TROTZ CORONA-KRISE

Pasewalker Physiotherapeuten dürfen Patienten weiter behandeln

Die Ausgangsbeschränkungen haben nicht die Schließung von Physiotherapie-Praxen zur Folge. Die Leistungen können auch weiterhin in Anspruch genommen werden.
Für die Physiotherapeuten haben schwierige Zeiten begonnen, obwohl sie weiter arbeiten dürfen. Seit etwa einer Woche
Für die Physiotherapeuten haben schwierige Zeiten begonnen, obwohl sie weiter arbeiten dürfen. Seit etwa einer Woche sinken die Patientenzahlen, sagt Angele Neumann (Mitte), hier mit ihren Mitarbeitern Karol Parys (links) und Uwe Knedel. Foto: Rainer Marten Rainer Marten
Für die Physiotherapeuten haben schwierige Zeiten begonnen, obwohl sie weiter arbeiten dürfen. Seit etwa einer Woche
Für die Physiotherapeuten haben schwierige Zeiten begonnen, obwohl sie weiter arbeiten dürfen. Seit etwa einer Woche sinken die Patientenzahlen, sagt Angele Neumann (Mitte), hier mit ihren Mitarbeitern Karol Parys (links) und Uwe Knedel. Foto: Rainer Marten Rainer Marten
Pasewalk.

Noch vor zwei Wochen war es schwierig, kurzfristig einen Termin in einer der sieben Pasewalker Physiotherapie-Praxen zu bekommen. Sie waren immer gut gebucht. Und das nicht nur in Pasewalk, sondern auch in Löcknitz oder Strasburg. In der Stunde wurden dort etwa zwei Patienten je Mitarbeiter behandelt. Das war die Regel.

Seit etwa einer Woche ist das anders. Manch einer überlegt sich, ob er mit jedem Wehwehchen sofort zum Arzt geht, um sich eine Behandlung verschreiben zu lassen. Wenn er doch zum Arzt geht, dann kommt dort, so der aktuelle Anschein, die mögliche Verschreibung einer Leistung der Physiotherapie genauer auf den Prüfstand. Die Ärzte wägen ab, ob eine Behandlung zum jetzigen Zeitpunkt medizinisch dringend notwendig ist, um die Patienten nicht von Ort zu Ort zu schicken.

Das kommt bei den nachgeordneten Berufsständen, darunter in den Physiotherapie-Praxen, an. Sie spüren seit etwa einer Woche, dass die Anmeldungen drastisch zurückgehen. Das bestätigte auf Nachfrage Angele Neumann, deren Praxis sich in Pasewalk an der Festwiese 7 befindet. „Aber nicht nur die Terminvereinbarungen gehen zurück, auch bereits vereinbarte Termine werden abgesagt. Für uns ist das ein deutliches Zeichen, dass unsere Patienten sehr verunsichert sind“, sagt die Praxisinhaberin. Eine gewisse Zeit, so ist die Praxisinhaberin überzeugt, könnten das die Unternehmen mit zwei- oder drei Mitarbeitern überbrücken. Aber über Wochen? Die Pasewalkerin hat da so ihre Zweifel.

Physiotherapie bedeutet oft Körperkontakt

Man sollte früh über das Thema sprechen, meint sie. Die Verunsicherung der Patienten hat aus ihrer Sicht mehrere Ursachen. Viele würden davon ausgehen, dass die bundesweiten Ausgangs- und Einkaufsbeschränkungen, die in der vergangenen Woche ausgesprochen und am Sonntag noch einmal verschärft wurden, automatisch auch die Schließung von Physiotherapie-Praxen zur Folge haben. Aber: Nach wie vor ist das Verlassen der eigenen Wohnung bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Die Inanspruchnahme einer Physiotherapie gehört dazu, soweit diese medizinisch erforderlich ist, sagt sie.

Für die abgesagten Termine vermutet Angele Neumann einen weiteren Grund: Physiotherapie bedeutet Nähe und oft auch Körperkontakt. Dem stehen die geforderten Abstandsregeln entgegen. „Hier kann ich unseren Patienten und sicher auch den Patienten der anderen Physiotherapie-Praxen eines zusichern: Wir folgen strikt den Empfehlungen unserer Verbände hinsichtlich der Hygiene. Wir arbeiten seit einer geraumen Zeit mit Handschuhen und tragen Mundschutz, wir achten auf die Flächendesinfektion. Die Patienten bringen darüber hinaus eigene Badetücher und Laken mit“, sagt sie. In ihrer Praxis setzte sie jetzt auch die Empfehlung des Ambulanten Herz-Kreislauf-Zentrum Pasewalk-Ueckermünde Dr. med. Christine Bahr & Kollegen um. „Ich finde die Empfehlung wirklich gut, das Wartezimmer hinaus in das Auto zu verlegen, um eine Ansammlung mehrerer Patienten in einem Raum zu vermeiden.“ Sie dann über das Telefon in die Praxis zu bitten, sei ein unbedeutender Mehraufwand.

Persönlich befürchtet sie, dass die Patienten auch durch den Leistungsverzicht Schäden nehmen können. „Wir müssen weiterhin postoperativ tätig sein. Nach einem chirurgischen Eingriff ist es zwingend erforderlich, dass die Physiotherapeuten zum Beispiel bei einer Fraktur die volle Bewegungsfähigkeit des entsprechenden Körperteils wieder herstellen, damit keine bleibenden Schäden zurückbleiben oder der Patient mit Spätfolgen zu kämpfen hat. Schon vor diesem Hintergrund sollte niemand auf seine Verordnung verzichten. Jeder sollte mit der gebotenen Aufmerksamkeit die Pandemie im Blick haben. Aber es werde auch wieder eine Zeit danach geben. Auch das sollte niemand aus den Augen verlieren, wenn er aktuell auf Behandlungen verzichtet oder sich hier einschränkt.

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