WEGEN TIERQUÄLEREI VOR GERICHT

Pasewalker ließ seine kranke Hündin leiden

Kai D. hielt seine kranke und abgemagerte Hündin hinter einem Bretterverschlag. Vor dem Amtsgericht Pasewalk ist er jetzt wegen Tierquälerei verurteilt worden.
So sah Tina aus, als sie ins Tierheim Berndshof kam. „Ob sie durchkommt, daran hatten wir Zweifel“, sagte Tierheim
So sah Tina aus, als sie ins Tierheim Berndshof kam. „Ob sie durchkommt, daran hatten wir Zweifel“, sagte Tierheimleiterin Sabine Schultz später. Die Hundedame erlebte noch schöne Monate. Tierheim Berndshof/zVg
Pasewalk ·

Zufall war’s, aber für Hundedame Tina (14) ein sehr glücklicher Umstand, dass ihr ausgerechnet Einbrecher die Flucht vor dem kurz bevorstehenden Tod ermöglichten. Im Februar 2020 hatten sich die Diebe Zutritt verschafft zum Gartengrundstück von Kai D. (47) in Pasewalk. Mit ihnen ging auch der Collie-Mix stiften. Jetzt stand Herrchen Kai D. vor dem Amtsgericht Pasewalk, angeklagt von der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wegen Tierquälerei. Denn als Collie-Mix Tina auf der Straße aufgegriffen wurde, war sie stark abgemagert, voller Parasiten und hatte viel Fell verloren. „In diesem Zustand hätte die Hündin nur noch wenige Tage überlebt“, gab Amtstierärztin Petra Kabelitz damals bei ihrer Strafanzeige zu Protokoll.

Angeblich hätte er die Behandlung nicht bezahlen können

„Ich habe einen Fehler gemacht, hätte die Hündin zum Tierarzt bringen müssen. Heute tut es mir leid, es wegen des Geldes für die Behandlung nicht getan zu haben. Ich bin Hartz-IV-Empfänger”, zeigte sich der Angeklagte geständig. Den Vorwurf, Tina längere Zeit weder Futter noch Wasser gegeben zu haben, wies er zurück. „Ich habe ihr täglich was gebracht, aber sie aß immer weniger“, sagte er. Amtstierärztin Kabelitz bestätigte in ihrer Zeugenaussage vor dem Amtsgericht, dass es so gewesen sein könnte, fügte jedoch an: „Der Hündin, die durch Parasiten stark unter Juckreiz litt, hätte mit Spritzen geholfen werden können. Die vierwöchige Behandlung beim Tierarzt kostet etwa 100 Euro. Ich kenne keinen unter meinen Kollegen, der sich nicht auf Ratenzahlung einlassen würde.“

Kai D. war offenbar schon vor Tinas Erkrankung nicht gerade ein Tierfreund, der für artgerechte Haltung sorgte. Neun Jahre lebte die Hündin ausschließlich auf dem Gartengrundstück, zuletzt hinter einem Bretterverschlag auf einer Palette. Der Ausgang der Hündin beschränkte sich nach Angaben des Angeklagten lediglich auf den Garten des mit Mauern umgebenen Grundstücks. „Unter diesen Umständen fühlt sich kein Hund wohl“, stellte Amtsrichter Gerald Fleckenstein fest.

„Die Hündin war eine einzige Baustelle”

Nach ihrer Befreiung war Tina ins Tierheim Berndshof nach Ueckermünde gekommen. Tierheimleiterin Sabine Schultz erinnert sich: „Als die Hündin zu uns kam, war sie eine einzige Baustelle. Zum Glück konnten wir sie wieder aufpäppeln.“ Tina nahm sechs Kilo zu, ging Gassi mit einer Pflegefamilie und erholte sich trotz ihres stattlichen Alters. „Es ist gut zu hören, dass sie nach der Leidenszeit noch schöne Monate gehabt hat“, sagte Amtsrichter Fleckenstein.

Herzlos zeigte sich Kai D. auch in dieser Zeit. Im Tierheim rief er nie an, meldete sich stattdessen bei der Hundesteuer ab. Am 1. Dezember musste die Hundedame schließlich doch eingeschläfert werden. An der Bauchdecke hatte sich ein Krebsgeschwür gebildet. „Wäre der Halter mit Tina beim Tierarzt gewesen, hätte die Hündin auf jeden Fall länger leben können“, sagte Tierheimleiterin Schultz:

Schuldig der Tierquälerei, urteilte Amtsrichter Fleckenstein und blieb beim Strafmaß mit 1160 Euro Geldstrafe (40 Tagessätze) exakt bei der Forderung des Staatsanwaltes. Der Wahlverteidiger von Kai D. hatte für seinen nicht vorbestraften Mandanten 30 Tagessätze gefordert. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Es sieht allerdings nicht vor, dass sich Kai D. keinen Hund mehr anschaffen darf.

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Kommentare (3)

Unsere Justiz, alles mit halben Ar...🥴🤮

Solche Leute verdienen ein Lebenslanges Tierhalteverbot

Das so eine Person kein Tierhalteverbot bekommt, macht einen stutzig.
Hätte die Hündin erst sterben müssen?
Es hätten gerne 90 Tagessätze sein können, dann wäre er wenigstens vorbestraft...