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Nazi-Konzert: Polizei greift lieber nicht ein

Besucher einer rechtsextremen Veranstaltung bei Viereck im Sommer 2012.
Besucher einer rechtsextremen Veranstaltung bei Viereck im Sommer 2012.
Stefan Sauer/dpa-Archiv

Mit Veranstaltungen versuchen Nazis vor den Toren von Viereck, einen früheren Schweinestall als ihren Treffpunkt zu etablieren. Nachdem die Polizei dort Mitte Oktober ein Konzert verhindert hat, gelang es den Rechtsextremen jetzt, eine Veranstaltung durchzuführen – obwohl die Polizei davon wusste.

Das kann zur Taktik werden: Hansa bereitet sich auf das Fußballspiel am Wochenende vor und wegen befürchteter Krawalle sind die Polizeikräfte dort gebunden. Zur selben Zeit an einem anderen Ort: Die Rechtsextremen richten ungehindert ihre Konzerte aus, weil die Polizei halt woanders gefordert ist. Genau so muss man sich das Szenario des vergangenen Wochenendes vorstellen. Den Nazis gelang es so tatsächlich, ein Konzert bei Viereck durchzuführen – erneut auf dem Gelände des ehemaligen Schweinestalls. Mit mehr als 30 Fahrzeugen rückten die Konzertteilnehmer an; vor Ort waren rund 90 Personen.

„Es ist richtig, dass wir das Konzert nicht aufgelöst haben“, bestätigte auf Nachfrage die Sprecherin der zuständigen Polizeiinspektion Anklam, Ortrun Schwarz, eine dem Nordkurier vorliegende  Information der Internet-Plattform „gegenrede.info“. An jenem Wochenende habe es kreisweit eine Reihe von Veranstaltungen gegeben, die eine erhöhte polizeiliche Präsenz erforderlich gemacht hätte. Erst gegen 21.30 Uhr hätte der Polizei eine Information zu dem Nazi-Konzert vorgelegen. Vor dem Hintergrund der Angriffe auf Polizisten bei einer ähnlichen Veranstaltung am selben Ort am 12. Oktober sei die Entscheidung  gefallen, „dort nicht nur eine Handvoll Polizisten hinzuschicken“. Nach der Veranstaltung habe es aber die entsprechenden Kontrollen gegeben, sagte Ortrun Schwarz. „Leider ist das an jenem Tag so abgelaufen“, bedauerte sie. 

Mangelt es an ausreichend Polizisten?

Derartige Konzerte werden sehr konspirativ vorbereitet. Auch das Bündnis „Weltoffen:demokratisch, bunt“ hat spät von dem Konzert erfahren, sagte Sprecher Peter Porwitzki. „Wir müssen nach wie vor die Öffentlichkeit  dafür sensibilisieren, dass sich direkt vor ihrer Haustür ein  neonazistisches Zentrum etabliert – mit einem sehr hohen gewaltbereiten Potenzial, wie die  jüngste Auseinandersetzung mit der Polizei gezeigt hat.“ Ob in der Region ausreichend Polizei vorhanden ist, das wollte Porwitzki nicht bewerten. „Für mich viel wichtiger ist, dass die Polizei entschlossen Recht und Gesetz durchsetzt. Mein Eindruck ist, dass die Brandenburger da konsequenter sind.“

Der frühere Schweinestall ist nach wie vor aus baurechtlichen Gründen für Veranstaltungen nicht zugelassen. Das bestätigte auf Nachfrage der Sprecher der Kreisverwaltung, Achim Froitzheim. Die Behörde werde den Sachverhalt prüfen, ob das Konzert wirklich in den Räumlichkeiten stattgefunden hat und entsprechend reagieren.