Rattey melden, wenn die Ausstellung zum Thema I. Weltkrieg konzipiert wird.
Ein Rätsel indes bleibt: Wie kam dieser Strasburger Brief in die Raminer Kiste, wo er entdeckt worden ist?

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r.marten@nordkurier.de