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Neu in der Klinik: Bei ihm schläft jeder ein

Bernd Müller ist jetzt Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Asklepios Klinik.  FOTO: A. Stegemann

VonAngela StegemannEr ist nicht nur ein Kind der Region, sondern auch einer, der auf dem Boden geblieben ist, heißt esüber ihn im Krankenhaus. Nun ist Bernd ...

VonAngela Stegemann

Er ist nicht nur ein Kind der Region, sondern auch einer, der auf dem Boden geblieben ist, heißt es
über ihn im Krankenhaus. Nun ist Bernd Müller Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin
an der Pasewalker
Asklepios Klinik. Und er kennt die Ängste der Patienten ganz genau.

Uecker-Randow.Auf dem Chefarzt-Stuhl sitzen – ist das der Traum aller Mediziner? Zu diesen Ärzten gehört Bernd Müller nicht unbedingt. „Ich war mit meiner Position als Oberarzt sehr zufrieden“, sagt er. Doch im Vorjahr starb seine Chefin. So nehmen die Dinge manchmal ganz ungewollt ihren Lauf. Nun leitet er ein Team von elf Leuten, darunter sind vier Ober- und vier Fachärzte. „Wir versorgen fast alles, sind die Schnittstelle für viele Bereiche“, erklärt der Diplommediziner. Anästhesisten sind diejenigen, die selten im Mittelpunkt stehen. „Aber wenn wir nicht funktionieren, haben viele andere Kollegen Probleme“, kennzeichnet Bernd Müller seinen Beruf. Was so viel heißt: Bevor die Anästhesisten nicht ihr Werk getan haben, können die anderen nicht operieren.
Der 51-Jährige kennt die Ängste vieler Patienten, aus der Narkose nicht mehr aufzuwachen. Oder dass diese nicht fachgerecht ausgeführt wurde und man aufwacht, bevor der Eingriff beendet ist. „Narkosen sind heute so modern, dass wenig passiert“, weiß Bernd Müller. Gehirnfunktion und Lunge werden ständig überwacht, sodass die Leute tief schlafen. Auf Gase beispielsweise verzichten Anästhesisten heutzutage ganz. Bis zu 30 Mal kommen Anästhesisten in der Klinik täglich zum Einsatz. Bis zu 6300 Narkosen werden im Krankenhaus jährlich verabreicht. Stolz verweist Bernd Müller auf das neue Narkosegerät, das sich die Klinik angeschafft hat. „Der Porsche unter den Geräten“, meint er. Kostenpunkt: 130000 Euro. Der Diplommediziner ist aber nicht nur der neue Chefarzt, sondern auch der OP-Manager. Dazu gehört unter anderem, alle Termine zu koordinieren. Wer mit Bernd Müller redet, merkt schnell, dass er in seinem Beruf glücklich ist. Anästhesist werden? Da hätte er vor etlichen Jahren noch ablehnend den Kopf geschüttelt. Die Familie wohnte in Brüssow. Der Vater war der dortige Landarzt. Der Sanitätsrat hätte es gern gesehen, wenn der Sohn einmal sein Nachfolger wird. Mutter Marga Müller leitete das Heimatmuseum der kleinen Stadt, die damals noch zum Kreis Pasewalk gehörte. Aber Bernd Müller hatte ganz andere Pläne im Kopf. Er wollte Grafik & Design studieren. „Doch dafür haben meine Zeichnungen nicht gereicht“, erzählt er. Also doch Medizin, aber Pathologie. Doch Anästhesisten wurden dringender gebraucht. Er studierte in Greifswald. Nach einem praktischen Jahr am Pasewalker Krankenhaus folgten fünf Jahre Facharztausbildung, unter anderem in Neubrandenburg, Greifswald und Berlin-Buch. In einer Großstadt zu arbeiten, das kann Bernd Müller sich nicht vorstellen. „Ich bin bodenständig. Das Leben in Ballungsgebieten wäre für mich eher erdrückend“, erklärt der Vater dreier Kinder. Deshalb auch wählte er das Dörfchen Polzow zu seinem Wohnort.

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a.stegemann@nordkurier.de