WOHNUNGSLOSE

Obdachlos in Uecker-Randow – wer hilft?

Wer keine Miete bezahlt, als junger Erwachsener Stress mit den Eltern hat, zwangsgeräumt wird oder in Trennung lebt, der muss damit rechnen, plötzlich auf der Straße zu sitzen.
Auch in der Uecker-Randow-Region werden Menschen wohnungslos. Die Kommunen haben allerdings Möglichkeiten geschaffen, Bet
Auch in der Uecker-Randow-Region werden Menschen wohnungslos. Die Kommunen haben allerdings Möglichkeiten geschaffen, Betroffene zeitweise aufzufangen. Foto: Jörg Carstensen Jörg Carstensen (Symbolfoto)
Pasewalk ·

Der große Knall bahnte sich in der Familie seit Wochen an. Frank S., 27 Jahre alt, provozierte seine Eltern bis zur Weißglut, weil er keinem Job nachging und sich auch nicht um Arbeit bemühte. Die Eltern sahen am Ende keinen anderen Ausweg und setzten den jungen Mann vor die Tür: Aus dem Hotel Mama in die Obdachlosigkeit – der Schock saß richtig tief.

Identische, aber auch vergleichbare Fälle, die binnen Stunden zur Obdachlosigkeit führen, kommen in der Uecker-Randow-Region immer wieder vor, ergab am Dienstag eine Nordkurier-Umfrage in den Stadt- und Amtsverwaltungen. Die Verwaltungen sind auf Obdachlose vorbereitet.

Plötzlich ohne Dach über dem Kopf

Auf drei Fälle im vergangenen und einen Fall in diesem Jahr verweist Anke Timm, Haupt- und Ordnungsamtsleiterin des Amtes Löcknitz-Penkun. „Zwangsräumungen, Fälle von häuslicher Gewalt, aber auch Trennungen haben in der Vergangenheit in unserem Amtsbereich dazu geführt, dass Bürger plötzlich kein Dach über dem Kopf hatten und Hilfe benötigten“, sagt sie.

Das Amt hält aus Kostengründen kein Obdachlosenheim vor, sondern regelt seit 2009 vertraglich die zeitweilige Unterbringung Betroffener über die Europäische Jugend- und Sozialwerk gGmbH Penkun. „Das Werk verfügt über eingerichtete Zimmer an den drei Standorten in Penkun, Glasow oder Eggesin. Wir können so schnell und unbürokratisch das Problem lösen“, so Anke Timm. Wenn erforderlich, geht das Amt finanziell in Vorleistung, nimmt jedoch die Begünstigten in die Pflicht. Erhalten diese beispielsweise Leistungen des Jobcenters, müssen sie die Kosten für die Unterkunft weiterleiten.

Bedarf in Strasburg sehr gering

Der Bedarf an einem Quartier für Menschen ohne Obdach war und ist in Strasburg sehr gering, sagt Dirk Röhl, Sachbearbeiter im Ordnungsamt. Da die Verwaltung vorab Informationen über bevorstehende Zwangsräumungen erhalte, versuche sie, diese im Gespräch mit dem Klienten abzuwenden. „Betroffen waren in der Vergangenheit junge Menschen in der Altersgruppe zwischen zwanzig und dreißig“, sagt Röhl.

„In der Vergangenheit gelang es uns, über Gespräche, auch mit den Eltern oder Angehörigen, das Ärgste abzuwenden“, sagt er. In der Regel gehe es dann um Überbrückungen, bis die Betroffenen selbst eine Lösung gefunden haben. Wenn die Kosten der Unterkunft vom Jobcenter getragen werden, dann sei die städtische Wohnungsgesellschaft Ansprechpartner, um den Betroffenen ein Angebot unterbreiten zu können.

In den vergangenen Jahren habe es lediglich zwei ernsthafte Fälle gegeben. Ein bekanntes Phänomen der 1990er-Jahre, dass Tippelbrüder sich in den Städten niederließen, gebe es aktuell nicht, so Röhl.

Eine Wohnung mit fünf Plätzen in der Oststadt

Pasewalk, die mit rund 10.000 Einwohnern größte Stadt der Region, nennt ganz andere Zahlen. Die Verwaltung erreichten im vergangenen Jahr Hinweise von 14 Räumungen, vier endeten mit Einweisungen in die von der Stadt in der Oststadt vorgehaltene Wohnung für Obdachlose. Drei Fälle gab es in diesem Jahr, zwei endeten ebenfalls mit Einweisungen. „In der Wohnung halten wir fünf Plätze vor“, sagt Jutta Genz, Sachbearbeiterin im Sachgebiet Ordnung und Sicherheit.

Die Zimmer sind nur spartanisch eingerichtet. Denn Ziel sei, dass die Betroffenen zügig wieder Verantwortung für sich übernehmen. Die Betroffenen haben dort einen Satz von 4,45 Euro pro Tag und Person zu tragen. Trotzdem kommt es vor, dass manche bis zu zwei Monate dort leben. Betroffen ist auch hier zunehmend die Altersgruppe zwischen 20 und 30.

Ansprechbehörde für Menschen, die von der Obdachlosigkeit bedroht sind, sind die Ordnungsämter.

Pasewalk: Tel. 03973 2510

Strasburg: Tel. 039753 27237

Löcknitz-Penkun: Tel. 039754 50113

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Kommentare (1)

was ist das?????