DENKMAL AM KREISEL

Pasewalk hat seine Kleinbahn zurück

70 Jahre lang gehörte die Kleinbahn Klockow-Pasewalk zum Stadtbild. Straßenbegleitend war sie in der Linden-, Feld- und Brölliner Straße unterwegs. 1963 hatte sie ausgedient. Jetzt ist sie wieder da – als Denkmal.
Innerhalb von zweieinhalb Stunden stand der 1,5 Tonnen schwere Schattenriss der Kleinbahn. Bis zum Herbst 1963 war die Kleinba
Innerhalb von zweieinhalb Stunden stand der 1,5 Tonnen schwere Schattenriss der Kleinbahn. Bis zum Herbst 1963 war die Kleinbahn Klockow-Pasewalk in der Feld- und Lindenstraße unterwegs. Die Monteure (von links): Kranfahrer Sandro Marten sowie Ulli Bokowsky und Rene Funke. Rainer Marten
Von 1893 bis 1963 transportierte die Kleinbahn landwirt-schaftliche Produkte, ab 1948 sogar Personen von Klockow über Sch
Von 1893 bis 1963 transportierte die Kleinbahn landwirt-schaftliche Produkte, ab 1948 sogar Personen von Klockow über Schönfeld, Neuenfeld, Züsedom und Bröllin bis Pasewalk. ZVG
Pasewalk.

Verkehrskreisel und trotzdem eine Ampelregelung? Manch ein Kraftfahrer traute am Dienstag in der Lindenstraße seinen Augen nicht. Die Ampelregelung hatte einen Grund: Auf dem vormontierten Fundament platzierten Mitarbeiter der Neubrandenburger Firma Ulfers und Metallbau Wittenberg Torgelow den eineinhalb Tonnen schweren Schattenriss einer Kleinbahn. Ein Jahr nach der Verkehrsfreigabe des Kreisels schreitet das Projekt auch seinem künstlerischen Ende entgegen.

Die Montage der drei Einzelelemente begann bereits um 7 Uhr, berichtet Ulli Bokowsky, Mitarbeiter in der Firma Metallbau Wittenberg. Der Verkehr wurde über eine Ampelregelung an der Kurzbaustelle vorbei geleitet. Die Konturen der Kleinbahn wurden im Unternehmen aus der 20 Millimeter starken Stahlplatte gebrannt. Markante Details wie die Pleuelstangen des Radantriebs wurden als Relief hervorgehoben. Nicht fehlen durften die Seriennummer und die drei markanten Buchstaben K.K.P. Sie stehen für Kleinbahn Klockow-Pasewalk.

Landwirte wurden damals übers Ohr gehauen

Pasewalks Eisenbahnhistoriker Rudi Buchweitz ließ sich das Ereignis nicht entgehen, immerhin prägten die Kleinbahn Klockow-Pasewalk und ihre Gleise 70 Jahre lang das Bild in der Linden-, Feld- und in der Brölliner Straße. „Eröffnet wurde die Strecke als Pferdebahn 1993 mit einer Spurweite von 700 Millimetern. Übrigens eine unübliche Spur, um nicht zu sagen: Die Investoren, meist Landwirte der Region, wurden übers Ohr gehauen. Im Oktober 1909 wurde auf 750 Millimeter umgespurt, und damit begann die Erfolgsgeschichte der Kleinbahn. Im Durchschnitt 30 000 Tonnen Erntegut, vor allem Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln, wurden jährlich in Richtung Pasewalk entweder zur Verarbeitung oder zum Umladen auf die Regelspur gebracht“, berichtet er. Pasewalks Mühlen oder die Flockenfabrik profitierten von diesen beachtlichen Lieferungen aus den Dörfern rund um Klockow, Schönfeld, Neuenfeld und Züsedom.

Ab 1948 transportierte die Kleinbahn Personen

„Bis zum 6. Oktober 1909 zogen Pferde die Waggons, ab dem 7. Oktober 1909 wurden auf der Strecke Dampfloks eingesetzt“, so Buchweitz. Ab Frühjahr 1948 diente die Kleinbahn auch für den Personentransport. „Immer, wenn die Bahn die Löcknitzer Straße querte, musste diese gesperrt werden. Die Reisenden sind dort ausgestiegen, was die Bahnmitarbeiter duldeten. Eine offizielle Haltestelle gab es dort nicht, was später immer wieder behauptet wurde.“

Am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Betriebsführung der Strecke bis zur Schließung im Herbst 1963. Die Linie war unrentabel geworden, Omnibusse und Lastkraftwagen hatten sie überflüssig gemacht.

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