LIEFERSERVICE UND INTERNET

Pasewalker Handel stellt sich in der Corona-Krise neu auf

Die Läden sind zu, der Umsatz fehlt. Doch die Mieten und Betriebskosten bleiben. Pasewalks Kleinstunternehmen, oft geführt von Einzelinhabern, erschließen sich neue Wege, um die Corona-Krise wirtschaftlich zu überstehen.
Carmen Teske-Henning eröffnete im Februar 2013 am Neuen Markt in Pasewalk das Geschäft „Schreibeck“. Jet
Carmen Teske-Henning eröffnete im Februar 2013 am Neuen Markt in Pasewalk das Geschäft „Schreibeck“. Jetzt entwickelt auch sie neue Ideen, damit das städtische Geschäftsleben nicht untergeht. Foto: Rainer Marten Rainer Marten
Pasewalk.

Das Schild von Diplom-Buchhändlerin Katrin Lange in ihrem Pasewalker Buchhaus ist nicht zu übersehen: „Kostenlos nach Hause“ ist dort zu lesen. Gemeint sind Lieferungen, die Kunden dort bestellen können. Denn die Ladentür ist zu. Verordnete Kontaktsperre.

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Bei G&M-Moden einige Meter weiter hat Inhaberin Doreen Grunow ihre Handynummer im Fenster veröffentlicht. Der Zusatz lautet: „Wir sind im Laden“. Der My Extra Shop Pasewalk, ein Mobilfunkhändler, macht jetzt sogar zweimal in der Woche kurz auf. „Aber nur für Dienstleistungen“, hat der Inhaber vermerkt. Der Gina Laura-Laden wiederum schrieb neben der Telefonnummer: „Wir liefern nach Hause“. Pasewalks Händler kämpfen in diesen Tagen um das Überleben.

Kurz vor Schließung teure Regale gekauft

„Ich habe im Februar 2013 das ‚Schreibeck‘ am Neuen Markt eröffnet“, berichtet Inhaberin Carmen Teske-Henning. 2013. Die PARO-Handelshaus GmbH im Gemeindewiesenweg, wo Carmen Teske-Henning, arbeitete, machte zu. Ein Nachfolger fehlte. „Ich stand vor der Frage, wie es weitergeht. Machst du dich selbstständig?“, erzählt die Frau. „Ich kannte die Kundenzahlen, die Umsätze. Und dachte immer: Wenn das so bleibt, dann überlebst du auch als Selbstständige und kannst sogar zwei Mitarbeiter stundenweise mit Arbeit versorgen.“

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Sie gründete ihr Geschäft und fuhr seitdem wochentags aus der Gemeinde Uckerland in Brandenburg nach Pasewalk. „In diesen Jahren hat es Höhen und Tiefen gegeben, denn es ist ein Fachgeschäft mit saisonal bedingten Umsätzen. Zum Schulstart zum Beispiel läuft es. Danach arbeiten wir hart an der Grenze.“ Am 18. März dann der Hammer: Kontaktverbot. Geschäfte, die nicht unbedingt „systemrelevant“, also für das tägliche Leben erforderlich sind, mussten schließen. „Zwei Wochen früher, etwa ab Anfang März, habe ich schon gespürt, dass die Leute angesichts des Virus anderes im Kopf hatten. Der Umsatz ging da schon um rund 80 Prozent zurück“, berichtet die Schreibeck-Inhaberin. Zwei Dinge seien ihr, als die Ladentür wirklich zu war, durch den Kopf gegangen: Wie überlebt das Geschäft angesichts der Fix-Kosten? Die Miete wird fällig. Die Gerätekosten müssen beglichen werden. Das Kopiergerät. Energie. Wasser. „Und dann die neuen Regale. Teuer erworben, weil der Laden umgestaltet werden sollte! Ist das jetzt eine tote Investition?“ , erzählt sie von ihren Gedanken.

Neue Facebook-Seite und ein Abholservice

Wie andere Klein- und Kleinstgeschäfte suchte Carmen Teske-Henning nach Möglichkeiten, wie sie ohne direkte Kundenkontakte trotzdem am Markt präsent bleiben kann. „Facebook war für mich vorher keine Option“, sagt sie. „Jetzt habe ich mir ganz mühevoll eine Seite aufgebaut“, erzählt sie stolz. Dort sei jetzt auch ihre neue geschäftliche Handynummer einsehbar. Ihr nächster Schritt ist der Abholservice. „Ich habe mich erkundigt. Die Läden dürfen nicht geöffnet sein, ein Abholservice hingegen ist möglich. Dienstags und donnerstags richte ich diesen in der Zeit von 11 bis 14 Uhr ein“, sagt sie.

In ihrem Schaufenster prangt jetzt auch ein großes Schild mit all ihren Serviceangeboten. Diese kleinen vielen Aktionen hätten sie selbstbewusster gemacht, sagt Carmen Teske-Henning. „Nichts ist schlimmer als warten auf das, was noch alles kommt“, fügt sie hinzu. Mit diesen Aktionen soll das Geschäft überleben. Und auch ein Stück innerstädtische Vielfalt. Denn es werde auch wieder eine Zeit nach der Corona-Pandemie geben.

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